Trekking in den Siebenbürgischen Karpaten Teil I

Rumänien-Klaus Herzmann13Europas wilde Weiten. Bei den Begriffen Transsilvanien und Karpaten denken viele sofort an den berühmten Grafen Dracula. Dass diese Region aber auch viele wunderbare Trekkingtouren für den Wanderer bereithält, davon konnten wir uns bei einem Besuch selbst überzeugen…

Schon seit dem Altertum vergleicht man Siebenbürgen in Rumänien mit einer wehrhaften Festung und seine geschwungenen Berge mit einer Königskrone. Ein Landstrich, der durch ein gewaltiges Erdbeben des europäischen Festlandes entstand: Was sich einst aus den Urgewalten erhob, war die Karpatenkette, die in einem weiten Bogen das heutige Siebenbürgen umspannt. Ein Gipfelkranz, der sich mit bis zu 2500 Meter hohen sagenumwobenen Steinriesen schmücken darf und einst dem Grafen Dracula ein Zuhause bot.

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Eine wunderbare Region, durchwirkt von glitzernden Seen, die auf vulkanischen Ursprung zurückgehen, steinalten Tälern mit knorrigen Eichen, immergrünen Tannen und meterdicken Buchen. Und es finden sich auch Eishöhlen mit ganzen Zügen von Stalaktiten und Stalagmiten. Die Karpaten: Eines der wohl letzten noch nahezu unberührten Naturwunder in Europa.

Rumänien-Klaus Herzmann32Rumänien-Klaus Herzmann19Davon zeugt auch die Fauna und Flora, mit ihren seltenen Pflanzenarten wo bis heute ganz selbstverständlich Wolfsrudel und Braunbären durch die abgelegenen Landschaften streifen – so wie bereits tausende Jahre zuvor. Wir haben die Bergstiefel geschnürt, den Trekkingrucksack geschultert und uns aufgemacht die grandiosen Landschaften und ihre Menschen zu erleben…

Ausgangspunkt Brasov – das ehemalige Kronstadt
Wenn wir von Siebenbürgen sprechen, dem Osttor Europas, dann reden wir von einem Schmelztiegel der Kulturen. Bereits die Römer waren hier und erbeuteten Gold und Silber aus den Mienen. Immer wieder lockte im Zeitenschlag der Geschichte die verheißungsvolle Region die wandelnden Völker zur Rast – und viele sind geblieben – bis heute. Die Siebenbürger verdanken ihre Herkunft den Ungarnkönigen, die mit der Kolonialisierung versuchten, die östlichen entvölkerten Grenzgebiete zu sichern. Dabei kamen die ersten Siedler um 1150 vom Niederrhein und der Mosel – die mit deutschem Fleiß grandiose Städte wie Sibiu (Hermannstadt) und Brasov (Kronstadt) schufen.

 

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Vielleicht ist es eben dieser Arbeitseifer, der dem deutschstämmigen Ex-Bürgermeister von Sibiu Klaus Johannis den Außenseitersieg bei den Präsidentschaftswahlen 2014 bescherte. Überhaupt sollte man auf der Fahrt zum Zielort in Hermannstadt eine Pause einlegen. Was den Besucher erwartet: Eine aufregend hübsche Stadt, deren bewegte Geschichte in das 13. Jh. zurückreicht. Ein Ort an dem sich deutsches Kulturgut in allen erdenklichen Fassetten zeigt. So gibt es deutsche Bäckereien, eine „Allgemeine Deutsche Zeitung“ und die „Hermannstädter Zeitung“ für jeweils einen Leu. Die grandiose Architektur hingegen spiegelt sich in prächtigen Palais und Sakralbauten wieder – eine wunderbare Kulisse. Fährt man weiter, so gelangt man zum zentralen Ausgangspunkt in Brasov – der Hauptstadt des Burzenlandes und dem kulturellen Zentrum Siebenbürgens. Kronstadt entführt uns in den Barock und glänzt mit der schmalsten Gasse Europas, die gradewegs zur berühmten schwarzen Kirche führt. Dort sind auf einzigartige Weise Orientalische Teppiche zu bewundern.

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In Brasov befindet sich auch das moderne Informationszentrum mitten auf dem Marktplatz im Rathausgebäude, wo wir letzte Anregungen für unsere Trekkingtouren in der Region einholen. Von hier geht es zum Ausgangspunkt unserer Trekkingtour ins nahe gelegene Bucegi-Gebirge nach Busteni.

Im Garten der Karpaten

Unsere Pensionswirtin Emilia begrüßt uns freundlich. Und da es schon später Nachmittag ist begnügen wir uns mit einem Erkundungsrundgang durch die Kleinstadt. Kaufen im Supermarkt den Proviant für unsere Dreitagestour am darauf folgenden Tag. Geplant ist den Omul zu besteigen. Omul bedeutet „der Mann“ und ist der Name einiger Bergspitzen in Rumänien.Rumänien-Klaus Herzmann11Rumänien-Klaus Herzmann3

 

 

 

 

 

So auch des höchsten Gipfels des Bucegi-Gebirges. Der nächste Morgen begrüßt uns mit Sonnensschein. Beim Einstieg in die Tour folgen wir dem blauen Kreuz und lassen die letzen Souvenirläden und Häuser hinter uns. Gleich geht es steil bergan. Der zu Anfang noch breit ausgetretene Weg verjüngt sich schnell zum abenteuerlichen Singeltrail. Die steilsten Streckenabschnitte durch das Jepilor Valley sind mit Kabeln und Seilen gesichert – und dort ist auch Trittsicherheit gefragt. Die Aussichten ebenso die Ruhe ist unbeschreiblich und niemand außer uns befindet sich auf dem Track. Manchmal blicken wir sehnsüchtig auf die über uns schwebende Seilbahn, die die ersten Menschen auf das Plateau befördert. Oft vernehmen wir ein Knacken aus einem der kleinen Baumgruppen, die sich tapfer an den Hang klammern. Manuela zuckt jedes Mal zusammen „Ist das ein Braunbär.“, fragt sie erschrocken – ich beruhige – ohne selbst genau zu wissen, was das Geräusch verursacht hat.Rumänien-Klaus Herzmann44Rumänien-Klaus Herzmann45

 

 

 

 

 

Dort wo der Pfad auf einen markanten Vorsprung mündet liegt die Caraiman Hütte. Wir rasten ausgiebig, lassen die Beine baumeln und vertilgen dabei die einheimischen Produkte. Gestärkt nehmen wir den letzen Anstieg unter die Sohlen. Unweit entfernt erreichen wir den Sattel, schwenken nach rechts und erblicken zwei großartige Attraktionen. Die in ganz Rumänien berühmten Wahrzeichen des Bugeci-Gebirges: Sphinx und Babele.Rumänien-Klaus Herzmann12Rumänien-Klaus Herzmann48

 

 

 

 

 

Die Felsformation Babele erinnert an überdimensionale Pilze wie aus einer anderen Welt und wird im Volksmund auch liebevoll „das Mütterchen“ genannt. Nur drei Minuten weiter befindet sich die geheimnisvolle Sphinx. Sie gibt ihre Ähnlichkeit mit dem Original in Ägypten jedoch nur demjenigen preis, der sich im richtigen Winkel vor ihr platziert. Wissenschaftler streiten sich bis heute, ob diese Gesteinsformationen Zeugen einer Steinzeitkultur sind, wie etwa Stonehenge, oder ob diese Naturwunder doch auf Witterungseinflüsse zurückzuführen sind.Rumänien-Klaus Herzmann49Rumänien-Klaus Herzmann9Rumänien-Klaus Herzmann47. Ein weiterer kurzer Anstieg führt uns zur neuen Alpinhütte mit Silberhaube, in der wir die Nacht verbringen sollen…

Alpine Matten & Schroffe Gebirgskämme

Zeitig machen wir uns auf den Weg zum Gipfel des Omul. Der ausgewaschene Weg lässt uns zügig Vorwärtskommen. Vorbei am Baba-Mare-Gipfel wandern wir durch atemberaubende Landschaften zuerst zum Sugarilorsattel. Ein rumänisches Pärchen grüßt uns freundlich und ist bereits beim Abstieg.

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Über weitere schroffe Gebirgskämme gelangen wir auf den 2505 Meter hohen Gipfel. Geschafft. Allerdings wird die Freude durch die düster aufziehenden schwarzen Wolken geschmälert. Ein kräftiger Schluck aus dem Trinksystem, dann tun wir es dem Pärchen gleich und steigen ab. Wir entscheiden uns, die Route über das Heroes Cross (Heldenkreuz) zu nehmen, das spektakulär die Landschaft überragt. Ein 40 Meter hohes Stahlmonument auf einem Steinsockel, das im Jahr 1926 zu Ehren der rumänischen Soldaten des ersten Weltkrieges errichtet wurde. Zurück bei der Caraiman Hütte bleiben wir dort über Nacht, genießen die letzten Momente dieser großartigen Landschaften bevor wir tags darauf den Abstieg zurück nach Busteni nehmen.

Infopaket Trekking in den Siebenbürgischen Karpaten

Anreise

Bus: Zwei mal wöchentlich von verschiedenen deutschen Städten nach Brasov (Kronstadt). Beispiel: Von Frankfurt/ Main aus – Fahrzeit ca. 22 Std., www.buslinie-mayer.de.

Flugzeug: Mehrmals wöchentlich Flüge von Frankfurt/Main nach Sibiu (Hermannstadt) und weiter mit dem Zug 3.Std. nach Brasov (Kronstadt).

Auto: Von Frankfurt, Passau über Linz und Wien in Österreich nach Budapest in Ungarn weiter nach Sibiu (Hermannstadt)/Rumänien zum Ziel in Brasov (Kronstadt) ca. 1700 Km – Fahrzeit ca. 20 Stunden (Autobahnvingetten der einzelnen Länder nicht vergessen – ADAC).

Währung

Rumänischer Leu
1 Euro = 4,5 RON Stand Juli 2015. Rumänien-Klaus Herzmann33Mit allen gängigen Karten kann Geld aus dem Bankomaten gezogen werden.

 

 

 

 

Reiseführer & Karten (für weitere Infos Foto anklicken)(Werbung)

 

Charakter

Die Karpaten im sagenumwobenen Transsilvanien sind ein noch weitgehend von Touristenströmen verschontes Trekkingparadies. Die Ausschilderung ist vorbildlich! Es empfiehlt sich wegen der steilen Anstiege eine gute Kondition ebenso eine gute Ausrüstung und Trittsicherheit. Die Wetterverhältnisse vor Beginn unbedingt abklären, da die Region für ihre Wetterumschwünge (sommerliche Hochgewitter mit Blitzgefahr aber auch Hagel und Nebel) bekannt ist.

Routen

Trekking im Bucegi Gebirge: Ausgangspunkt Busteni (885 m) – Jepilor Valley – Caraiman Chalet (2025 m) – Babele Chalet (2200 m) ca. 5 Std. (Übernachtung)
Babele Chalet – Baba-Mare-Gipfel – Sugarilor Sattel und weiter zum Omul-Gipfel (2505 m) ca. 3 Std.
Rückweg über Heroes Cross – Caraiman Chalet ca. 4 Std. (evtl. Übernachtung) und Abstieg nach Busteni. Routen beliebig erweiterbar.

Trekking im Nationalpark Piatra Craiului/Königstein: Ausgangspunkt Zarnesti (750 m) – Poiana Diana – Curmatura-Hütte (1440 m) ca. 7 Std. Es gibt unzählige Tourenmöglichkeiten – siehe Nationalparkzentrum.
Eintritt Nationalpark 7 Tage: 5 Leu, Kinder unter 14 Jahre frei.

Sicherheit

Durch die Karpaten streifen Bären und Wölfe, die man aber nur sehr sehr selten zu Gesicht bekommt. Weitaus gefährlicher ist der Straßenverkehr – wir haben weltweit noch nie so rücksichtslose Auto und LKW Fahrer erlebt wie in Rumänien!!!

Ausrüstung

Wer eine Trekkingtour in den Karpaten plant sollte sich auf jede Wetterlage einrichten. Trekkingstiefel und eine Wind und Regen abweisende Jacke gehört ebenso in den Rucksack wie ein Gas-/Benzinkocher und ein Zelt. Bei Gaskocher empfiehlt sich die Mitnahme der Kartuschen (bei Anreise mit dem eigenen Fahrzeug). Auch ein „Erste Hilfe Paket“ sollte nicht fehlen.

Beste Reisezeit

Trekkingtouren empfehlen sich in den Monaten zwischen Mai-Oktober.

Unterkunft

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es en masse – und für jeden Geldbeutel. Beispiel: Busteni (Ausgangspunkt Bucegi-Gebirge) Pension Clasic, Drei Sterne, sauber & freundlich, Dreibettzimmer 20 Euro Gesamtpreis, Caprioarei Str. 16 (neben dem Cantacuzino Castle), Tel. 0040 (0)725-655-683. Unterwegs stehen für Mehrtagestouren Hütten mit Schlaflager zur Verfügung. Sicherheitshalber und wegen Überfüllung Zelt mitnehmen. Das gilt auch besonders im Königsstein.

Infos

Rumänisches Touristenamt, Reinhardtstr. 47, 10117 Berlin
Tel: 0049 (0) 30 602 64 622, www.rumaenien-tourismus.de
www.romania.travel
www.rumaenien-info.at
www.pcrai.ro

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