Touren im Westerwald

Westerwaldrunden7 Dichte Wälder und weite Wiesen, raues Klima und natürlich Ton und Basalt – dafür liebt man den Westerwald. Das Mittelgebirge im Nördlichen Rheinland-Pfalz hält allerdings für den Besucher noch weitaus mehr bereit: Mühlen, urige Dörfer, Klöster und ein vorbildliches Radwegenetz – das alles miteinander verbindet.

 

O du schöner Westerwald, über deine Höhen pfeift der Wind so kalt, jedoch der kleinste Sonnenschein, dringt tief ins Herz hinein…, so steht es geschrieben im berühmten Westerwaldlied. „Hui Wäller“ – „Allemol“, ist der typische Gruß, der die Verbundenheit mit Region und der besonderen Lebensart zeigt. Man sagt der „Wäller“ sei dickköpfig und stur – ein „Basaltkopp“.Westerwaldrunden4 Wir durften auf unseren Rundtouren allerdings aufgeschlossene Menschen erleben, die Jahrhunderte alte Traditionen pflegen und bestens über Weg und Steg Auskunft gaben. Als Wanderparadies für den nach Ruhe suchenden Naturfreund ist die reizvolle Lage schon lange kein Geheimtipp mehr. Die neuen Radwegeschilder mit dem pfiffigen Logo „Westerwald Rad“, bieten zusätzliche Möglichkeiten die wunderbaren landschaftlichen Höhepunkten zu erkunden. Begrenzung erfährt der Landesteil durch die Flüsse Rhein, Dill, Sieg und der Lahn im Süden. Dort wo einst die Römer mit dem Limes an die äußerste Grenze ihres Weltreiches stießen, haben wir in Montabaur die Räder bestiegen und kräftig in die Pedale getreten.

 

Entschleunigtes Radwandern

Ausgangspunkt unserer dreitägigen Rad-Rundtouren ist Montabaur. Dort wo beidseitig dicht bewaldete Hänge steil aufragen, überradeln wir mittelalterliche Brücken und stapfen urigen Dörfer entgegen. Reckenthal ist so eines, wo Herbert Fischer die Deutsche Wanderreiterakademie führt.Westerwaldrunden3 Westerwaldrunden0 Auf der Höhe streichelt uns frischer Wind durchs Gesicht. Beidseitig wurzeln aus dicken Baumstämmen kunstvoll gestaltete Skulpturen am Wegrand. Im Wellenritt pedalieren wir nach Welschneudorf, stoppen am schmucken Fachwerkrathaus bevor uns abermals Schatten spendender Wald verschluckt. Ein Reh nimmt Reißaus, das Eichhörnchen wägt sich im Geäst über unseren Köpfen in Sicherheit. Ist das der Ort an dem sich Hase und Igel noch eine Gute Nacht wünschen? Alles deutet darauf hin – und das ist wunderbar. Dieses Gefühl von bedingungsloser Ruhe verspüren zu dürfen. Arzbach rückt in den Fokus, ein Luftkurort und Wegmarke für den nächsten Anstieg der parallel zum Limesradweg nach Eitelborn führt. Der Fotostopp an der Sporkenburg lohnt – eine spätmittelalterliche Burgruine aus dem 13. Jh. Inmitten des Naturpark Nassau radeln wir Hillscheid entgegen. Wo einst die Römer ihre Zelte aufschlugen erwartet uns heute ein Rekonstruiertes Kastell. Wenige Pedalumdrehungen trennen uns noch vom tönernen Herzen des „Kannenbäckerlandes“ in Höhr-Grenzhausen.Westerwaldrunden6 Mittelpunkt der größten und berühmtesten Keramiklandschaft Deutschlands. Ton, das „Weiße Gold“ des Westerwaldes, wird wegen seiner Qualität weltweit geschätzt und exportiert. Neben den vielen Manufakturen hat uns besonders Thomas Benirschke beeindruckt, der das uralte Handwerk in künstlerisch motivierten Projekten mit Kindern bearbeitet. In gewohntem Landschaftsprofil sausen wir am Erlenhofsee in Ransbach-Baumbach entlang über Wirges nach Montabaur. Ganz gleich aus welcher Himmelsrichtung man sich der Stadt auch nähert, das leuchtend gelbe Schloss – ein zu Stein gewordener Barocker Prunkbau aus dem 13. Jh. – beherrscht das Gesamtbild. Bis ins Jahr 959 reicht die Geschichte der Stadt zurück. Auch der Adel wusste schon damals wo es sich gut residieren ließ. Erzbischof Dietrich von Wied, der 1217 aus dem Heiligen Land wiederkehrte, ließ die zerstörte Burg – das heutige Schloss – wieder aufbauen.Westerwaldrunden8 Wegen der Ähnlichkeit zum Berg Tabor in Israel nannte er den Ort Mons Tabor. Daraus wurde Montabaur. Der Sauerbrunnen vor dem Neugotischen Rathaus plätschert. Dicht gedrängt ducken sich historische Fachwerkbauten. Gegenüber recken sich die beiden Glockentürme der Stadtkirche in den blauen Himmel. Und dazwischen, da warten viele gemütliche Cafés und Restaurants auf den Genussradler am Ende der ersten Etappe.

Ländlich entspannt ins Buchfinkenland…

Das Gelbachtal ist ein gemütlicher Flecken Erde. Man spricht platt, die Uhren ticken anders und Klein- und Kleinstdörfer liegen wie auf Perlenschnur aufgefädelt am Radweg. So auch die 100-Seelengemeinde Wirzenborn, die sich seit über 500 Jahren mit einer wunderbaren Wallfahrtskirche schmückt, in deren Mauern das Gnadenbild, eine Madonna aus dem 14. Jh., bestaunt werden kann. In Blickweite des munter dahingurgelnden Gelbaches radeln wir der neuen Beschilderung folgend durch Wald und Wiesenlandschaften nach Kirchähr.

Westerwaldrunden1Westerwaldrunden5

 

Die schöne Holzbrücke überqueren wir im Nu, dann geht’s bergauf ins Buchfinkenland. Die Namensgebung geht auf die waldreiche Region zurück, die einen besonders hohen Bestand an Singvögeln, insbesondere Buchfinken, aufweist. Hübsche Fachwerkdörfer wie Hübingen, Horbach und nicht zuletzt Gackenbach mit seinem Wild- und Freizeitpark bilden die Klammer des reizvollen Landstrichs. Die Zeiten, wo früher Bauern ein einfaches und hartes Leben geführt haben, sind lange vorbei. Geblieben aus dieser Epoche ist die den damaligen Lebensverhältnissen angepasste Küche. So stehen auch heute auf jedem Speiseplan auf und ab der „Eierkäs“ oder die „Mehlsklöß“ mit reichlich und noch mehr Speckzwiebeln – lecker. Zur besseren Verdauung wird dann der Westerwälder Kümmel gereicht, natürlich in der traditionellen Tonflasche.

Westerwaldrunden10Westerwaldrunden9

 

Bevor wir uns wieder ins Tal hinabstürzen erblicken wir in der Ferne den Köppel mit Aussichtsturm, daneben die Alarmstange die mit 545 m ü. NN auf der Montabäurer Höhe, die höchste Erhebung im Unterwesterwald markiert. Gemütlich rollen wir zum Startort zurück, fasziniert von der Vielfältigkeit, die sich uns heute wieder geboten hat.

Den Wind im Rücken…

Einzig das beruhigende plätschern des Eisenbaches durchbricht die Stille als wir uns am Morgen in den Sattel schwingen. Schroff zeigt sich die Flanke des Bornkastens. Dort wo früher der Basalt gebrochen wurde, der nicht nur im Westerwald als profanes Kopfsteinpflaster, sondern auch in der meisterhaften Steinbildhauerei Verwendung fand. Dahinter versteckt liegt Nomborn, das mehrfach in Folge zum schönsten Dorf im Westerwald prämiert wurde.Westerwaldrunden2Westerwaldrunden11 Nicht zuletzt wegen seiner hübschen Dorfkirche aus dem 15. Jh. Ausgesuchte Radwege begleiten uns zum weithin sichtbaren Malberg. Ein Naturschutzgebiet bei Leuterrod, auf dessen markantem Bergrücken die Kelten einst eine Ringwallanlage installierten, deren Reste bis heute jeder Witterung trotzen. Rechts herum, dann links, bergan und bergab, durch tiefe Wälder hindurch, rollen wir entlang ausgedehnter Viehweiden dahin. Wo bunt gewürfelt urige Dörfer ihren Platz gefunden haben sausen wir am Herschbacher Kloster vorbei nach Selters. Die Gemeinde war mit Hartenfels an der historischen Handelsstraße zwischen Köln und Frankfurt gelegen. Hoch auf der „Schmanddippe“, einem frühen Ausguck, blicken wir ins Umland. Hier wurzelt in der Ferne nicht nur der größte Windpark in Rheinland-Pfalz, sondern auch eine Produktionsstätte moderner Windkraftanlagen, die in die ganze Welt exportiert werden. Als wir in Siershahn einrollen fährt gerade die letzte Grubenbahn im Tonbergmuseum ab. Ein Stopp, den man nur empfehlen kann. Schneller als gedacht finden wir uns wieder im schönen Gelbachtal. Wir rasten ausgiebig bei der kleinen Waldkapelle „Bildches Eich“ bei Großholbach. Und sind uns schnell einig, dass wir unsere vielen wunderbaren Eindrücke im Westerwald – die wir im wahrsten Sinne „erfahren“ durften, unbedingt an die große Zahl der Genussradlern weiterempfehlen müssen…

Infopaket – Touren durch den Westerwald

Anreise Bahn:
Montabaur verfügt über einen ICE Haltepunkt – allerdings ist die Fahrradmitnahme nicht gestattet.
Auto:
Eine Anreise mit dem eigenen Fahrzeug bietet sich an, da es sich bei allen Routen um Rundwege von und nach Montabaur/Studentenmühle handelt. Montabaur liegt direkt an der A3 und ist somit bestens aus allen Teilen Deutschlands erreichbar.

Reiseführer & Karten (für weitere Infos Foto anklicken)(Werbung)

Route

Tag 1
Reckenthal-Untershausen-Oberelbert-Welschneudorf-Arzbach-Eitelborn-Neuhäusel-Hillscheid- Höhr-Grenzhausen -Hilgert- Ransbach-Baumbach -Wirges-Montabaur-Wirzenborn-Großholbach-Kleinholbach-Studentenmühle bei Montabaur ca. 72 km

Tag 2
Kleinholbach-Girod-Nentershausen-Nomborn-Ettersdorf-Giershausen-Kirchähr-Gackenbach-Horbach-Daubach-Stahlfofen-Wirzenborn-Großholbach-Kleinholbach-Studentenmühle bei Montabaur ca. 44 km

Tag 3
Kleinholbach-Großholbach- Ruppach-Goldhausen -Staudt-Bannberscheid-Leuterod-Ötzingen-Sainerholz-Ewighausen-Maxsain-Rückeroth-Herschbach-Freirachdorf-Marienhausen-Marienrachdorf-Selters (Westerwald)-Vielbach-Siershahn-Wirges-Dernbach-Montabaur-Niederelbert-Holler-Wirzenborn-Großholbach-Kleinholbach-Studentenmühle bei Montabaur ca. 75 km

Was gibt’ zu entdecken:

Route 1

Reckenthal: Skulpturenpark
Welschneudorf: Kirche und Kurfürstenhalle
Arzbach: Limesturm, Altes Fachwerkrathaus, Pfarrkirche St. Peter u. Paul
Eitelborn: Sporkenburg (Spätmittelalterliche Burgruine)
Hillscheid: Rekonstruiertes Römerkastell und Römischer Wachturm, Heimatmuseum
Höhr-Grenzhausen: Keramikmuseum Westerwald, Ehemaliges Römisches Kastell, Burg Grenzau, Evangl. Kirche
Hilgert: Denkmalgeschützte Schule, Pfeifenbäckerei und schöne Fachwerkbauten
Ransbach-Baumbach: Stadtkirche, Erlenhofkapelle am See
Wirges: „Westerwälder Dom“
Dernbach: Heilbornkapelle, Köppel Aussichtsturm
Montabaur: Schloss Montabaur, Wolfsturm, Neugotisches Rathaus, Historische Fachwerkhäuser, Stadtkirche St. Peter in Ketten, Segelrundflüge
Wirzenborn: Wallfahrtskirche mit Pfarrhaus, Motorradmuseum, Stationenweg
Großholbach: Pfarrkirche, Gräfliches Fachwerkhaus, “Bildsches Eich“- Kapelle im Wald

Route 2

Nentershausen: Fachwerkhäuser, Kirche St. Laurenzius
Nomborn: Wehrkirche St. Kilian mit Spätgotischer Traubenmadonna, Gesamtes Dorfbild unter den Linden, Bornkasten
Ettersdorf: Alte Mühle
Gackenbach: Wild- und Freizeitpark, Pfarrkirche St. Bartholomäus
Horbach: Fachwerkhäuser
Stahlhofen: Dorfkirche
Wirzenborn/Großholbach: Siehe Route 1

Route 3

Ruppach-Goldhausen: Goldhäuser Mühle, Dorfkirche, Fachwerkbauten
Leuterod: Ausflug zum Malberg eine ehem. Keltische Kultstätte
Maxsain: Fachwerkhaus „Sahm“, Dorfkirche
Herschbach: Kloster Marienheim, Laurenziuskapelle, Historische Rathaus, Pfarrkirche
Selters (Westerwald): Burgruine Schmandippe, Heimatmuseum
Siershahn: Tonbergmuseum, Piuslinde
Wirges/ Dernbach/Montabaur: Siehe Route 1
Niederelbert: Biothoplehrpfad, Kirche St. Josef
Holler: Dorfkirche
Wirzenborn/Großholbach: Siehe Route 1

Weitere Infos
Tourist-Information der Verbandsgemeinde Montabaur
Konrad-Adenauer-Platz 8
56410 Montabaur
Tel: 02602/126-777
E-Mail: tourismus@montabaur.de
www.suedlicher-westerwald.de
GPS Daten können auf der Seite heruntergeladen werden. GPS Geräte sind gegen eine Gebühr bei der Touristinfo erhältlich.

Streckencharakter & Beschilderung
Der Westerwald ist recht hügelig, ein bergtaugliches Trekkingrad mit 24-Gang-Kettenschaltung/Rohloff ist empfehlenswert oder ein Mountainbike mit leichter profilierter Bereifung. Meist führen die drei beschriebenen Routen über gut ausgebaute Wirtschaftswege, verkehrsberuhigte Straßen und befestigte Waldwege.

Rad- und E-Bikeverleih

MOVELO E-Bikes gibt es zwischen April und Oktober bei der der Tourist-Information Montabaur.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
FacebooktwitterlinkedinrssyoutubeFacebooktwitterlinkedinrssyoutube

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.