Expedition West Papua Teil I

West Papua Klaus Herzmann107Aus der Vogelperspektive gewinnt man den Eindruck als ob Neuginea, die zweitgrößte Insel der Erde, just in diesem Moment erschaffen wurde. Gemeinsam mit meinen beiden Freunden, dem Extrembergsteiger Hendrik und dem Schweizer Beat, wurde ein lang gehegter Traum war. West Papua: Der indonesische Teil der „Immer Grünen Hölle“- am Ende der Welt…

Frankfurt Flughafen, 9.15 Uhr am Schalter von Emirates. Die Stimmung ist ausgelassen. Das wirkt sich auch scheinbar positiv auf die nette Dame gegenüber aus, die mit einem bezaubernden Lächeln die 20 Kilogramm schwere „Wutz“ kostenfrei durchwinkt. Wutz? – eine Tasche prall gefüllt mit Kletterutensilien! West Papua Klaus Herzmann165Planmäßig heben wir ab nach Dubai – langer Aufenthalt. Weiterflug Colombo, mit noch längerem Stopp. Und in Singapur gehen wir erneut runter. Lästig sind die ständigen Kontrollen: Schuhe aus, Gürtel abziehen, die Taschen werden durchsucht, alles für die Sicherheit der Fluggäste – toll! Am frühen Nachmittag landen wir in Jakarta, Indonesien. Der Indonesien Spezialist Herr Dr. Weiglein – nochmals ein ganz herzliches DANKE an dieser Stelle – gab uns vor Abreise hilfreiche Tipps für den Weiterflug nach West Papua. Zuvor hatten wir mit der Indonesischen Botschaft in Deutschland gesprochen, bezüglich dem Visum. Die verlangten doch allen Ernstes wir sollten in Jakarta auf die Behörde kommen, die würden unser Vorhaben checken und dann eventuell grünes Licht geben. Wieso die Botschaftsmitglieder sich so verhalten zeigten, als wir unseren Reisewunsch „West Papua“ vorbrachten, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, sollte sich aber später aufklären. So nehmen wir in Jakarta das Gepäck vom Band, zahlen 25 US Dollar für das Visum, wechseln in den Domestik Terminal und dort besteigen wir die nächste Maschine nach Denpasar/ Bali. Mittlerweile schmeckt auch das Bier nicht mehr, Essen können wir auch keines mehr sehen –  wir möchten nur noch ankommen. Auf Bali verzögert sich der Stopp um weitere 3 Stunden wegen Triebwerkschaden, so dass wir erst in der Nacht weiter fliegen können. Nochmals 5 Stunden sitzen wir uns den Hintern platt bis wir durch die Bordfenster die Insel ausmachen. Breite Sümpfe schmiegen sich entlang der Küste. Das gebirgige Rückrad im Landesinneren von West Papua hebt sich in die gewaltige Höhe von 5000 Meter, wo Eingeborenenstämme noch wie zu Urzeiten leben…

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Erstmal ankommen…

Unter großem Gerumpel landet unser Flieger nach 35 Stunden Unterwegssein am Flughafen Sentani. Die Treppe wird eilig herangerollt. Über das Rollfeld laufen wir zum nahegelegenen Terminal. Wenige Minuten später liegen auch schon die Rucksäcke und die „Wutz“ auf dem Gepäckband. Es ist schwül und es ist heiß, kaum auszuhalten. Vor dem kleinen schlichten Gebäude wartet schon das Empfangskomitee, Taxifahrer und Guides, die uns gerne sofort das Rundumsorglospaket verkaufen möchten. Alle arbeiten sich nun an uns ab, verständlich, wir waren auch die einzigen Touristen, die den Flieger verlassen haben. Nach wenigen Minuten reicht es uns, wir sind einfach nur müde, fix und fertig, wollen ein Bett. Wir steigen in das erstbeste Gefährt und vertrauen dem Fahrer, dass er uns in ein gutes Hotel befördert. Wie sich wenig später herausstellt, liegt das gerade mal fünf Gehminuten vom Flughafen entfernt. Hotel Ratna Manunggal steht da in großen Buchstaben. Die hübsche Rezeptionistin zeigt uns das 3-Bettzimmer und gibt uns zu verstehen, wir müssten dafür 300.000 Rupien bezahlen, rund 20 Euro für uns Drei inkl. Frühstück. Das sind noch keine 7 Euro pro Person – wir sagen zu. Nur die verdiente Ruhe will man uns noch nicht gönnen. Wir werden darauf hingewiesen, wir müssten sofort auf die Polizeistation zum registrieren. Erneut besteigen wir ein Taxi, kurven durch Sentani zur Polizei. Freundlich werden wir per Handschlag begrüßt. Wir geben unsere Passbilder ab, die wir schon von Zuhause mitgebracht haben. Unsere Daten werden peinlichst genau aufgenommen, so genau als wollten wir nach Indonesien immigrieren. Das ganze gleicht einer Zeremonie. Unzählige Stempel und für uns unlesbare Zeichen schmücken nun einen Zettel, den wir jetzt zu unserer eigenen Sicherheit immer mitführen müssten – es gleicht einer Lizenz zum Überleben. Ein Stromausfall bringt den Abschluss der Formalitäten zum Erliegen. „Wir bringen Euch die restlichen Dokumente ins Hotel.“ Zurück in unserer Unterbringung legen wir uns dann endlich nieder und fallen direkt in tiefen Schlaf. Unverhofft hämmert nur wenige Minuten später jemand an unsere Tür. Ich bin so sauer, dass man überhaupt keine Ruhe bekommt, reiße die Tür auf und frage barsch, was denn da los sei. Da steht Samuel, ein kleiner freundlicher Kerl mit Nike T-Shirt, viel zu großen Schuhen und einer zerfleddernden Mappe unter dem Arm. „Do you want to make a tour with me“?, fragt er mich. Kurz und knapp antworte ich er solle in 5 Stunden wiederkommen, wir möchten jetzt schlafen. Er soll auch niemanden anderes zu uns hochlassen, sonst könne er das mit der Tour gleich vergessen. Das hat gesessen, wir schlafen alle drei wie die Babys…

Bleibende Eindrücke

Die Hitze ist unerträglich, die hohe Luftfeuchtigkeit tut ihr übriges. Wir schlendern durch die Stadt in das Office der hiesigen Airline und fragen für einen Flug nach Wamena ins Hochland. „Sorry Mister, we are fully bookt“, bekommen wir zu hören. Der nächste Flug geht erst in drei Tagen…Wir kaufen die Tickets, bedienen uns an einer Essbude an der Strasse, wo wunderbar köstliche Satespieße gegrillt werden. Am Tag darauf, Samuel klebt uns immer noch an den Fersen, fahren wir mit ihm nach Jaja Pura.

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Eine Stadt an der Küste. Vom Bankgebäude aus, wir nehmen den Aufzug in den siebten Stock, haben wir einen wunderbaren Blick auf den Hafen. Wir lassen uns treiben, schlendern über den bunten Markt, quatschen mit den Menschen. Von Anfang an ist uns aufgefallen, dass die Einheimischen sichtlich Angst verspüren ihre politische Neigung nach Unabhängigkeit vom Indonesischen Festland zu bekunden. Jede Form von freiheitlichem Denken wird seit vielen Jahren vom Militär brutal niedergeknüppelt. Nicht alle lassen sich einschüchtern. So spricht uns ein Mann in einer Gasse an, die Beine stark deformiert, auf zwei Stöcke, die unter seinem Arm klemmen, gestützt. Wir checken die Lage, Beat und Hendrik halten mir den Rücken frei und scannen das Umfeld nach Polizei, dann fängt der Mann an zu erzählen – hier ein Clip West Papua Video 1.

West Papua Klaus Herzmann158West Papua Klaus Herzmann164Erst der Abend bringt etwas Abkühlung. Am Tag darauf nehmen wir den Hausberg Mac Artur ins Visier. Querfeldein stapfen wir auf den Berg hinauf. Überall wachsen „Magic Mushrooms“. Ein beherzter Sprung über den Fluss bringt uns an das andere Ufer. Ständiges Auf und Ab bringt uns auf den Bergrücken, den ein Monument ziert. Hier kann man es aushalten. Ein erfrischender Wind weht über die Höhe, die Aussicht grandios.

West Papua Klaus Herzmann166West Papua Klaus Herzmann130Auf dem Rückweg nehmen wir den breiten Teerweg, der durch zwei große Militärbasen führt, wo wir oft kontrolliert werden. Morgen fliegen wir nach Wamena. In das Hochland, voller Erwartung auf herrliche Trekkingtage in unberührten Landschaften aber auch auf eine ursprüngliche Kultur, die so ganz anders ist als das was man kennt… Den zweiten Teil unserer Expedition könnt Ihr ab dem 22.11.2015 lesen…

Infoblock Expedition West Papua Teil I

Anreise: Flug mit Emirates über Jakarta – und vielen anderen langen Stopps. Wir waren rund 35 Stunden unterwegs.

Reiseliteratur/ Karten (für mehr Infos einfach Bild anklicken)(Werbung)

Einreiseformalitäten

Visum gibt es direkt am Flughafen Jakarta. Dann in den Domestikterminal wechseln und Weiterflug nach Sentani antreten.

Gesundheit

Am Ende der Welt hat man am besten alles dabei was man bei einem Aufenthalt in den Tropen benötigt. Am besten einen Tropenmediziener kontaktieren!
Malariaprophylaxe ist zu empfehlen.
Wichtige Adressen: www.tropeninstitut.de  www.tropeninstitut.at  www.reisemed.at

Sicherheit

…schwierige Frage! Wir hatten, abgesehen von einigen Herren die uns sehr aufdringlich eine Tour verkauften wollten keine Probleme. Unbedingt, vor jeder Fahrt, Dienstleistung den Preis notieren. Denn plötzlich verlangt man nach der Tour gerne schon mal das 10fache vom mündlich vereinbarten. Ansonsten gilt wie überall: Augen aufhalten, nicht mit Geldbündeln wedeln usw. Wir haben auch ganz andere Sachen gehört, wo Reisende attackiert wurden. Aber bitte, was ist heute noch sicher?

Sprache

Englisch in den Städten, im Hochland in den Steinzeitdörfern werden für uns unverständliche Dialekte gesprochen.

Geld

Am Bankomat Geld abheben mit EC und Kreditkarte möglich.

1 Euro – 15 267 Ruphia (IDR) Stand Oktober 2015

 

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1 Kommentar zu „Expedition West Papua Teil I

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