Kocher-Jagst-Radweg Teil 1

Kocher-Jagst_Foto Herzmann013 Kocher und Jagst – zwei romantische Flüsschen im Norden von Baden-Württemberg. Wir haben uns in die Region aufgemacht um auf dem Rundkurs die Region mit ihren hübchen Dörfern und zahlreichen Schlössern zu erkunden.

Zwischen Neckar, Hohenloher Land und der Schwäbischen Alp entdecken wir diesen herrlichen Flecken Erde. Der wie geschaffen ist, um ihn mit dem Rad zu erkunden. Mit seinen rund 325 Kilometern ist er ein eher Unbekannter im Reigen deutscher Radwege. Eine Tour, die uns vom ersten Augenblick in jeder Hinsicht verzaubert. Treffen wir doch auf ein vorbildlich ausgebautes und gut ausgeschildertes Wegenetz durch romantisch reizvolle Landschaften. Für den Start unserer Rundtour haben wir Aalen gewählt, weil die Kleinstadt verkehrsgünstig für die Anreise gelegenen ist.

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Radelzeit

Der gepflasterte Marktplatz ist Ausgangspunkt unserer Tour. Durch schmale Gassen gelangen wir direkt auf den asphaltierten Radweg und so aus Aalen hinaus. Nach wenigen Kilometern ist Wasseralfingen erreicht, berühmt durch sein Besucherbergwerk „Tiefer Stollen“. Zunächst verlassen wir die Hauptroute, folgen der guten Beschilderung zum Bergwerk. Dann steigt die Straße für zwei Kilometer mäßig steil an. Entlohnung versprechen erste Weitsichten ins Umland. Allgegenwärtig, ein Meer aus bunten Blättern. Die Natur, so scheint es, stemmt sich mit letzter Macht in explodierenden Farben gegen den bevorstehenden Winter. Eine tolle Jahreszeit. Die Luft ist frisch und klar, die Radwege verwaist, man findet zur Langsamkeit zurück, schließt sich in den Rhythmus der Natur ein. Nach spektakulären Einblicken „Unter Tage“ sausen wir den Berg hinunter und gelangen so zum Kocher-Jagst-Radweg zurück.

 

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Flache Flusskilometer führen über Hüttlingen nach Waiblingen, ein erneuter kurzer Abstecher lockt zum Schloss Fachsenfeld mit bestechender Parkanlage. Bergauf – wie könnte es anders sein. Wo man auch immer hinschaut im Hohenloher Land, kaum ein Bergrücken ist ohne Burg oder Schloss. So auch Hohenstadt, die Marienburg oder das Untergrönninger Schloss, denen wir heute noch einen Besuch abstatten werden. Wo einst wenig Platz zur Verfügung stand, wuchsen über Jahrhunderte Bergsiedlungen für die Ewigkeit zu kleinen Residenzstädtchen heran.

 

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Schlösser und Burgen

Immer entlang der Kocher windet sich der Radweg durch eine Wald- und Wiesenlandschaft bis hin nach Gaildorf. Zu Beginn des 15. Jh. erhielt der alte Ort das Stadtrecht und seine bis heute hin sichtbare Ummauerung. Wenige Jahrzehnte später wurde Gaildorf durch die Schenken zur Residenz des Limpurger Landes erkoren. Von dieser Existenz kündet noch heute das alte Schloss, ehemals eine Wasserburg. Mit seinem wuchtigen Fachwerk und den an die einstige Wehrhaftigkeit erinnernden Rundtürmen steht es ganz nahe am Kocher. Vier prächtige Flügel umschließen den durch Arkaden und Galerien reich gegliederten Hof, ein wahrer Augenschmaus. Sportliche Zeitgenossen sind an dieser Stelle eingeladen den Kernerturm, etwas außerhalb, zu erradeln. Der Weitblick ist sensationell…
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Durch das Brandenburger Tor – eigentlich nur eine Öffnung zum durchschlüpfen – verlassen wir den Stadtring, überqueren den Kocher über eine Holzbrücke und radeln beschwingt zum nächsten Ort. In Steinbach freuen wir uns auf den Besuch der Comburg. Die massigen Türme der Stiftskirche schon weithin sichtbar überragen die Burg seit Jahrhunderten. Bereits 1079 wurde den Benediktinern ein Teil der gräflichen Anlage überlassen, die an ihrer Stelle den Klosterkomplex erbauten. Diese bildete in jener Zeit den geistigen Gegenpol zu der reichen Bürgerlichkeit Schwäbisch Halls, unserem heutigen Etappenziel.

Schwäbisch Hall

Um es gleich vorweg zu nehmen, Schwäbisch Hall liegt nicht im Schwäbischen sondern im Fränkischen. Da es an so vielen Orten Salz gibt, ist der Ortsname Hall so weit verbreitet. Zur exakten Identifizierung brauchte man also ein „Vorwort“. Auf das Schwäbisch kamen vor rund 800 Jahren die Staufer, die die Stadt damit als ihrem Besitz kennzeichneten. Hall lag ja im Staufischen Land in Schwaben und Franken. Und der Begriff Fränkisch hätte in diesem Zusammenhang nicht die gewünschte Unterscheidung zu den Würzburgern gebracht. Die Haller sind also keine Schwaben sie sind aber auch keine richtigen Hohenloher. Sie sind an erster Stelle Haller und das merkt man überall.Kocher-Jagst_Foto Herzmann016Wie auch immer, nähert man sich der Stadt über die gebogene Fußgänger- und Radlerbrücke bietet sich eine atemberaubende Kulisse aus historischen Fachwerkbauten und Kirchturmspitzen, die sich allesamt malerisch in dem Kocher widerspiegeln. Schon vor über 2000 Jahren gewannen hier keltische Salzsieder das weiße Gold aus den natürlichen Solequellen, die die heutige Kreisstadt zum Heilquellenkurort macht und auch das empfehlenswerte Solebad füllt. Über die mittelalterliche Steinbrücke gelangen wir zum Marktplatz mit dem dominanten Bauwerk der Stadt, der Michaelskirche auch Gottes Finger genannt, weil sich der Turm mahnend über die Stadt hebt. Zu dessen mächtiger Freitreppe finden alljährlich die berühmten und einmaligen Festspiele statt. Nicht zu vergessen die Kunsthalle Würth mit einer Sammlung aus dem 20.-21. Jh. Oder das Hällisch-Fränkische-Museum, ein wichtiges Dokumentationszentrum für die Geschichte, Kunst und Kultur der Region Württembergisch-Franken. Wahrhaftig, Schwäbisch Hall hat so einiges zu bieten.

Fließende Radwege

Ruhig schlängelt sich der Kocher in großen Schleifen durch das einladende Tal nach Künzelsau. Eine schmucke Kreisstadt mit Schloss und Sitz mittelständischer Industrie. Durch die schmucken Gassen gelangen wir ins Zentrum und dem frisch renovierten Rathaus. Die letzten Kilometer am Kocher sind gezählt, nähern wir uns doch unaufhaltsam der Mündung in den Neckar. Ein Stopp in Niedernhall ist empfehlenswert, drückte kein geringerer als Götz von Berlichingen hier die Schulbank. Diesem sollen wir auf den folgenden Etappen an die Jagst noch des Öfteren begegnen. Wir setzen die Fahrt fort, überradeln abermals den Kocher und erreichen den Geburtsort der Geschwister Scholl in Forchtenberg. Unser Begleiter wird an dieser Stelle immer breiter und träger, Städte wie Neuenstadt fliegen an uns vorüber bis wir in Bad Friedrichshall unser Tagesziel erreichen.Kocher-Jagst_Foto Herzmann022Neben dem interessanten Bergwerk Kochendorf bieten sich von hier attraktive Abstecher in die Region. So ins benachbarte Bad Wimpfen am Neckar, dass wir schon 2009 auf einer Schiff- und Biketour besuchten oder Heilbronn, ein weiteres lohnendes Tagesziel. Adieu Kocher, ab morgen beradeln wir den Schwesterfluss, die Jagst, flussaufwärts.

 

 

Ein Stück Geschichte

Waren wir von den wunderbaren Tagen im Sattel entlang des Kocher begeistert, so sind wir bei Antritt an die Jagst verzückt und hingerissen. Dies äußert sich schon nach wenigen Kilometern in Neudenau, dessen historisches Fachwerkensemble sich schützend um den Dorfbrunnen tradiert. Schilder weisen zusätzlich darauf hin, dass hier der schönste Teil des Kocher-Jagst-Radweges beginnt.Kocher-Jagst_Foto Herzmann018 Allerdings sind hingegen dem Kocher doch so mancher steiler Anstieg an der Jagst zu bewältigen. Von weithin erblicken wir die Götzenburg in Möckmühl, wo wir in dem liebevoll hergerichteten Hotel „Kleine Radlerherberge“ aus dem 16. Jh. Quartier beziehen. Um die spannende Geschichte der Stadt zu unterstreichen, bekommen wir eine Stadtführung in historischer Tracht geboten.

 

 

 

Infopaket-Kocher-Jagst-Radweg

Anreise:

Bahn: Aalen ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt in Ostwürttemberg. Züge fahren im Stundentakt von Stuttgart, Nürnberg und Ulm.

Pkw: Da es sich beim Kocher-Jagst-Radweg um einen Rundkurs handelt, empfiehlt sich die Anreise mit dem eigenen PKW.
Aalen liegt direkt an der A7 und ist somit gut erreichbar.

Reiseführer & Karten (fürweitere Infos Foto anklicken)(Werbung)

Route

1 Aalen – Wasseralfingen – Hüttingen – Niederalfingen – Abtsgmünd – Wöllstein – Untergrönningen Ca. 30 km
2 Untergrönningen – Laufen –Sulzbach – Gaildorf – Rosengarten Tullau – Steinbach – Schwäbisch Hall Ca. 40 km
3 Schwäbisch Hall – Untermünkheim – Geislingen – Braunsbach –Künzelsau Ca. 30 km
4 Künzelsau – Ingelfingen – Niedernhall – Forchtenberg – Neuenstadt –Kochertürn – Oedheim – Bad Friedrichshall Ca. 50 km
5 Bad Friedrichshall – Neudenau – Siglingen – Möckmühl Ca. 30 km
6 Möckmühl – Widdern – Jagsthausen – Kloster Schöntal – Krautheim –
Dörzbach – Unterregenbach – Langenburg Ca. 35 km
7 Langenburg – Bächlingen – Leofels – Dörrmenz – Kirchberg –
Wollmershausen – Tiefenbach – Crailsheim Ca. 35 km
8 Crailsheim – Jagstheim – Steinbach – Jagstzell – Rindelbach – Ellwangen Ca. 30 km
9 Ellwangen – Rainau – Jagsthausen – Westhausen – Lauchheim –
Waldhausen – Unterkochen – Aalen Ca. 45 km

Gesamtstrecke: ca. 325 km

Was gibt’s zu entdecken:
Aalen: Urweltmuseum für Geologie, Limes Museum, Marktplatz, Bürgerspital, historisches Rathaus, Kocherquelle, Wasseralfingen: Besucherbergwerk „Tiefer Stollen“
Hüttingen: Limesanlage, Niederalfingen: Marienburg, Hohenstadt: Schloss Hohenstadt, Schlosskirche, Lustschlösschen, Untergrönningen: Schloss und Museum, Gaildorf: Kernerturm, Altes Schloss, Steinbach: ehemalige Benediktinerabtei Großcomburg, Schwäbisch Hall: wunderbare Stadtansicht, Kunsthalle Würth, Altstadt mit historischem Fachwerkensemble, Marktplatz, St. Michaeliskirche mit Freitreppe, Stadtführung u. v .m., Künzelsau: Museum Würth, Altstadt, Galerie am Kocher, Ingelfingen: Muschelkalkmuseum, Niedernhall: Rathaus, Götzenhaus, Forchtenberg: Geburtsstadt der Geschwister Scholl, Neuenstadt: Renaissanceschloss, Bad Friedrichshall: Bergwerk Kochendorf, Andre’sche Schlösschen, Kirche St. Wendelinus, Bad Wimpfen: Rathaus, Steinhaus, Fachwerkhäuser, Wormser Hof, Kaiserpfalz, Neckarsulm: Deutsches Zweiradmuseum, Heilbronn: Marktplatz mit Kilianskirche, Rathaus mit Turmuhr, Neudenau: Historisches Zentrum am Marktplatz, Möckmühl: Götzenburg, Altstadt, Jagsthausen: Schlossmuseum (Götzenburg), Rotes Schloss, Weißes Schloss, Altes Rathaus mit Museum, Kloster Schöntal: Kloster Schöntal, Klosterkirche, Krautheim: Johanniter-Museum, Burg Krautheim, Dörzbach: Hist. Ölmühle, Unterregenbach: Grabungsmuseum und Krypta, Langenburg: Schloss Langenburg, Schlossmuseum, Deutsches Automuseum, Kirchberg a. d. Jagst: Burg Hornberg, Schloss Kirchberg, Mittelalterliches Stadtbild, Crailsheim: Rathausturm, Liebfrauenkapelle, Stadtmuseum, Stimpfach: Schloss Rechenberg,
Ellwangen: Basilika St. Vitus, Schloss Ellwangen, Alemannenmuseum, Stadtbild, Rainau: Freilichtmuseum Limesturm, Lauchheim: Schloss Kapfenburg, Torturmmuseum

Streckencharakter
Der Kocher-Jagst-Radweg ist durchgehend sehr gut beschildert.
Ein weißes Schild mit grünem Fahrrad, dazu ein dunkelblaues Logo mit dem Schriftzug Kocher-Jagst-Radweg. Abgesehen von nur ca. 7 km befestigten Kieswegen auf die Gesamtstrecke verteilt ist der Radweg vorbildlich betoniert oder asphaltiert. Den Kocher abwärts warten abgesehen von optionalen Abstechern meist flache Flusskilometer auf den Radreisenden. Die Jagst hingegen ist steigungsmäßig anspruchsvoller, dafür sind die landschaftlichen Reize ausgeprägter als bei ihrem Bruder. Oftmals nur 5-10 Kilometer voneinander getrennt bieten sich auch Möglichkeiten, den „Rundkurs“ individuell nach eigenem Geschmack zu verkürzen.

Übernachtungsempfehlung
Aalen: City Hotel Antik, Tel. 07361/57160,
www.hotel-antik.de
Untergrönningen: Brauereigasthof zum Lamm, Tel. 07975/284, www.lammbrauerei.de
Schwäbisch Hall: Hotel Kronprinz, Tel. 0791/97700,
www.kronprinz-hall.de
Künzelsau: Gasthof zum Engel, Tel. 07940/8304, www.gasthof-zum-engel.de
Bad Friedrichshall: Hotel Restaurant Sonne, Tel. 07136/95610, www.sonne-badfriedrichshall.de
Möckmühl: Hotel Kleine Radlerherberge, Tel. 06298/927633, www.kleine-radlerherberge.de
Langenburg: Gasthof zur Post, Tel. 07905/ 5432, www.gasthofpostlangenburg.de
Crailsheim: Hotel Post Faber, Tel. 07951/ 9650
www.postfaber.de
Ellwangen: Brauereigasthof Hotel Roter Ochsen, Tel. 07961/ 4071, www.roter-ochsen-ellwangen.de

Weitere Infos
Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V.
Münzstraße 1, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0791755-7444
www.hs-tourismus.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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