Rückblick: Abenteuer Namibia Teil I

Namibia-Klaus Herzmann8Wir sind wieder unterwegs – diesmal nach Afrika. Der einzige Kontinent auf unserem blauen Planeten, den Tochter Laura Antonia mit ihren 6 Jahren noch nicht bereist hat. Der Reiz nach neuen Abenteuern und fremden Kulturen treibt uns voran – wir können nicht anders. „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum“, ist unsere wichtigste Maxime…

 

Im Land der roten Stille

Schon beim Anflug auf Windhoek fasziniert uns die Weite und Ein¬samkeit, die sich unter den Tragflächen ausbreitet. Karge Ge¬birgsketten durchpflügen die Landschaft. Wir vernehmen kleine staubige Farmstrassen, die Scheins ins Endlose führend, doch in der Unendlichkeit zu ihrem Bestimmungsort steuern. Laura drückt ihre Nase an dem kleinen Fenster platt. „Du Papa, laufen da unten wirklich überall große, gefährliche Tiere rum?“ „Nein, nein, natürlich nicht überall“, beruhige ich sie, „wir sind ja erstmal mit dem Allrad unterwegs und dort, wo wir Fahrrad fahren, gibt es nur harmlose Tiere, versprochen.“ „Na ja, hoffentlich stimmt das mal so“, höre ich sie flüstern. Nach nur 10 Stunden Flug landen wir auf immer noch luftigen 1.650 Metern in der Hauptstadt Namibias. Die Einreiseformalitäten werden schnell und unbürokratisch erledigt.Namibia-Klaus Herzmann32Namibia-Klaus Herzmann53

 

 

 

 

Größere Probleme bereiten wir allerdings Joe, dem Fahrer des Airport-Shuttle. Er wirkt leicht überfordert beim Anblick unserer 3 Fahrradkisten und den ganzen Taschen. „Not possible, not possible“, murmelt er immer zu. Nach einigen gescheiterten Versuchen alles zu verstau¬en schiebt Joe einfach die Kisten zwischen die Sitze der aufstöhnenden Touristen. Endlich fahren wir los zu unserer Unterkunft.

Eine besondere Begegnung

Windhoek ist mit ihren 280.000 Einwohnern keine hektische, pulsierende Stadt, es geht eher ruhig und beschaulich zu. Das hier europäisch anmutende Flair ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. So sind Karneval, Braukunst, Sauerkraut, Kassler und deutschsprachige Geschäfte untrennbar mit der Kultur und in den Herzen der Menschen verankert.Namibia-Klaus Herzmann59Namibia-Klaus Herzmann8Der Streifzug durch die Stadt besticht mit kulturellen Eindrücken, wie Windhoeks touristischer Magnet und eines der wohl am häufigsten fotografierten Motive – die im gotischen Stil gehaltene Christuskirche und das Reiterstandbild. (Heute ist das Standbild vor der Christuskirche verschwunden. Erst wurde es in den Vorgarten des Tintenpalastes verbannt und 2014 in einer Nacht und Nebelaktion abermals demontiert und entsorgt).

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Mit einer Adresse von Freunden in der Tasche, die wir vor der Abreise bekommen haben, folgen wir einer Einladung der besonderen Art. Gräfin zu Bentheim lässt bitten. Sie ist die Tochter einer der ersten weißen Einwanderer in Namibia. Der hausgemachte Apfelkuchen und das akzentfreie Deutsch der Gräfin, Angela, Roland, Todo und Heinrich geben uns nicht wirklich das Gefühl uns in Afrika aufzuhalten. Wir fühlen uns direkt wie in der Heimat. Das herzliche Miteinander in ihrem Haus in Windhoek wird flankiert von den spannenden Erzählungen der 90jährigen. Spontan werden wir gefragt, ob wir denn Lust und Zeit hätten, mit ihnen auf die 150 Kilometer entfernte Farm zu fahren, um auch die anderen Familienmitglieder kennen zu lernen.Namibia-Klaus Herzmann45Namibia-Klaus Herzmann55Wir sagen sofort zu. Am darauf folgenden Morgen holen wir bei Asco Car Hire unseren Allrad ab. Die Fahrradkisten haben wir im Storeroom der Pension Christoph gelassen. Der Großeinkauf im Supermarkt ist schnell erledigt und schon sind wir auf der „PAD“, so nennen die Einheimischen ziemlich alles, was irgendwie mit dem Auto zu befahren ist. Wir folgen Heinrichs Staubwolke in Richtung Farm. Durch unser rasantes Kommen stiebt eine Gänsefamilie aufgebracht unter großem Geschnatter auseinander. Eine kleine Oase tut sich vor den Augen auf.Orangen- und Zitronenbäume, mächtige, hoch aufragende, Schatten spendende Eukalyptus, kleine Palmen und dazwischen der akribisch kurz geschnittene saftig grüne Rasen. Das Farmhaus unterstreicht die Kinofilmkulisse mit seiner breiten Veranda und den Schaukelstühlen. Kurze Zeit nach unserem Eintreffen begegnen wir dem Rest der Familie: Helgard, Lüder und Holger. Eine Pause wird uns vorerst nicht gegönnt. Der Eselskarren wird angespannt, oder sind es doch Mulis, konnte das noch nie wirklich auseinander halten.Namibia-Klaus Herzmann57Namibia-Klaus Herzmann56Geschickt lenkt Helgard das Gefährt durch eine trockene verdörrte Ebene, festhalten, jede Bodenwelle droht uns aus dem Sitz zu katapultieren. Immer wieder löst sie lässig eine Hand von den Zügeln, um uns auf irgendetwas in der Ferne aufmerksam zu machen. Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, uns an den wenigen zu Verfügung stehenden Haltepunkten zu fixieren. Ein Stopp dient dazu den Futtertrog aufzufüllen bevor wir die wichtigsten Rinder namentlich vorgestellt bekommen. Laura ist hier voll in ihrem Element – Tiere satt zum Streicheln und Füttern.Namibia-Klaus Herzmann50Namibia-Klaus Herzmann49Zurück am Farmhaus sind jetzt ihre Brüder am Zuge. Dieses Mal etwas weniger schnell. Zu Fuß erkunden wir einen weiteren Teil der Farm, bevor wir eine Pause gegönnt bekommen. Die Dunkelheit kommt schnell. Im Garten entzünden wir ein loderndes Feuer. Fackeln spenden zusätzliches fahles Licht, genug um die eingelegten Kudu- und Springbocksteaks rechtzeitig auf der verzehrenden Glut zu wenden.Namibia-Klaus Herzmann48Namibia-Klaus Herzmann58Es ist unbeschreiblich, ein makelloser Tag. Todo spielt alte Südwestlerlieder auf seiner Gitarre. Leises zischen beim Öffnen einer Windhoek-Lager-Bierdose durchbricht die Stille. Momente, an denen man die Zeit gerne für immer anhalten möchte…Harmonisch eingestimmt, nach zwei traumhaften Tagen, den Kopf angereichert mit vielen positiven Erlebnissen, verabschieden wir uns von unseren lieben Gastgebern.

Afrikas Tierwelt…

…oder die spannende Frage, wie kommt man vom Auto sicher zum Klo, wenn hinter dem nächsten Baum die Raubkatze lauern könnte…Nächster Stopp – der weltberühmte Ethosha Nationalpark. Ein unbestrittenes Muss einer jeden Namibiareise. Gut asphaltierte Strassen machen ein schnelles Vorwärtskommen möglich. Über Okahandja und Outjo ist er in 5 Stunden von Windhoek aus erreicht. Am Anderson Gate, dem westlichen „Haupteingang“, entrichten wir die verlangten Namibiadollar und rollen erwartungsvoll auf noch immer geteerter Strasse in den Nationalpark. Namibia-Klaus Herzmann63Namibia-Klaus Herzmann74Laura kann es jetzt kaum mehr abwarten, endlich das erste für sie fremde Tier zu entdecken. Nach weniger als fünf Minuten taucht eine Herde Giraffen auf. Wir fahren daran vorbei. Können es erst gar nicht glauben. Alles ist so unwirklich. Drehen und wieder zurück. Sagenhaft, nur 100 Meter entfernt stehen die anmutenden Tiere im Gebüsch, zupfen aus den Baumwipfeln nahrhafte Knospen und Früchte, um diese dann mechanisch zu zerkauen. Zu ihren Füßen kleine Springböcke, die genüsslich an einem Grasbüschel fressen. In Gewissheit, dass ihnen von ihren direkten Nachbarn keine Gefahr droht.Namibia-Klaus Herzmann34Namibia-Klaus Herzmann72Wirklich, ob als Selbstfahrer oder organisiert, bekommt man hier Tiere in freier Wildbahn zu sehen, die sonst nur im Zoo bewundert werden können. Es wird Zeit sich den Platz für die Nacht zu sichern. Das bieten drei große Camps: Okaukuejo, Halali und Namutoni. Stützpunkt für die nächsten Tage soll das Erstere sein. Hinter dicken Mauern mit hohen Zäunen sind sie gelegen. Öffnung bei Sonnenaufgang und Schließung bei Sonnenuntergang.Namibia-Klaus Herzmann2Namibia-Klaus Herzmann42Hermetisches Abriegeln gegenüber den gefährlichen Vierbeinern. Abermals werden wir geldlich zur Ader gelassen, ein staubiger Zeltplatz wird zugewiesen. Die Bungalows würden unser Budget sprengen. Trotz der Nebensaison im März ist das Camp gut gefüllt. Unser gelbes Kuppelzelt ist schnell aufgebaut, einer Entdeckungsfahrt steht nichts mehr im Wege. Fein geschotterte Strassen geleiten uns durch die endlose Weite. Aussteigen und austreten ist nur an den dafür vorgesehenen Stellen der Rastplätze erlaubt. Gerade an den Wasserstellen gibt es oft Raubkatzen, die das ungeübte Auge nicht erkennt – und die Katzen sind verdammt schnell. Hier ein verschmustes gestreiftes Duo, dort eine Herde von Oryxantilopen oder auch Gemsböcke genannt – das Wappentier Namibias mit langen, geraden Hörnerpaaren. Ob jung oder alt, diese tierisch gute Vielfalt wirkt auf jeden elektrisierend. Ab und zu vernehmen wir ein anderes Fahrzeug, langsam unterwegs, niemand rast. Jeder ist erpicht soviel wie möglich zu sehen. So verfliegen dann auch die Stunden. Zurück im Camp, duschen und das Nachtessen vorbereiten, es gibt Pasta, Pasta ist immer gut.Namibia-Klaus Herzmann75Namibia-Klaus Herzmann68Nach Sonnenuntergang bewegen wir uns an den Rand des Lagers mit dem sicheren Blick auf das Wasserloch. Große Scheinwerfer leuchten mehr oder weniger diese Stelle aus. Immer und immer mehr Menschen strömen an den Aussichtspunkt. Schätzungsweise 300 an der Zahl. Da drängt sich unfreiwillig die Frage auf, wer den hier gleich wen beobachtet? Wir die Tiere oder die Tiere uns? Ein Breitmaulnashorn schiebt sich in den Fokus, schemenhaft aber unverwechselbar. Langgezogene „Ahs“ und „Ohs“ raunen aus der begeisterten Menge. Das Tier zeigt sich völlig unbeeindruckt. Flaniert wie einstudiert von rechts nach links, um dann wieder im dichten Buschwerk zu verschwinden.

Die Nacht ist kurz. Wenige Minuten vor dem Öffnen stehen wir am Gate. Wir fahren entlang der Ethosha Pfanne, eine Salztonpfanne von ca. 5.000 qkm, in der Sprache der San (Buschleute) bedeutet dies etwa „großer weißer Platz“. Aber wo sind die sanften Dickhäuter? Seit Stunden folgen wir nun schon deren lustigen kleinen teilweise noch dampfenden Hügelchen, die sie arglos auf der PAD zurück lassen. Aber weit und breit ist nichts von diesen Riesen zu sehen. Der Wegweiser zeigt auf eine Alternativstrecke durch relativ dichtes Buschwerk. Kleine Rondelle laden zu einer Pause ein. Vereinzelt stehen Gnus wie angewachsen im Gras herum. Die nächste Kurve auf der Rückfahrt ins Camp bringt die ersehnte Begegnung. Ein prächtiger Elefantenbulle reibt sich gerade genüsslich an einem Baum, nur wenige Meter von uns entfernt. Wir beobachten ihn mit dem nötigen Respekt, schießen unser Foto und sausen davon… Im zweiten Teil meiner Reportage, (Erscheint am 01.12.2015) soviel sei verraten fahren wir ins Kaokefeld und leben einige Zeit mit den letzten Nomaden Namibias, den Himbas. Wart Ihr auch schon in Namibia? Wenn ja, dann lasst es mich wissen und schreibt auf meinen Blog…

Infopaket Abenteuer Namibia Teil I

Anreise

Direktflüge mit Air Namibia von Frankfurt, Düsseldorf und München.

Übernachtungsempfehlung Windhuk

Pension Christoph-sehr Zentral gelegen. 5 Gehminuten von der Christuskirche.www.natron.net

Automiete

ASCO CAR HIRE in Windhoek www.ascocarhire.com
deutschsprachig, zuverlässig, guter Service, gutes Preis-
Leistungsverhältnis

Reiseliteratur/ Karten (Für mehr Infos Foto anklicken)

Geschichtlicher Rückblick

– 1884 bis 1914 sogenanntes „Deutsches Schutzgebiet“, fortan „Deutsch-Südwestafrika“
– 1904 Aufbegehren der Volksgruppe Hereros mit der Schlacht am Waterberg, 50.000 ließen in der Bestrebung nach Freiheit ihr Leben
– 1920 Südafrika erhält das Land vom Völkerbund als Mandatsgebiet zugesprochen
– 1990 politische Unabhängigkeit wird besiegelt

Die wichtigsten Fakten

Regierungsform: Republik
Geographie: Südwesten Afrikas, Nachbarländer: Botswana, Südafrika, Angola, Sambia
Fläche: ca. 20x so groß wie die Schweiz
Hauptstadt: Windhoek
Einwohner: ca. 2,5 Mio.
Sprache: Englisch, Afrikaans, Deutsch
Währung: Namibischer Dollar, 1 Euro – 15,77 Namibia Dollar (Stand Sept. 2015)
Visum: Einreisestempel für 3 Monate am Flughafen
Reisezeit: ganzjährig, für Biker empfehlen wir April – Nov.

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