Touren rund um die Edelsteinstadt Idar-Oberstein Teil II

Edelsteinroute_Klaus Herzmann16Im Herzen von Rheinland-Pfalz liegt der Hunsrück. Wo einst der legendäre Schinderhannes auf Beutezug durchs Mittelgebirge streifte, wartet heute nicht minder spannend eine Vielzahl von traumhaften Routen auf den ambitionierten Radfahrer. Märchenhafte Wälder, romantische Burgen und schmucke Dörfer gilt es zu erkunden. Eine einzigartige Naturlandschaft die auch auf dem zweiten Teil unserer Radreise besticht.

Überall Räubern…
Zur Zeit der Franzosenherrschaft 1792 betrieben zahlreiche Räuber ihr lichtscheues Gewerbe in den Wäldern und Fluren des Hunsrücks. Manch einer versuchte nach Beendigung der Kämpfe durch Raub und Diebstahl seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die großen Waldungen der Region boten den Spießgesellen sichere Schlupfwinkel. Die allgegenwärtige Unsicherheit hatte in jener Zeit so dramatisch zugenommen, dass man mit allen Mitteln den Gesellen nachstellte. Die Banden unterstanden jenem Räuber, dessen Namen auf dem Hunsrück noch heute in aller Munde ist.Edelsteinroute_Klaus Herzmann11Edelsteinroute_Klaus Herzmann14 Der legendäre Johannes Brückner, besser bekannt unter dem Namen Schinderhannes. Ob er jemals in aller Ruhe Karten gespielt hat, während draußen vor dem Wald die französischen Besatzer die Gegend nach ihm durchkämmten, ist freilich nicht überliefert. Wahr ist aber, dass Peter Petri zu seinen Gefolgsleuten gehörte. Den „Schwarzen Peter“ kennt heute noch jedes Kind aus einem Kartenspiel. Nach unzähligen Raubzügen wurde er dann endlich verhaftet und nach Mainz gebracht. Dort endete Schinderhannes zweifelhafte Karriere 1803 im Alter von nur 24 Jahren auf dem Schafott. Der Volksmund und die zahlreichen Erzählungen haben den berüchtigten Held allerdings unsterblich gemacht. Geblieben ist der Spießbraten, eine hiesige Spezialität, wobei der Versuch einen Bogen zu den Spießgesellen zu schlagen reine Spekulation bleibt. In der Gegenwart erfreuen wir uns heute über zwei Varianten. Man unterscheidet in erster Linie zwischen Idarer und Obersteiner Spießbraten. Idarer Spießbraten ist eine Art Schwenkbraten, während Obersteiner Spießbraten ein Rollbraten mit Zwiebeln gefüllt ist. Wichtig bleibt, dass beides auf einem offenen Buchholzfeuer gegart wird. Dazu ein Kirner Pils – köstlich. Erwähnung verdienen ebenfalls die „gefillte Klees“, die mit geröstetem Brot, Hackfleisch, Speck und Lauch gefüllten Klöße in einer deftigen Specksauce. Solide Sattmacher, genau das richtige für die Tage im Sattel.

Über und Unter Tage
Was halten wohl die beiden verbleibenden Tage an Überraschungen bereit? Stadtauswärts rollen wir heute auf flachen Kilometern nach Fischbach und zu der Historischen Kupfermine. Eine Führung bietet sich regelrecht an durch die riesigen von Menschenhand gegrabenen kaltfeuchten Hallen. Der Hosenberg mit gleichnamigem Bergwerk war schon immer Mittelpunkt der überregional bedeutenden Industrie bis in die 20iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.Edelsteinroute_Klaus Herzmann6Edelsteinroute_Klaus Herzmann17 Beeindruckt setzen wir unsere Fahrt fort, entlang an glitzernden Bächlein erreichen wir das wunderschöne Historische Herrstein, wo ein bestens renoviertes Fachwerkensemble und sonst einiges andere an Sehenswertem auf den Radfahrer wartet. Auf der Fahrt zurück freuen wir uns auch schon auf den darauf folgenden Tag, der längsten Etappe unserer Radtour. Diese führt uns erst entlang der Nahe bis nach Kirn und Deutschlands größtem Whiskymuseum. Hahnenbach lädt zum Rasten ein, direkt an der Bogenbrücke und dem alten geschieferten Fachwerk-Rathaus. Wir radeln nach Bundenbach, rechts im Tal liegt die Burgruine Schmidtburg und die Keltensiedlung. Der Wirtschaftsweg führt uns indes zur Schiefergrube Herrenberg, wo eindrücklich der Schieferabbau in Form einer geführten Tour zu bestaunen ist. Der gleiche Rückweg zu dem Ort muss man sich allerdings mit einem kurzen steilen Anstieg erkämpfen.Edelsteinroute_Klaus Herzmann13 Dann rollen wir über Rhaunen nach Stippshausen und der berühmten Stummorgel in der Evangelischen Kirche. Jetzt geht’s nur noch bergab, rasant und schnell, oder langsam und bedächtig – jeder wie er es mag. Wir sind uns einig. Hätten wir doch nicht gedacht, dass es hier so viel Schönes zu entdecken gibt. Und wer uns das nicht glauben mag fährt am besten selbst mal hin und überzeugt sich, was ein verlängertes Wochenende alles zu bieten hat in der Edelsteinregion rund um Idar-Oberstein.

Infopaket Edelsteinroute

Anreise
Flugzeug: Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist ca. 31 km von Idar-Oberstein/Göttschied entfernt.
Bahn: Köln – Idar-Oberstein ca. 3-4 Stunden, München – Idar-Oberstein ca. 6 Stunden, Hamburg – Idar-Oberstein ca. 8 Stunden, Berlin – Idar-Oberstein ca. 8-9 Stunden
Auto: Eine Anreise mit dem eigenen Fahrzeug bietet sich an, da es sich bei allen Routen um Rundwege von und nach Idar-Oberstein handelt.
Von Norden/Süden über die A61, Ausfahrt Waldlaubersheim und Bad Kreuznach und die B41 nach Idar-Oberstein. Von Westen/Benelux/Frankreich über die A1/A62, Ausfahrt Idar-Oberstein. Die B41 verläuft von West nach Ost durch das Naheland.

Reiseführer & Karten (für weitere Infos Foto anklicken)(Werbung)

Route

1.) Idar-Oberstein-Naheradweg- Enzweiler- Kronweiler- Niederbrombach-Birkenfeld-Gollenberg-Oberhambach-Hattgenstein-Kirchweiler-Tiefenstein- Idar-Oberstein ca. 60 km

2.) Idar-Oberstein-Naheradweg-Nahbollenbach-Weierbach-Fischbach-Niederhosenbach-Herrstein-Göttschied- Idar-Oberstein ca. 40 km

3.) Idar-Oberstein-Naheradweg-Kirn-Hahnenbach-Bundenbach-Rhaunen-Weitersbach-Stipshausen-Schauren-Kempfeld-Tiefenstein-Idar-Oberstein
ca. 70 km

Gesamtstrecke: ca.170 km

Was gibt’s zu entdecken

Route 1.)

Frauenberg: Ruine Frauenburg
Birkenfeld: Schloss, Oldenburgische Kaserne, Landesmuseum, Schellenmann, Burgruine
Oberhambach: Sauerbrunnen
Hattgenstein: Aussichtsturm mit fantastischem Blick ins Umland
Leiseler Wald: Römischer Grabhügel
Tiefenstein: Historische Weiherschleife, Edelsteinschleiferei Eckhardt
Idar-Oberstein: Deutsches Edelsteinmuseum, Edelsteinmine Steinkaulenberg, Felsenkirche, Industriedenkmal Jakob Bengel, Museum Idar-Oberstein, Burg Bosselstein (Ruine)

Route 2.)

Fischbach: Historische Kupfermine mit Führungen
Herrstein: Historisches Ortskern, Schinderhannesturm, Galerie Handwerk mit Wechselausstellungen, Heimatkundliches Museum, Fachwerkensemble, Uhrturm, Schlosskirche
Idar-Oberstein: Schloss Oberstein und siehe Route 1

Route 3.)

Kirn: Kyrburg mit Deutschlands größtem Whiskymuseum, Innenstadt mit Marktplatz
Hahnenbach: Schloss Wartenstein, altes geschiefertes Fachwerk-Rathaus, steinerne Bogenbrücke, Kapelle
Bundenbach: Schiefergrube Herrenberg mit Führungen, Burgruine Schmidtburg im Hahnenbachtal, Keltensiedlung Altburg
Rhaunen: Fossilienmuseum
Stippshausen: Evangelische Kirche mit Stummorgel, Skulpturenpark, Gerwertsmühle
Tiefenstein/Idar-Oberstein: Siehe Route 1 und Route 2

Streckencharakter

Der Hunsrück ist recht hügelig, daher empfiehlt sich eine gute Kondition.
Allerdings bietet in Kürze die Touristinformation in Idar-Oberstein E-Bikes zum Verleih. Somit wird auch weniger trainierten Personen das Fahren wesentlich erleichtert. Meist führen die drei Routen über gut ausgebaute Rad-, Wirtschafts- und geteerte Waldwege. Verkehrsreiche Straßen bleiben die Ausnahme.

Übernachtungsempfehlung

Hotel Amethyst Idar-Oberstein
Tel. 067 81 700 01
www.gaestehaus-amethyst.de

Weitere Infos

Tourist-Information der Stadt Idar-Oberstein
Hauptstraße 419
55743 Idar-Oberstein
Tel.06781- 5639-0
www.idar-oberstein.de

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
FacebooktwitterlinkedinrssyoutubeFacebooktwitterlinkedinrssyoutube

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.