Spree-Radweg

Spree-Radweg - Klaus Herzmann12Radeln in der Postkartenidylle. Verwunschene Wälder und prächtige Städte wie Bautzen bieten ein Füllhorn an Überraschungen. Traditionell zeigen sich sorbische Kulturen in bunt bestickten Trachten. Den Höhepunkt allerdings bewahrt sich der Radweg bis zum Schluss – die Hauptstadt Berlin.

 

 

Im reizvollen Oberlausitzer Bergland, grenznah zu Tschechien, entspringt die Spree. Gleich drei Quellen nennt sie ihr Eigen. Im dunklen Kottmarwald erblickt die höchstgelegene das Licht der Welt. Malerisch strömt sie alsdann durch die lieblichen Landstriche von Sachsen und Brandenburg. Weite Felder, saftig grüne Wiesen und so mancher kulturhistorischer Leckerbissen erwartet den Radreisenden im Nordosten Deutschlands. Und dann? Natürlich immer dem Spreeradweg folgen – mitten hinein ins quirlige Berlin.

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Unterwegs im Lausitzer Bergland

Der hohe Himmel weitet sich über den wogenden Feldern, wo sich sanfte Bergrücken aneinander lehnen. Damit machen wir bereits auf den ersten Metern unserer Radtour von Neugersdorf kommend Bekanntschaft. Sanftes Auf und Ab trägt uns durch kleine verschlafene Dörfer Neusalza-Spremberg entgegen. Hier findet man ein besonders zauberhaftes Exemplar der für diese Region charakteristisch-typischen Umgebindehäuser. Das Reiterhaus aus 1660, heute Denkmal geschützt,
erlaubt umfangreiche Einblicke in die Lebensweise der Oberlausitzer Menschen. Die ungewöhnliche Stützkonstruktion verbindet seit dem 15./16. Jh. die Vorzüge von diversen Bautechniken. Die der damals ansässigen Slawen, die den Blockhausstil nutzten. Und die der durch die Ostkolonialisierung herbeiströmenden Deutschen, die den Fachwerkbau beherrschten. Findige Handwerker entdeckten die dritte Variante und vereinten zwei zu einem – mit bewährtem Endergebnis. In eigenwilligen Schleifen windet sich die Spree, die sich mittlerweile zu beachtlicher Breite gemausert hat, nach Bautzen – die Stadt der Türme.

Spree-Radweg - Klaus Herzmann14Spree-Radweg - Klaus Herzmann13Dem kulturellen zweisprachigen Zentrum der Sorben. Diese besiedelten im Zuge der großen Völkerwanderung die Lausitz im 6. Jh. Allen Wirren der Vergangenheit zum Trotz, hat sich die Minderheit hingebungsvoll ihre Sprache, die Kultur und die Bräuche erhalten. Wahrscheinlich ist das auch Grund, wieso es keiner Anlaufzeit bedarf, sich in den Gassen der historischen Stadt heimelig zu fühlen. Zu schätzen wussten das schon Zar Alexander, Napoleon, der alte Fritz und so manch sächsischer König. Überragend zeigt sich der Dom St. Petri von 1524. Ab der Reformation ist das Gotteshaus eine Simultankirche für Katholiken und Reformierte und damit die älteste ihrer Art in Deutschland.

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Wir schlendern durch die geschichtsträchtigen Gassen, bestaunen die barocken Bürgerpaläste, die sich dicht aneinander drängen. Unbedingt lohnenswert ist der Aufstieg in den 56 Meter hohen Reichenturm, der wunderbare Ausblicke ins Umland wie auf die Stadt gewährt. Zum Schutze der Bürger erhielt Bautzen im 14. Jh. eine wehrhafte Befestigung, die heute die herrliche Silhouette untermalt. Darüber hinaus folgen wir dem Ruf des berühmten Bautzener Senfs – im Senfladen um die Ecke. Eine unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Varianten, in originellen Tontöpfen untergebracht, lässt jedes Gourmetherz höher schlagen.

Nasse Einsichten & trocken Radfahren

Hinter Bautzen verändert sich die Landschaft. Das eben noch hügelige Terrain weicht der flachen Heide, Teich- und Auenlandschaft. Einem UNESCO Biosphärenreservat, das sich das größte in Europa nennen darf. Das wasserreiche Gebiet ist Rückzuggebiet bedrohter Wasservögel und bietet darüber hinaus seltenen Pflanzen einen unersetzlichen Lebensraum. Genüsslich steuern wir entlang Schilf gesäumter Ufer nach Spremberg, dessen historischer Altstadt wir gerne einen Besuch abstatten. Jetzt geht’s auf brandenburgischem Boden munter weiter. Mal direkt an den klaren Wassern der Spree, mal durchs Hinterland, aber jederzeit auf bestem Radweg. Von weitem erahnen wir Cottbus, das mit einer Fülle an Attraktionen wartet. Vor 150 Jahren war die Spreemetropole wichtiger Knotenpunkt des Postverkehrs zwischen Sachsen und Preußen. Heute lassen sich Touristen auf einer Stadtfüh- rung in altem Postgespann durch die Altstadtgassen manövrieren.Spree-Radweg - Klaus Herzmann12Spree-Radweg - Klaus Herzmann56 Darin schlummert eine Vielzahl an barocken Giebelfassaden und romantischen Straßencafés. Unbestrittenes Juwel ist der Branitzer Park mit gleichnamigem Schloss. Fürst von Pückler-Muskau legte nach englischem Vorbild den Garten an. Formte Hügel und Wasserläufe, pflanzte unzählige Bäume und bezog Skulpturen und Architektur in die Gestaltung ein. Darüber hinaus war er Schriftsteller und Namens- geber der beliebten Eissorte. Das Schloss Branitz, das hier seinen Platz findet, beherbergt die Kunstsammlung, ganz im Gedenken an das Genie, das als seine letzte Ruhestätte die Wasserpyramide wählte.

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In weiten Bögen rollen wir nun den unverwechselbaren landschaftlichen Reizen des Spreewalds entgegen. Das ist eine in Deutschland außer gewöhnliche Flusslandschaft mit sumpfigen Erlenwäldern, moorigen Feuchtwiesen, in denen sich die Spree in hunderten von Wasserläufen verliert. Grund für die UNESCO die Region unter Schutz zu stellen. Der Spreewald ist auch das Land der leckeren, knackigen eingelegten Gurken, die untrennbar mit dem Namen der Region verwoben sind. Transportiert werden sie ganz traditionell, seit Jahrhunderten, mit dem Kahn. Der bestimmt das Alltagsleben der Menschen in den hübschen Siedlungen. Lübbenau weiß dazu einiges zu erzählen. Die gebotene Natur inspiriert, selbst mit dem Kajak in den Kanälen unter uralten knorrigen Ästen dahin zu treiben. Erleben wie Fischotter pfeilschnell durchs Wasser gleiten, oder ein Storch durch die Wiesen stakst. Man verspürt augenblicklich großes Verlangen, sich einfach in einem der entzückenden Holzhäuschen niederzulassen, ein Buch zu lesen, zu malen – dem hektischen Alltagsleben zu entfliehen. Hier im Spreewald gibt es sie noch – die heimischen Luxusgüter im Überfluss – nämlich Ruhe und Zeit satt.

Der Weg als Ziel

Die letzten Holzbrücken zeigen uns den Weg aus der Ruheoase. Erneut verformt sich das Landschaftsbild. Die Blicke werden weiter, der Ausreißer, eben noch in unzählige Arme verästelt, findet sich wieder zu einem Strom. Der schlängelt sich zielstrebig durch liebliche schattige Auenwälder. Im Minutentakt bieten sich Gelegenheiten, in einem der Seen die erhitzten Radlerbeine abzukühlen. So erreichen wir das benachbarte Beeskow. Kulturell wach geküsst wurde die hübsche Kleinstadt bereits im 13. Jh. als Marktsiedlung an einem wichtigen Fahrweg.

Spree-Radweg - Klaus Herzmann22Spree-Radweg - Klaus Herzmann11Darauf wurde sie wehrhaft umbaut, mit mächtigen Toren und Türmen. Zeitzeugen finden sich im Bergfried, schönen Fachwerkhäusern und der Kirche St. Marien. Nur wenige Kilometer im Sattel trennen uns noch von Fürstenwalde, die Dank bester Lage bereits im Mittelalter zum wichtigen Handelsplatz an der Spree aufstieg. Das herausragende Wahrzeichen ist der Dom St. Marien, eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Auch die historische Altstadt erfreut uns mit Sehenswertem, wie dem alten Rathaus, bevor wir uns wieder dem Spreeradweg zuwenden.Spree-Radweg - Klaus Herzmann18Spree-Radweg - Klaus Herzmann19

 

 

 

 

 

Der Spree größter Komödiant

Über glatten Asphalt queren wir den dichten, kühlen Fürstenwaldener Stadtforst nach Erkner am Dämeritzsee. Gemeinsam mit dem unweit gelegenen Großen Müggelsee zählt er zu den Naherholungsgebieten der Hauptstädter, die sich hier vom Trubel der Großstadt befreien. Das wunderbare Landschaftsbild vor den Toren Berlins zeigt sich mit der höchsten Erhebung der Region – dem 115 Meter hohen Müggelberg. Auf dessen Rücken kann man bei klarer Sicht schon die markanten Umrisse unseres Ziels erkennen. Zurück am Ufer, schieben sich vollbesetzte Ausflugsboote durch das spiegelglatte Wasser.

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Gegenüber liegt die Siedlung Friedrichshagen mit der Traditionsbrauerei „Berliner Bräu“. Friedrich der Große etablierte bereits 1753 hier das Brauereiwesen. Mittlerweile fällt auf, dass sich die Anzahl der Radbegeisterten vervielfacht hat. Mit Köpenick nähern wir uns routiniert dem nächsten Höhepunkt der Tour. Das suggeriert augenblicklich die oft verfilmte Gaunerei des falschen Hauptmanns. Die abwechslungsreiche Stadtgeschichte hingegen spiegelt sich in der einzigartigen Insellage der Altstadt wieder. Das bekannte Köpenicker Schloss aus dem 17. Jh. eingebettet in den Park präsentiert sich als Barockbau. Gegenüber ragt das backsteinerne Rathaus von 1901 in den Himmel, hinter dessen Fassaden die Sonderausstellung des größten Komödianten an den Ufern der Spree schlummert.

Endspurt mit Einsichten

Die Spree erreicht Berlin, erst kurz vor ihrer Mündung in die Havel. Dabei durchströmt sie die Hauptstadt von Ost nach West, wobei sie kein natürlicher Fluss mehr ist, sondern sich in mehrere Kanäle verzweigt. Daneben bezieht sie selbstbewusst auf dem Weg die herausragenden Sehenswürdigkeiten der Metropole ein.

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Ein Tag ist nicht genug, das wird uns schnell bewusst. Die Weltstadt mit Charme empfängt mit unglaub- lichen kulturellen Reizen, von der attraktiven Museumsinsel hin zum Berliner Dom. Vom Brandenburger Tor über den Reichstag zum Fernsehturm und weiter zum Schloss Bellevue. Unter den Linden erfahren wir das alte Herzstück der Hauptstadt – hier satteln wir ab. Denken zurück und beschließen unsere aufregende Radreise an der Spree mit den Worten des großen deutschen Dichters Matthias Claudius: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Infoblock Spree-Radweg

Startort: Neugersdorf Zielort: Berlin Länge: ca.406 km

Literatur/ Karten (Für Infos Foto anklicken)

Wegweisung

Der Radweg ist durchgehend und beinahe einheitlich beschildert. Jedoch ist die Wegweisung in manchen Städten unzureichend.

Wegbeschaffenheit

Größtenteils verläuft die Route über bestens ausgebaute asphaltierte Radwege und Betonspurbahnen. Typisch für die Region sind auch die Abschnitte über Kopfsteinpflaster, allerdings in geringem Vorkommen. Im ersten Teil der Radroute bis Bautzen sind verschiedene Anstiege zu bewältigen, darum empfiehlt es sich mit Kindern direkt in Bautzen in die Tour einzusteigen.

Infostellen

Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick e.V., Tel.: 0 30 / 6 55 75 50, www.berlin-tourismus-online.de,
Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, Tel.: 0 35 91 / 4 87 70, www.oberlausitz.com, www.bautzen.de,
Tourismusverband Spreewald, Tel.: 03 54 33 / 7 22 99, www.spreewald.de,
Tourismusverband Niederlausitz, Tel.: 03573/87720 00, www.niederlausitz.de

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