Nachruf auf einen Reisefreund

Foto Annett Schpeniuk03Mein geschätzter Reisefreund Rolf Ehlert aus Berlin ist Tod – mit nur 48 Jahren ist er von uns gegangen. Kennengelernt haben wir uns 1993 auf dem Flughafen in Auckland/Neuseeland. Dem Ort, wo ich mein Aussteigerjahr beginnen wollte. Und ich so richtig die Hosen voll hatte – bis mich Rolf mit seiner großen Berliner Klappe ansprach…

Es sind diese intensiven Momente im Leben, die man nie wieder vergisst. Gereist bin ich eigentlich schon immer viel – bis dato allerdings recht ruhig. So war das Vorhaben, mich ein ganzes Jahr und alleine auf eine Reise ans Ende der Welt zu begeben Anfang der 90er doch noch etwas besonderes. Da stand ich nun am Flughafen mit meinem Rucksack und Zelt auf dem Rücken, mein Englisch hielt sich in ganz bescheidenen Grenzen und wie schon erwähnt: Ich hatte die Hosen voll! „Was mache ich hier? Wie geht’s jetzt weiter? Wo schlafe ich heute Nacht? Habe ich den Mund diesmal zu voll genommen?“ Irgendwie muss ich auf andere einen sehr bemitleidenswerten Eindruck gemacht haben, so dass mich Rolf angesprochen hat. Der wurde von einem älteren Ehepaar aufmerksam gemacht, dass ich so aussehen würde als könnte ich Hilfe gebrauchen.Foto Annett Schpeniuk02 ,,Do you need help?“,sprach Rolf mich lächelnd an, bis er ins Deutsche überging. Alles ganz locker meinte er und fuhr mit mir in das Zentrum von Auckland. Schnell war ein Zimmer besser gesagt ein Bett in einem Backpacker reserviert, wo ich schon die ersten anderen reisenden kennenlernen durfte. Rolf wollte bei Freunden übernachten, die in Auckland ein Praktikum absolvierten. Tags darauf haben wir uns wieder getroffen, ich wurde ebenfalls eingeladen bei seinen Bekannten zu nächtigen – und den Kopf , den ich mir noch ein Tag zuvor gemacht hatte, war wieder frei. Mit zwei seiner Bekannten, Tina und Dania aus Berlin, sind wir im gemeinsamen Auto dann 14 Tage durchs Land gereist, haben Trekkingtouren unternommen und hatten ein Maximum an Spass zusammen. Dann war ich wieder auf mich alleine gestellt. Mit dem Unterschied, dass ich durch das Zusammentreffen mit Rolf den „nötigen Schups“ für diese Reise bekommen habe. Unsere Freundschaft währte 22 Jahre, eine lange Zeit, die ich um nichts in der Welt missen wollte. Danke Rolf!!!

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4 Kommentare zu „Nachruf auf einen Reisefreund

  1. Sehr geehrter Herr Herzmann,
    mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod Ihres Freundes Rolf Ehlert erfahren. Mir ist Rolf als ein sehr freundlicher Schüler im Gedächtnis geblieben – vor allem, als ich als Lehrer 1982 mit
    ihm und anderen Schülerinnen/Schülern der 11.Klassenstufe der
    St.Marienschule eine Italienexkursion unternahm (Rom – Neapel –
    Paestum).
    Gestatten Sie mir die Frage, woran Rolf in so jungen Jahren verstarb?
    Mit freundlichen Grüßen
    Lothar Wolfgramm, ehem. Pädagogischer Koordinator

  2. Vielen Dank!
    Über einen anderen Freund von Rolf bin ich auf diesen Nachruf aufmerksam geworden. Ich habe mich sehr darüber gefreut, hier eine so schöne Geschichte aus dem Leben meines Bruders zu lesen. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass mein Bruder so vielen Menschen in Erinnerung bleibt.
    Vielen Dank auch von meinen Eltern, die sich ebenfalls sehr gefreut haben.

  3. Lieber Herr Herzmann,

    auch ich als langjähriger Freund seines Bruders Martin habe mich sehr über Ihren Bericht gefreut. Wie Sie ihn beschreiben, das war Rolf, wie er leibte und lebte: Immer geradeaus, unkompliziert und – natürlich – mit Herz und Berliner Schnauze. Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer einem das Herz werden kann, wenn man allein ins Ausland geht. Und wie gut es tut, neue Freunde zu finden und so die Welt zu entdecken.

    Rolf auf diesem Wege zu gedenken, macht ihm und uns alle Ehre!
    Viele Dank und Grüße aus Mainz

    • Lieber Herr Klinner,

      ganz herzlichen Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Es vergeht keine Reise wo ich nicht in gewissen Situationen an Rolf denke und mir dabei das Lachen nicht verkneifen kann. Solche Freunde wachsen leider nicht auf den Bäumen und sind in der heutigen Zeit leider kaum noch zu finden…

      Beste Grüße vom schönen Mittelrheintal

      Klaus

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