Island – Trekking

Island_Klaus Herzmann 20Island verdankt seine Existenz den Urkräften der Kontinentaldrift. Aus der Nahtstelle der Erdkruste im Mittelatlantik stieg vor rund 20 Millionen Jahren Magma empor und bildete die Insel. Heute assoziieren wir mit dem letzten Europäischen Außenposten am Polarkreis vor allem: beeindruckende Natur, grandiose Landschaftsformen, charakterstarke Pferde und ein Trekkingparadies par excellence. Wir haben uns auf den Weg gemacht und waren nur überwältigt….

Als sei es nur eine Laune der Natur gewesen, verzieht sich die übermächtige Wetterfront, der Wind legt sich, der uns im Hafen von Seydisfjördur fast von Bord der Smyril Line Fähre fegt.Island_Klaus Herzmann 44Island_Klaus Herzmann 27

Ein kraftvolles Bündel an Sonnenstrahlen zerreißt die Wolkenfassade und verwandelt die umliegenden Höhenzüge in riesige Fabelwesen. Wir sind angekommen, auf der Saga-Insel, die immer noch vom Nimbus des Wundersamen umweht wird. Mit dem eigenen Geländewagen begeben wir uns gespannt auf Entdeckungsreise. Links schlagen die Wellen an die raue Küste, rechts knarren alte Stockfischgestelle. Es riecht nach Schwefel und Fisch, manchmal auch nach beidem. Wo anders leuchtet das Rot der abgeschiedenen Gehöfte aus satten grünen Wiesen – und rundum: Da führt die Ringstrasse zu den beeindruckensden Höhepunkten der Vulkaninsel.

Gletscheransicht inclusive

Das Visitor Center in Skaftafell ist Auftakt für unsere erste Trekkingtour auf Island. Die Region soll ein echtes Paradies für Bewegungshungrige sein, was die vielen Karten im Regal nur bezeugen. Die Entscheidung fällt einstimmig auf den Rundweg S3, hoch hinauf zum Skaftafellsjökull. Der ist Teil des Vatnajökull Nationalsparks mit Europas größtem Gletscher.Island_Klaus Herzmann 6Island_Klaus Herzmann 17

Unser Rucksack mit dem Tagesproviant ist schnell gepackt und die Bergschuhe geschnürt. Wir überqueren den weitläufigen Campingplatz, wo bunt wie in einer Legokiste gleich dutzendfach die Zelte stehen. Der Wegweiser zeigt unübersehbar nach rechts in dichtes Buschwerk. Gleich vor uns schnaubt unüberhörbar eine Fraktion Turnschuh tragender Amerikaner. Überholen – Fehlanzeige. Erst der kleine Aussichtspunkt taugt zum Vorbeilaufen. Im Minutentakt werden wir mit wunderbaren Naturerlebnissen am Wegrand belohnt. So punktet auch der Svartifoss – ein Wasserfall wie aus einer Sagenwelt. Dort gleitet filigran der Stórilækur über eine Felskante, der von Basaltsäulen wie von Orgelpfeifen umgarnt tosend in die Tiefe stürzt. Der bewaldete Höhenzug, flankiert von Birken und windschiefen Eschen, steigt weitgehend mäßig an. Nur noch vereinzelt entdecken wir jetzt Gleichgesinnte.
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Einzig ein erfrischender Wind begleitet uns an die Abbruchkante vom Skaftafellsjökull. Der setzt mit seinem unglaublichen Kontrast dramatische Akzente. Vom letzten Vulkanausbruch des Grimsvötn 2011 liegt noch ein mattschwarzer Ascheschleier auf der Gletscherzunge. Umringt von den Gesteinstrümmern der Moränen schieben sich die Eismassen zwischen bizarr eingeschliffenen Bergen dem Meer entgegen. Hier rasten wir bewundernd, vertilgen den letzten Sesamriegel, bevor uns der schmale ausgewaschene Weg zurück zum Visotor Center führt.Island_Klaus Herzmann 13Island_Klaus Herzmann 5 An der Küstenstrasse fahren wir gemütlich westwärts Richtung Vík í Mýrdal. Eine Gruppe von Islandpferden precht durch die atemberaubende Landschaft: zäh, ausdauernd und anspuchslos, ganz dem Naturell der Isländer entsprechend. Gemeinsam verschmelzen sie in harmonischer Einheit zwischen Land und Meer. Und wir genießen den Moment in Vik mit seinem heißenThermalpool. Fahren nicht gleich weiter – bleiben über Nacht. Aus einem Tag werden vier. Denn die Region besticht mit dem Ausflugsziel der Halbinsel Dyrhólaey. Der Anblick von Leuchtturm und das Felsentor fasziniert, die Papageientaucher treiben uns die Lachtränen in die Augen.Island_Klaus Herzmann 16 Die Seevögel mit Clownsmaske, rotem Schnabel und melancholischen Augenausdruck sind einfach nur putzig. Vor allem aber sind sie Akrobaten der Lüfte, denen wir stundenlang zusehen können. Langsam drängt es uns auch wieder nach echter Bewegung.Manuela erledigt den Einkauf, ich sitze derweil über der Karte vom Laugavegur Track, dem wohl beliebtesten Fernwanderweg Islands…

Im tiefen Tal von Donnergott Thor

Landmannalaugar, das soviel heißt wie „Heiße Quellen der Männer vom Land“, liegt im Hochland inmitten urwüchsiger Landschaft umgeben von ungewöhnlicher Farbenpracht. Das Fjallabak und Porsmörk Naturschutzgebiet bilden die Klammer des mehrtägigen Laugavegur Tracks. Gerade hat der Hochlandbus am Startpunkt eine Gruppe Rucksackträger abgesetzt.Island_Klaus Herzmann 2Island_Klaus Herzmann 3Island_Klaus Herzmann 4 Andere sind indes bemüht ihr Zelt mit Steinen am Wegfliegen zu hindern. Ein internationaler Flair weht durch das Tal. Wir kramen bei Sonnenschein unsere Sachen aus dem Auto und verständigen den Hüttenwart, dass wir unser Gefährt für ein paar Tage stehen lassen werden. „Überhaupt kein Problem,“ meint er und wünscht uns viel Spaß auf Islands schönstem Treck. Ein leichtes Stöhnen entfährt Manuela als sie den Rucksack aufzieht. „Puh, ist der schwer,“ meint sie. Kein Wunder, denn für die nächsten Tage muss der gesamte Proviant mitgeschleppt werden. Und weil wir beide es unabhängig lieben, kommt noch der Benzinkocher, Matte, Essgeschirr und Zelt ins Gepäck. Letzteres soll uns in der Hauptsaison vor überfüllter Hütte mit „Schnarchenden“ bewahren. Der steile Anstieg führt durch erkaltete Lavaströme aus tiefschwarzem Obsidian hinauf auf ein weitläufiges Plateau. Wie ein Wurm windet sich der ausgetretene Weg in immer bizarrer werdende Landschaftsformen. Gestein in gelb, braun, orange und lavaschwarz – in der Ferne türmen sich formschöne Ryholitberge, deren Schneehaube auch vor der Julisonne nicht weichen mag. Und es stinkt, zeitweise – nach Schwefel. In gewohntem Rhythmus kommen wir gut voran. Die Wegweisung verdient ein Lob und wir erreichen zufrieden die Hütte von Hrafntinnusker. Wir bauen inmitten vieler unser Zelt auf, verspeisen unser Travellunch und freuen uns schon auf das was noch kommt. Und dafür greift Mutter Natur tief in die Trickkiste. Wir durchlaufen Urlandschaften, in denen der Mensch klein und unbedeutend wirkt.
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Wir saugen die klare Atmosphäre ein mit dem stets wechselnden Wolkenbild. Einzig, wenn ein Regenschauer oder Nebelschwaden die Weitsicht verhüllt wird’s schauerlich ungemütlich. So stapfen wir durch tief eingeschnittene Täler vorbei an mit Flüsschen durchwirkten Moosteppichen von Álftavatn nach Emstrur. Wir durchqueren satt grüne Hügellandschaften, wilde ungezähmte Gebirgsströme mal mit mal ganz abenteuerlich ohne Brücke und endlos wirkender Gletscherwüstenlandschaften. Selbst die letzten verbleibenden Kilometer versprechen abwechselnde Szenarien. Grandiose Gebirgslandschaften mit für Isländer „großen Birkenwäldern“ überziehen die sonst kargen Bergrücken der Region. Hier hat einzig allein Donnergott Thor das Sagen, der Namenspate der Pörsmörk, der mit lautem Grollen das Ende unseres aufregenden Trecks besiegelt…

 

Eingangstor zur Hölle

Ein Hochlandbus befördert uns zurück nach Landmannalaugar. Schnell ist der Rucksack verstaut und wir holpern über die Jeeppiste dem 1.491 Meter hohen Hekla entgegen. Dem wohl berühmt berüchtigsten Vulkan Islands.Island_Klaus Herzmann 10Island_Klaus Herzmann 25Island_Klaus Herzmann 26Island_Klaus Herzmann 12 Unterwegs treffen wir Josef, einen flotten älteren Herren auf seinem Motorradgespann. Der rät uns vor der Besteigung zum Einholen der aktuellen Infos im Hekla Zentrum in Leirubakki. Gesagt getan. Man spricht von einer ca. 30-60 Minuten Vorwarnzeit bei einem Ausbruch, und dass wir unbedingt das Handy eingeschaltet lassen sollen. Bei anstehender Eruption käme eine Warn-SMS und man sollte schleunigst verschwinden. O.K., wir bleiben erst einmal die Nacht auf dem schönen Campingplatz in Hella und beäugen das Monster aus der Ferne. Morgens brechen wir dann entschlossen auf. Nehmen die 4×4 Piste und parken an dem Fuße der Hekla. Unübersehbar prangen die ersten Wegweiser am Pfad. Es geht gleich heftig bergan, die erkalteten Lavaströme sind scharfkantig und es ist Vorsicht geboten. Wir queren die ersten Schneefelder. Die Lavaschütten sind anstrengend, ein Schritt vor und zwei zurück. Dafür belohnen uns wunderbare Fernsichten auf dem Weg zum Gipfel. Noch ein letzter Anstieg, dann stehen wir ganz oben – und werden fast weggeblasen. Schnell ein Erinnerungsfoto, schon geht’s die steilen Flanken hinab zum Ausgangspunkt. Unsere Tage sind mit der letzten wunderbaren Trekkingtour auf Island gezählt. Zurück an Bord der Smyril Line Fähre in Seydisfjördur lauschen wir einer Reisegruppe: „In jeder Hinsicht überwältigend dieses Island, wunderbar, einzigartig und grandios.“, sagen sie alle – dem haben Manuela und ich nichts hinzuzufügen.

Infopaket – Island – Trekking

Anreise
Flugzeug: Air Berlin fliegt mehrmals in der Woche von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main nonstop für ca. 300 Euro nach Reykjavik (Kevlavik) (www.airberlin.com), Icelandair täglich von München, Hamburg, Frankfurt/Main nonstop nach Reykjavik (Kevlavik) für ca. 400 Euro (www.icelandair.de). Die Flugzeit beträgt ca. 3,5 Stunden.

Fährverbindung: Der Vorteil vom eigenem Fahrzeug: unbegrenzte Gepäckmitnahme für diverse sportliche Aktivitäten und unabhängiges Vorwärtskommen. Mietwagen, speziell 4×4 Jeeps sind sehr teuer. Ab einem Inselaufenthalt von 14 Tagen rechnet sich das eigene Fahrzeug.
Einschiffung: Hirtshals (Dänemark) nach Seydisfjördur im Osten von Island, von Mai bis Oktober einmal die Woche hin/zurück jeweils 48 Std. Infos: Smyril Line Deutschland, Wall 55, 24103 Kiel, Tel.: 0431/200886, www.smyrilline.de

Reiseliteratur(Werbung)

Routen
Der Klassiker: Trekking auf dem Laugavegur im Naturschutzgebiet Fjallabak/Pörsmörk, mittelschwer, ca. 54 km Gesamtlänge, 4-5 Tage, Start: Landmannalaugar, Ziel: Þórsmörk. Bustransfers zum Ausgangs- und Endpunkt pendeln täglich von Reykjavik.

Nationalpark Skaftafell: Skaftafellsheidi Rundweg S3, mittelschwer, ca. 16 km, 4-5 Std.

Besteigung Vulkan Hekla: Islands berühmt berüchtigter Vulkan, mittelschwer-schwer, 7 Std., dabei sind steile Schnee- und Lavafelder.Island_Klaus Herzmann 22

Charakter
Island – das faszinierende Trekking-Eldorado! Egal, ob Tages- oder Mehrtagestour, Vulkanbesteigung und Gletscherquerung finden wir die Tracks in bester Beschilderung und Wegebeschaffenheit vor. Nichts desto trotz empfiehlt sich eine gute Kondition und Top Ausrüstung, da das Wetter einen wichtiger Faktor dastellt: Etappen, die bei gutem Wetter problemlos zu meistern sind, können binnen Minuten durch Nebel und Sturm zu einer harten Prüfung werden. Proviant ist auf allen Tracks mitzuführen.

Die beste Reisezeit
Trekkingtouren, Kanufahren und Radwandern empfiehlt sich in den Sommermonaten von Mitte Juni bis Mitte September. Dabei liegen die durchschnittlichen Tiefstwerte bei ca. 7 Grad, die Höchstwerte bei ca. 14 Grad. An windstillen Tagen klettern die Temperaturen sogar auf 20 Grad – T-Shirtwetter

Währung
1 Euro = 163,2 Krone (ISK), Strand Oktober 2014

Unterkunft

Abgesehen von den Städten Akureyri und Reykjavík gibt es auf der Insel nur kleinere Orte und das Angebot an Unterkünften ist dementsprechend überschaubar. Vorwiegend stehen Gästehäuser, Hotels und Farmunterkünfte zur Verfügung. Campingplätze und das „Jedermannsrecht“ (wildes Campen) bieten eine günstige Alternative zum allgemeinen Preisniniveau der Herbergen. Bei mehrtägigen Wanderungen sollten die Übernachtungen „In“ allen Hütten in der Hauptsaison reserviert werden. Auskunft der Wandervereine: www.fi.isIsland_Klaus Herzmann 18

Infos
Allgemein: www.visiticeland.com
Trekkinginfos: www.ganga.is. (nur isländisch)

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