Rückblick: Abenteuer Oman – Zwischen Tradition und Moderne Teil I

Oman_13Tour de Oman: Unsere spannende Radreise 2002/3 durch das Wüstensultanat von Sultan Quaboos –faszinierend, spannend, geheimnisvoll. Und mit Bewohnern, die die Herzen unserer Globetreter im Handumdrehen für sich gewinnen konnten.

Ein unvergesslicher Trip ins Land von Sindbad dem Seefahrer

Da dachten wir doch wirklich, es sei nicht so schwer, ein geeignetes kinderfreundliches Fern-Reiseziel zu finden, um dem europäischen Winter zu entfliehen – und wurden eines Besseren belehrt! Nördliche Hemisphäre zu kalt, Südafrika zu heiß, in Neuseeland und Australien waren wir das Jahr zuvor, Ferner Osten – Malariagebiet usw. Durch Zufall entdecken wir auf der Weltkarte den Oman, den Wüstenstaat auf der südöstlichen arabischen Halbinsel. So fremd, wie die meisten vielleicht denken, ist ihnen das Land nicht. Bestimmt hat jeder schon von Sindbad dem Seefahrer oder Weihrauch, dem flüssigen Gold der Antike, gehört. Darüber hinaus wurde das Visum von zwei auf vier Wochen verlängert – erstmalig, so viele Touristen werden wir bestimmt nicht begegnen.

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Nach umfangreicher Tourplanung und der Präparierung unserer Bikes für unsere große Reise verpacken wir alles Wichtige in Kisten. Es sind diese Momente im Leben, an denen man sich fragt, ob man denn nicht mal „ganz normal“ reisen könne. In Gedanken erwische ich mich dabei, wie es denn wohl wäre, mit leichtem Gepäck einen Hotelaufenthalt „all inclusive“ zu genießen. Jäh werde ich aus diesem Traum gerissen, als Töchterchen Laura (3) kurz vorm Einchecken energisch am Hosenbein zieht: „Papa, ich muss Pipi!“ Nach kleiner Verzögerung haben wir endlich das Gepäck abgegeben und unserem Flug steht nichts mehr im Wege. Nach fünf Stunden Flugzeit ein kurzer Zwischenstopp in Dubai, bis wir dann endlich unseren Zielort Muscat eOman-Klaus Herzmann21Oman-Klaus Herzmann23rreichen.

Ankunft in Muscat

Mit einem freundlichen „as-salam alaykum“ werden wir vom Zollbeamten am Flughafen begrüßt. Schnell und unbürokratisch erhalten wir unsere Monatsvisa und begeben uns mit großer Spannung direkt zum Gepäckband. Puh, alles angekommen! Schnell werden die Kisten in zwei Taxis verstaut und los geht die Fahrt in die Nachbarstadt Mutrah. In einem günstigen Hotel direkt an der „Corniche“ (Strandpromenade) finden wir den Ausgangspunkt unserer geplanten 1.100 Kilometer langen Fahrradtour. Im orientalischen Souq (Bazar) mit seinen vielen aromatischen Gerüchen, den kleinen voll gestopften Lädchen, die von sehr liebenswürdigen Menschen betrieben werden, fühlen wir uns sofort außerordentlich wohl. Von überall winkt man uns zu und gibt uns das Gefühl, willkommen zu sein. Nach dem Motto „Man ist was man isst“ lassen wir uns bei einem indischen Imbiss nieder. Hervorragende Currys und Nan (Fladenbrot) werden aufgetischt, im Blick das gewaltige Fort von Mutrah, das wie ein majestätisches Bollwerk aus der Portugiesenzeit hoch über der Stadt thront. Schon nach wenigen Stunden spüren wir, wie die Ruhe und Gelassenheit dieser Menschen auch von uns Besitz ergreift. Abdulla, ein älterer Herr, fragt mich, ob er mir die Stadt zeigen dürfe. Schnell ergreift er meine Hand, die er die nächste halbe Stunde nicht mehr loslässt. So schlendern wir Händchen haltend umher – nein, Berührungsängste sollte man im Orient wirklich nicht haben! Bei Tee und Gebäck plaudern wir in einem Gemisch aus Englisch und Arabisch, bevor es zurück zu Laura und Manuela geht.

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Früh am Morgen werden wir durch die kräftige Stimme des Muezzin geweckt, der vom Minarett die Gläubigen zum Gebet ruft. Genau der richtige Zeitpunkt, um den urigen Fischmarkt zu besuchen. – Was wäre der Oman ohne seinen Monarch Sultan Ouaboos bin Said? Nach einer unblutigen Revolution schickte er seinen Vater ins Exil und führte in nur 30 Jahren sein Land aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert. In England studiert, lebte und diente er sogar ein halbes Jahr unter britischem Kommando in der deutschen Rheinarmee. Im Regierungsviertel von Muscat hat jedermann die Möglichkeit, den Palast aus 1001 Nacht anzuschauen, wenn auch nur von außen.

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On the Road

Nach zwei Tagen brennen wir geradezu darauf, endlich unsere Bikes zu beladen. Über asphaltierte Straßen rollen wir zunächst durch bizarre Landschaften ins Landesinnere. Bei 25 Grad Tages- und 10 Grad Nachttemperatur sind wir froh, nicht mit dem deutschen Winter tauschen zu müssen. Die Tagesetappen zwischen 25 und 75 Kilometern teilen wir jeweils in drei Abschnitte.Oman_Titel_2NEUOman_Titel_1NEU Anfängliche Sorgen bezüglich des Wasservorrates sind schnell ausgeräumt, denn spätestens alle zwei Stunden haben wir die Möglichkeit, an einem Brunnen oder in einer Siedlung das kostbare Nass aufzufüllen. Entlang der Hauptroute stoßen wir immer wieder auf verlassene Lehmsiedlungen, in denen es sich prima campen lässt. Unter unseren gefüllten Wassersäcken, die wir an einem Baum aufhängen, können wir herrlich duschen.

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Fliegende Verpflegung

Am Dorfrand lassen wir uns unter einer schattenspendenden Palme nieder. Es dauert nicht lange, bis eine Gruppe Einheimischer voll bepackt neben uns steht. Eine große Bastmatte wird ausgebreitet, Tee, Kaffee, Gebäck und Datteln werden gereicht.

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Oman_2Als Erinnerung an die deutschen Biketouristen verschenken wir 1-Eurocent-Münzen, worauf spontan eines der Kinder Laura eine lebende Taube überreicht. Wir fragen, was damit zu tun wäre, worauf der Ältere uns zu verstehen gibt, man könne das Tier doch am Abend grillen. Mit einer durchlöcherten Kiste auf dem Gepäckträger fahren wir schließlich weiter ins 50 Kilometer entfernte Al-Hobe.

Oman-Klaus Herzmann15Oman-Klaus Herzmann16Am Fuße des Hajar-al-Gharbi-Gebirges soll heute unser Nachtlager sein. Beim Abendessen verzichten wir auf die so liebenswert angebotene Fleischeinlage, Laura macht es sichtlich Spaß, ihrem kleinen Wegbegleiter die Freiheit zu schenken. Nach einer geruhsamen Nacht im Zelt erreichen wir schon früh am Morgen die pulsierende Stadt Nizwa. Vom größten Fort des Landes sind wir ebenso sehr beeindruckt wie vom Viehmarkt, auf dem vom Kamel bis zur Ziege alles angeboten wird. wenn Ihr erfahren wollt wie es weiter geht, dann klickt am 16.11.2015 mal rein… Wer war denn von Euch schon im Omam? Nachdem der Artikel im RADtouren-Magazin publiziert wurde meldeten sich unzählige Reisenede die sich bei uns Infos besorgt haben…Und ein Schweizer Reiseunternehmen hat gleich zu 80% die Tour kopiert und als Reise verkauft – ohne ein Danke an den Autor!

Infoblock Omanreise Teil I

Anreise
Flugzeug: Direktflüge: ab Frankfurt und München mit Royal Jordanien, Oman Air und Lufthansa.
Mit Zwischenstopp Wien: ab Hamburg, Düsseldorf oder Köln-Bonn mit Austrian Airlines und Lufthansa.
Mit Zwischenstopp Dubai: ab Frankfurt mit Emirates Airlines.

Reiseliteratur/ Karten (für mehr Infos einfach Bild anklicken)

Die wichtigsten Fakten

Regierungsform: Absolute Monarchie (Staatsoberhaupt Sultan Quaboos)
Geographie: Südöstliche Arabische Halbinsel, Nachbarländer sind Jemen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien.
Einwohner: 2,5 Millionen
Sprache: Arabisch (auch Englisch, Hindi, Swahili)
Religion: Islam
Währung: Omanischer Rial (RO) / 1 Rial = 1.000 Baisa = 2,30 Euro (Stand Oktober 2015). Bargeld kann man in Städten an Automaten per EC-Karte oder Kreditkarte besorgen.
Visum: Direkt und unproblematisch am Flughafen in Muscat erhältlich. Bei Einreise 6 Monate gültig- 40 Euro Gebühr. (2002/3- gab es das erste mal ein 4 Wochenwvisum-Maximal).
Beste Reisezeit: Omanischer Winter, November bis Januar.

Die gesamte Route

Muscat/Flughafen Seeb – Nizwa ca. 140 km
Nizwa – Bahla ca. 40 km
Bahla – Al-Ayn ca. 90 km
Abzweig Jebel Shams – Wadi Ghul ca. 26 km
Wadi Guhl zum Top ca. 28 km
Nizwa – Ibra ca. 185 km
Ibra – Sur ca. 160 km
Sur – Ras-al-Hadd bzw. Ras-al-Jinz ca. 62 km
Sur – Muscat / Mutrah ca. 215 km

Gesamtstrecke: ca. 1.100 km (inkl. Kurzstrecken mit dem Auto)

Streckencharakteristik

Die Hauptrouten sind asphaltiert, Nebenstrecken hauptsächlich Pisten und Sandstraßen. Küstenstrecke Sur – Muscat zu 50 % geteert, teilweise steile Wadi-Durchquerungen. Aufstieg Jebel Shams ungeteert, sehr steil. Sehr gute Beschilderung, im Zweifelsfall helfen die freundlichen Omanis gerne weiter, was meist mit einer Einladung endet.

Ausrüstung

Mountainbike/Trekkingrad mit bergtauglicher Übersetzung (24 bis 27 Gänge), geländetaugliche Bereifung, Ersatzteile (Schläuche, Faltreifen, Speichen etc.), ausreichend Wasserflaschen bzw. Säcke (mind. 5 Liter). Fahrradläden für Notfälle sind vorhanden, entsprechen aber nicht im Entferntesten unserem Standard.

Wichtig

Respektiet die kulturellen und religiösen Besonderheiten des Gastlandes. Angemessene Kleidung ist in islamischen Ländern besonders wichtig und erleichtert Euch den Kontakt zur Bevölkerung. Prinzipiell sollten Männer und Frauen, auch beim Biken, eine leichte, lange Hose tragen (bei Frauen besonders wichtig). T-Shirts bzw. Fahrradtrikots mit kurzem Arm stellen dagegen kein Problem dar.

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