Kocher-Jagst-Radweg Teil 2

Kocher-Jagst_Foto Herzmann012Kocher und Jagst, zwei romantisch unweit voneinander gelegene Flüsschen im nördlichen Teil von Baden-Württemberg. Umrahmt von einer Symbiose aus hübschen Dörfern und Schlössern, die sich bilderbuchähnlich in saftigen Wiesen, unendlichen Wäldern und Äckern verlieren. Auch der Zweite Teil der Geschichte weckt die Lust direkt auf Rad zu steigen und…

Auf zu neuen Zielen

Erfrischt besteigen wir am Morgen unsere Räder, rollen bei ständigem Auf und Ab bis nach Jagsthausen, dem Ort, an dem Götz von Berlichingen 1480 das Licht der Welt erblickte. Jeden Sommer sitzen im Burghof zu Jagsthausen hunderte von Menschen und warten begierig darauf, dass im Turm ein Fenster auffliegt, der Ritter mit der eisernen Hand sich zeigt und dem kaiserlichen Boten das alles niederschmetternde Wort zuruft: „Er aber, er kann mich hinten lecken!“. Und wenn er es dann wieder gesagt hat, der Götz, dann geht ein Aufatmen durch die Besucher, so, als hätte er es vergessen können. Im Alter von 24 Jahren verlor der Ritter in der Landshuter Schlacht 1504 seine rechte Hand durch einen Schuss der eigenen Artillerie. Findige Mechaniker fertigten aus über 200 Einzelteilen eine eiserne Hand. Die für die damalige Zeit ungewöhnlich komplexe mechanische Konstruktion ist ein Wunderwerk der Technik. Finger und Daumen waren so beweglich ausgelegt, dass sie einen Gegenstand greifen und halten konnten. Zudem konnte die Hand nach oben und unten geschwenkt werden. Der Kreis der Geschichte schließt sich nach einigen weiteren engen Windungen der Jagst in Schöntal. Das Kloster, dessen Gründung ins 12. Jh. zurückreicht und durch seine wuchtige Außenfassade weithin sichtbar wird, birgt die letzte Ruhestätte von unserem Ritter mit der eisernen Hand.

Das Jagsttal und der Adel

Krautheim ist der nächste Anlaufpunkt. Das Bollwerk hoch über der Stadt fügt sich in die Linie der vielen Prachtbauten und Burgen ein. Immer entlang der Jagst durchfahren wir urige Ortschaften bis hin nach Unterregenbach, berühmt durch seine Krypta. Die Hauptroute führt geradeaus. Wir schwenken aber nach links, queren die Jagst via Holzbrücke, lassen unseren Blick durch das Tal schweifen. Man hält schon etwas die Luft an, wenn man Langenburg auf seinem langen Bergrücken liegen sieht. Der Anstieg, 2,5 km, zieht sich mäßig steil den Berg hinauf. Belohnt werden wir mit einer bis ins 13. Jh. zurückliegende Geschichte dieser Kleinstadt. Dem wunderschönen Schloss, das erhaben auf einem Felssporn weit über das Jagsttal wacht.

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Der bezaubernde Garten, die historische Hauptstraße vom Stadttor bis zum Marktplatz, beeindruckende Fachwerkbauten wohin man blickt. Schon früh mussten die Hohenloher, wie überall sonst, mit ihrem Feudalherren leben. Doch tun sie es mit gebührender Distanz. Wie sagte doch ein fürstlich-langenburgischer Förster, der wegen einer schon oft beantragten aber nie genehmigten Reparatur seines Forsthausdaches das Schloss aufgesucht hatte, bei seiner Rückkehr zu seiner Gattin: „Denn hob i,s awwer desmoal g,socht uff,m Schlouß! Sou deitlich hat,s denne noch kaaner g,socht wi ii!“ Und als die ob solcher Protestrederei erschreckte Frau meinte, nun folge wohl die Entlassung, meinte der wackere Mann: „Wiesou? I hob,s denne doch ärscht g,socht, als i widder zum Schlouß drauße woar!“

Wunderbare Streckenführung

Am Morgen rollen wir auf der anderen Seite den Berg hinunter nach Bächlingen und weiter über Leofels nach Kirchberg. Die Schwäbische Ostalp zeigt auch hier ihr markantes Profil. Rechts herum und wieder links, bergauf, bergab, Langeweile – Fehlanzeige. Bis heute ist Kirchberg von einer Mauer aus dem 14. Jh. umgeben. Schon von weitem kommend ist die Stadt mit Renaissanceschloss ein Blickfang. Wenden wir dem Zentrum allerdings den Rücken, sind wir wenig später mitten im Grünen. Wildromantische Wege führen zurück zur Jagst.

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Der Ockenauer Holzsteg trotzt seit Menschengedenken dem Wasser und dem Zahn der Zeit. Wir überqueren auf diesem nostalgischen Weg die Jagst. Ab jetzt ist der Radweg auch ein kurzes Stück unbefestigt – ehrlich gesagt, würde Asphalt hier auch nicht wirklich passen. Durch den Wald geht’s bergauf und somit nach Wollmershausen. Schnell ist Crailsheim erreicht. Wir durchradeln gemütlich die Parkanlage, verweilen auf einer Bank, betrachten die Stadtansicht und die Enten, die sich im Wasser davor tummeln. Leise stimmt sich auch ein Hungergefühl ein. Wir lechzen nach Kulinarischem aus der guten Schwäbischen Küche, genau das Richtige nach einem wunderbaren Tag im Sattel.

Die Schwäbische Küche

Sie zählt zweifelsohne zu den besten Regionalküchen Deutschlands. Verspielt, Ideen und abwechslungsreich, kreativ bis ganz schön deftig. Wer an die Region denkt, dem kommen unweigerlich Käsespätzle und Maultaschen in den Sinn, solide Sattmacher. Grundbestandteile Mehl, Eier, Milch und Wasser. Entfachen diese Elemente doch ein wahres Feuerwerk auf dem Porzellan. Krautspätzle, Spätzleauflauf, Spinatspätzle, Käsespätzle oder vielleicht geschmelzte Maultaschen, in Ei geröstet, vielleicht in einer Brühe gereicht.

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Dazu ein Viertele Trollinger oder ein Pils aus den unzähligen Brauerein der Region. Egal wie, nur der Gedanke an die schwäbischen Nationalspeisen lassen einem schon das Wasser im Mund zusammen laufen. Schöner Nebeneffekt, der perfekte Energiegeber für einen weiteren schönen Tag im Sattel.

Der Kreis schließt sich

Ganz klar, Glück gehört dazu. So auch unsere heutige schöne Fahrt nach Ellwangen, wo uns ein Passant mitten auf dem Marktplatz erklärt, dass heute Abend die ganze Fußgängerzone in eine prächtige Licht- und Musikshow verwandelt wird. „Das ist nur einmal im Jahr“, meint er freundlich. Wir beziehen unsere Unterkunft, verstauen sicher die Räder und sind schon wieder unterwegs. Zuerst lauschen wir gespannt der Erzählung unserer Stadtführerin, die einiges zu den unzähligen Sehenswürdigkeiten berichten kann. Die Basilika St. Vitus ist nur eine der vielen Highlights, die gleich nach Einbrechen der Dunkelheit im Lichtspektakel gipfeln. Die ganze Stadt scheint ein einziges buntes Lichtermeer zu sein – grandios.

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Alles hat ein Ende, auch dieses Mal. So bestücken wir unsere Räder und sausen unserem Ausgangspunkt entgegen. Wieder lässt die Steckenführung keine Wünsche offen. Entlang des Badesees kommen wir nach Rainau mit markantem Limesturm und Freilichtmuseum. Weithin strahlt Lauchheim mit dem Schloss Kapfenburg, dessen Anstieg zur letzten Herausforderung mutiert. Durch Felder und Wiesen geht’s idyllisch bei ständigem Auf und Ab über Waldhausen nach Unterkochen. Wir genießen die lange Abfahrt und schwenken noch vor dem Ortsschild nach rechts zum Weißen Kocherursprung.

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Glasklar plätschert hier das frische Nass im urig schönen romantischen Herbstwald an den Tag. Wer allerdings den schwarzen Kocherursprung sucht, fährt auf einem Abstecher nach Oberkochen. Kurz vor Zieleinlauf statten wir dem bekannten Limes-Museum am UNESCO-Welterbe Limes einen Besuch ab. Dann zieht es uns magisch auf den Aalener Marktplatz unserem Start- und Zielort einer wunderbaren Radreise durch diesen herrlichen Flecken Erde.

Infopaket-Kocher-Jagst-Radweg

Anreise:

Bahn: Aalen ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt in Ostwürttemberg. Züge fahren im Stundentakt von Stuttgart, Nürnberg und Ulm.

Pkw: Da es sich beim Kocher-Jagst-Radweg um einen Rundkurs handelt, empfiehlt sich die Anreise mit dem eigenen PKW.
Aalen liegt direkt an der A7 und ist somit gut erreichbar.

Reiseführer & Karten (fürweitere Infos Foto anklicken)(Werbung)

Route

1 Aalen – Wasseralfingen – Hüttingen – Niederalfingen – Abtsgmünd – Wöllstein – Untergrönningen Ca. 30 km
2 Untergrönningen – Laufen –Sulzbach – Gaildorf – Rosengarten Tullau – Steinbach – Schwäbisch Hall Ca. 40 km
3 Schwäbisch Hall – Untermünkheim – Geislingen – Braunsbach –Künzelsau Ca. 30 km
4 Künzelsau – Ingelfingen – Niedernhall – Forchtenberg – Neuenstadt –Kochertürn – Oedheim – Bad Friedrichshall Ca. 50 km
5 Bad Friedrichshall – Neudenau – Siglingen – Möckmühl Ca. 30 km
6 Möckmühl – Widdern – Jagsthausen – Kloster Schöntal – Krautheim –
Dörzbach – Unterregenbach – Langenburg Ca. 35 km
7 Langenburg – Bächlingen – Leofels – Dörrmenz – Kirchberg –
Wollmershausen – Tiefenbach – Crailsheim Ca. 35 km
8 Crailsheim – Jagstheim – Steinbach – Jagstzell – Rindelbach – Ellwangen Ca. 30 km
9 Ellwangen – Rainau – Jagsthausen – Westhausen – Lauchheim –
Waldhausen – Unterkochen – Aalen Ca. 45 km

Gesamtstrecke: ca. 325 km

Was gibt’s zu entdecken:
Aalen: Urweltmuseum für Geologie, Limes Museum, Marktplatz, Bürgerspital, historisches Rathaus, Kocherquelle, Wasseralfingen: Besucherbergwerk „Tiefer Stollen“
Hüttingen: Limesanlage, Niederalfingen: Marienburg, Hohenstadt: Schloss Hohenstadt, Schlosskirche, Lustschlösschen, Untergrönningen: Schloss und Museum, Gaildorf: Kernerturm, Altes Schloss, Steinbach: ehemalige Benediktinerabtei Großcomburg, Schwäbisch Hall: wunderbare Stadtansicht, Kunsthalle Würth, Altstadt mit historischem Fachwerkensemble, Marktplatz, St. Michaeliskirche mit Freitreppe, Stadtführung u. v .m., Künzelsau: Museum Würth, Altstadt, Galerie am Kocher, Ingelfingen: Muschelkalkmuseum, Niedernhall: Rathaus, Götzenhaus, Forchtenberg: Geburtsstadt der Geschwister Scholl, Neuenstadt: Renaissanceschloss, Bad Friedrichshall: Bergwerk Kochendorf, Andre’sche Schlösschen, Kirche St. Wendelinus, Bad Wimpfen: Rathaus, Steinhaus, Fachwerkhäuser, Wormser Hof, Kaiserpfalz, Neckarsulm: Deutsches Zweiradmuseum, Heilbronn: Marktplatz mit Kilianskirche, Rathaus mit Turmuhr, Neudenau: Historisches Zentrum am Marktplatz, Möckmühl: Götzenburg, Altstadt, Jagsthausen: Schlossmuseum (Götzenburg), Rotes Schloss, Weißes Schloss, Altes Rathaus mit Museum, Kloster Schöntal: Kloster Schöntal, Klosterkirche, Krautheim: Johanniter-Museum, Burg Krautheim, Dörzbach: Hist. Ölmühle, Unterregenbach: Grabungsmuseum und Krypta, Langenburg: Schloss Langenburg, Schlossmuseum, Deutsches Automuseum, Kirchberg a. d. Jagst: Burg Hornberg, Schloss Kirchberg, Mittelalterliches Stadtbild, Crailsheim: Rathausturm, Liebfrauenkapelle, Stadtmuseum, Stimpfach: Schloss Rechenberg,
Ellwangen: Basilika St. Vitus, Schloss Ellwangen, Alemannenmuseum, Stadtbild, Rainau: Freilichtmuseum Limesturm, Lauchheim: Schloss Kapfenburg, Torturmmuseum

Streckencharakter
Der Kocher-Jagst-Radweg ist durchgehend sehr gut beschildert.
Ein weißes Schild mit grünem Fahrrad, dazu ein dunkelblaues Logo mit dem Schriftzug Kocher-Jagst-Radweg. Abgesehen von nur ca. 7 km befestigten Kieswegen auf die Gesamtstrecke verteilt ist der Radweg vorbildlich betoniert oder asphaltiert. Den Kocher abwärts warten abgesehen von optionalen Abstechern meist flache Flusskilometer auf den Radreisenden. Die Jagst hingegen ist steigungsmäßig anspruchsvoller, dafür sind die landschaftlichen Reize ausgeprägter als bei ihrem Bruder. Oftmals nur 5-10 Kilometer voneinander getrennt bieten sich auch Möglichkeiten, den „Rundkurs“ individuell nach eigenem Geschmack zu verkürzen.

Übernachtungsempfehlung
Aalen: City Hotel Antik, Tel. 07361/57160,
www.hotel-antik.de
Untergrönningen: Brauereigasthof zum Lamm, Tel. 07975/284, www.lammbrauerei.de
Schwäbisch Hall: Hotel Kronprinz, Tel. 0791/97700,
www.kronprinz-hall.de
Künzelsau: Gasthof zum Engel, Tel. 07940/8304, www.gasthof-zum-engel.de
Bad Friedrichshall: Hotel Restaurant Sonne, Tel. 07136/95610, www.sonne-badfriedrichshall.de
Möckmühl: Hotel Kleine Radlerherberge, Tel. 06298/927633, www.kleine-radlerherberge.de
Langenburg: Gasthof zur Post, Tel. 07905/ 5432, www.gasthofpostlangenburg.de
Crailsheim: Hotel Post Faber, Tel. 07951/ 9650
www.postfaber.de
Ellwangen: Brauereigasthof Hotel Roter Ochsen, Tel. 07961/ 4071, www.roter-ochsen-ellwangen.de

Weitere Infos
Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V.
Münzstraße 1, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0791755-7444
www.hs-tourismus.de

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