Sieben auf einen Streich

Siebengebirge-Klaus Herzmann3Das Siebengebirge ist eine zauberhafte Landschaft im unteren Mittelrheingebiet: Endloser Mischwald steht auf sanften Berggkuppen, knorrige Eichen klammern sich an felsige Hänge und in schattigen Schluchten bahnen sich kleine Bächlein ihren Weg durch Täler und gurgeln Vater Rhein entgegen. Und mittendrin – da treffen wir auf ein Netz aus gut präparierten Wanderwegen, die einladen zum Entdecken.

Mit rund 48 Quadratkilometern ist das Siebengebirge der kleinste Naturpark und das älteste Naturschutzgebiet Deutschland’s. Bevor der Rhein die niederrheinische Tiefebene bei Bonn erreicht, fließt er an einem Massiv vorbei, dessen Aussehen sich mit den vulkanischen Aktivitäten der Urzeit erklärt. Mehr als 40 Berge und Anhöhen sind so entstanden. Der Name des Gebirgszuges allerdings leitet sich nicht von der Zahl ab, sondern vom Wort “Siefen” was soviel bedeutet wie dahinrinnender Wasserlauf oder schluchtartiges Tal. Ein gemütlicher Flecken Erde. Die Menschen sprechen Dialekt, lieben ihre Heimat, sind stolz auf die regionale Küche und wissen stets Auskunft über Weg und Steg zu geben. Und das Allerschönste – innerhalb nur eines Tages können die spektakulärsten Ziele besucht werden…

Auftakt in Königswinter

Den zentralen Erlebnisraum in einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft bildet die Stadt Königswinter mit ihrem berühmten Hausberg dem Drachenfels. Schenkt man der Geschichte glauben, so entstand der Name des Ortes nachdem Karl der Große hier eine Weindomäne erworben hatte. Genau dort schnüren wir unsere Trekkingstiefel, packen den Tagesrucksack zusammen und sehen uns wenig später am Einstieg der Tour wieder.Siebengebirge-Klaus Herzmann10Siebengebirge-Klaus Herzmann5

Die beginnen wir an der Station der Drachenfelsbahn. Eine historische Zahnradbahn von 1883 und die älteste ihrer Art in Deutschland. Zuverlässig befördert sie alljährich tausende Touristen auf den 321 Meter hohen Drachenfels. Der steile Anstieg hat es schon in sich. Entlang dem Eselsweg steigen wir langsam auf. Und für diejenigen, die es gerne ruhig und abgeschieden mögen, winden sich parallel dazu verschlungene Pfade durch das Nachtigallental.Siebengebirge-Klaus Herzmann16Siebengebirge-Klaus Herzmann11

 

 

 

 

 

Wie man sich entscheidet – das erste Etappenziel bleibt das gleiche. Dort wo früher die zähen Vierbeiner Steinlasten beförderten, begegnen uns heute Kinder auf dem Rücken der Grautiere, die die ersten Höhenmeter gemütlich meistern.

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Immer wieder bieten sich unterwegs wunderbare Blicke hinunter zum Rhein. Aussichten, die uns den ganzen langen Tag begleiten sollen…

Sagenumwoben

An der Stelle, wo uns dichter Wald wieder freigibt, liegt Schloss Drachenburg. 1882 errichtet zählt das architektonische Juwel zu den bedeutensten Schlossbauten im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Traumschloss mit dem unvergesslichen Rheinpanorama, seinen prunkvollen Gesellschaftssalons und den historischen Schauräumen lässt die Besucher schwärmen. Von einem Bonner Börsenanalysten errichtet, war es schon Hotel, Genesungsheim und Jungeninternat. Heute befindet sich im oberen Turm eine Suite, in der es sich fürstlich logieren lässt. Von hier ist es auch nicht weit zum Drachenfels. Wegen seinem steilen Abruch zum Rhein hin und dem Trachytgestein hat er sich seinen Namen verdient.

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Das Massiv wird seit je her auch mit der Siegfriedsage in Verbindung gebracht. Und natürlich dem Drachen, der an der Vorderseite des Berges in seiner Drachenhöhle hauste. Vollendung erfährt die Geschichte in der angrenzenden Nibelungenhalle, wo zu Klängen von Richard Wagner der Gast auf den riesigen Drachen trifft. Echte Reptilien gibt es natürlich auch. Vom Alligator bis zur 6 Meter langen Pythonschlange. Der Weg wird schmaler, ein letzter steiler Stich und wir stehen auf dem Plateu des Felsen. Der kilometerweite Panoramablick ist überwältigend. Hoch über uns findet die Ruine Burg Drachenfels ihren Platz.Siebengebirge-Klaus Herzmann9Siebengebirge-Klaus Herzmann8

Mittlerweile ist auch die Bausünde der 70ziger Jahre einem profanen Glaskubus gewichen, der sich wunderbar in die Landschaft integriert. Über so viel Rhein-Romantik mag man fast vergessen, dass der Drachenfels eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Bereits die Römer haben hier Steine gebrochen, sie den Berg hinab befördert und auf dem Rhein nach Köln, Xanten, ja sogar bis nach Nijmegen verschifft.

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Der Trachyt war ein bevorzugtes Baumaterial. Im Mittelalter ging der Steinbruch weiter, große Teile des Kölner Doms wurden damit gebaut. Und die Burggrafen wurden darüber im wahrsten Sinne des Wortes steinreich. Man mag es kaum glauben, dass dieser Berg auf dem wir gerade stehen der am meisten bestiegene in Deutschland ist…

Immer der Nase nach

Erneut tauchen wir in dichten Mischwald ein, wo dicke bemooste Äste müde bis zum Boden hinunterreichen. Unser nächstes Ziel ist die angrenzende Wolkenburg. An historischem Gemäuern ist der Nachwelt leider nichts erhalten geblieben. Sie dient uns lediglich als Wegweiser zum Petersberg und damit Berg Nummer Drei. Wir passieren die Gastwirtschaft Milchhäuschen und stapfen bei ständigem Auf und Ab weiter. Die internationalen Menschentrauben, die uns eben noch auf dem Drachenfelsen begegneten, haben wir endgültig hinter uns gelassen. Wir genießen die Ruhe und die frische Luft, die in sanften Böen vom Westerwald hinüberweht. Siebengebirge-Klaus Herzmann4Siebengebirge-Klaus Herzmann7

Einzig das Knacken der Steine unter unseren Trekkingstiefeln durchbricht die Stille. Manchmal macht ein kleines Bächlein durch sein Geplätscher auf sich aufmerksam. Dann stehen wir an dem Ort, wo sich einst die Regierungschefs die Klinke in die Hand gaben. Heute lässt es sich auf dem Petersberg beinahe staatsmännisch in einer Nobelherberge logieren. Auf der Besucherterrasse genießen die Menschen die wärmenden Sonnenstrahlen und natürlich die grandiose Kulisse.Siebengebirge-Klaus Herzmann15Siebengebirge-Klaus Herzmann13

Uns zieht es weiter zum Nonnenstromberg, der der Sage nach zwei frommen Frauen Zufluchtsort war. Ein langgezogener Kegel mit wunderbarem Naturwald. Man sagt, nirgendwo sonst könnte man im Siebengebirge die Vögel so klar und schön singen hören wie hier. Unser Track führt nun an die Grenze von Heisterbacherrott, das dem gleichnamigen Kloster den Namen gab. Das Heiligtum aus 1327 bildete das geistliche Zentrum im Siebengebirge – liegt aber für einen Besuch zu weit abseits des Weges.

Wieder dem Rhein entgegen

Die Stunden verfliegen wie im Rausch. Als wir den 460 Meter hohen Großen Oelberg erreichen, haben wir nicht nur die Hälfte unserer Wanderung geschafft, sondern auch den höchsten Punkt erreicht. Karge Felsen, die sich in einem Meer aus Wald behaupten, laden zur ausgiebigen Rast ein. Erst als dunkle Wolken aufziehen, treibt es uns in das Innere der urgemütlichen Gaststube.Siebengebirge-Klaus Herzmann6Siebengebirge-Klaus Herzmann2

Gestärkt ziehen wir weiter über den Lohrberg dessen Namensgebung auf den Bewuchs zurückzuführen ist. Und der, gemeinsam mit der markanten Löwenburg, die letzten beiden Gipfel auf unserer Tour markieren. Die gut erhaltene mittelalterliche Ruine bietet eine herrliche Rundumsicht. Zu unseren Füssen schieben sich Lastkähne den Rhein hinauf, dahinter erblicken wir die sanften Hügel der Eifel und im Rücken da liegt der Westerwald. Ein inspirierender Ort, diese Löwenburg, die bereits mehrfach durch Dichter beschrieben wurde. Von nun an geht es mehr oder weniger bergab dem Rhein entgegnen. Wir folgen dem Wasserlauf des Moschbach, der sich immer wieder zu kleinen Seen aufstaut. Schon machen wir die ersten Häuser von Bad Honnef aus. Hier tauschen wir wieder urwüchsige Natur und herrliche Fernsichten gegen Zivilisation ein. Bevor wir zurück zum Ausgangspunkt gehen, statten wir allerdings dem Stadtteil Rhöndorf noch einen Besuch ab.Siebengebirge-Klaus Herzmann1. Konrad Adenauer lebte hier bis zu seinem Tode im Jahre 1967. Wer genügend Zeit mitbringt dem sei die Führung durch das Haus und den prächtigem Garten voller Bäume und Rosen empfohlen – es lohnt sich. Zurück in Königswinter legen wir die Rucksäcke ab und lösen die Schnürsenkel unserer Trekkingstiefel. Ausklingen lassen wir diesen erlebnisreichen Tag im Siebengebirge in der Weinstube & Petit Lion bei deftigem Sauerbraten mit Klößen und einem Glas Rotwein – echt Rheinländisch eben…

Infopaket Sieben auf einen Streich

Anreise:
Auto:
Auf der A59 Richtung Bonn, dem Streckenverlauf folgen bis B42, Ausfahrt Niederdollendorf/Oberdollendorf/ Königswinter.

Bahn:
Fahrt zum Eisenbahnknotenpunkt Bonn. Züge fahren mehrmals täglich von/nach Hamburg, München, Aachen und Leipzig. Am Hauptbahnhof umsteigen und mit der Linie 66 Richtung Bad Honnef/Königswinter (alle 20 Minuten).

Flugzeug:
Vom Flughafen Köln/Bonn mit der Regionalbahn Richtung Koblenz direkt zum Bahnhof Königswinter.

Reiseführer & Karten(Werbung)

Wanderfiebel Siebengebirge, 1:25.000, (hauseigene Anfertigung – kann direkt bei der Touristik Siebengebirge bestellt werden – siehe Infos) 9,80 Euro. Siebengebirge, ISBN: 978-3-7616-2336-7, Bachem Verlag, 4,95 Euro.

Tour

Die beschriebene Tour ist ein Rundkurs mit Start und Ziel in Königswinter. Die Namen der Gipfel: Drachenfels, Wolkenburg, Petersberg, Nonnenstromberg, Großer Oelberg, Lohrberg und die Löwenburg. Das Siebengebirge bietet darüber hinaus eine Vielzahl an Wanderungen, die frei unter einander kombinierbar sind. Weitere Infos finden sie auf der Seite vom Siebengebirge, ebenso die GPX-Tracks zum Download.

Charakter

Die vorgestellte Tour ist eine Tageswanderung auf meist befestigten Waldwegen bei einer Gesamtlänge von ca. 26 Kilometern. Dabei gilt es rund 1.000 Höhenmeter zu bewältigen. Man braucht also keine besondere Ausrüstung – leichte Trekking- oder Wanderschuhe, Tagesrucksack, Outdoorjacke und evtl. Wanderstöcke finden wir als ausreichend. Und natürlich den Tagesproviant, für diejenigen, die lieber abseits des Weges die Rast planen.

Einkehrmöglichkeiten

• Löwenburger Hof
• Milchhäuschen
• Gasthaus auf dem Oelberg
• Drachenfels
• Petersberg

Unterwegs mit Kindern

Für Familien mit Kindern denen die Strecke zu lange erscheint bietet sich die Möglichkeit auf halber Strecke in Margarethenhöhe zu übernachten. Unser Tipp: Hotel im Hagen, Ölbergringweg 45, 53639 Königswinter, Tel.: +49 (0) 2223- 9213-0, www.hotel-im-hagen.de

Unterkunft am Start

Königswinter: Hotel Krone – Weinstube & Petit Lion,
Hauptstraße 374, 53639 Königswinter, Tel.:+49 (0) 2223/700 97-0, www.krone-koenigswinter.de (Hotel eigener Parkplatz)

Die beste Reisezeit

Die Region Siebengebirge ist zu jeder Jahreszeit reizvoll – somit gibt es für Wanderbegeisterte keinerlei Einschränkungen.

Infos

Tourismus & Congress GmbH Bonn
Platz der Vereinten Nationen 2
53113 Bonn
Tel.+ 49 (0) 228/91041-0
www.bonn-region.de

Tourismus Siebengebirge GmbH
Drachenfelsstraße 51
53639 Königswinter
Tel.: + 49 (0) 2223/9177-11
www.siebengebirge.de

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1 Kommentar zu „Sieben auf einen Streich

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