Expedition West Papua Teil II

 

West Papua Klaus Herzmann99Wer West Papua als Reiseziel wählt, hat sich für ein Land entschieden, das ganz anders ist als das, was man normalerweise kennt. Zum einen Ureinwohnen mit dem Drang nach Unabhängigkeit. Aber auch Landschaftsformen, die ein Impressionist nicht schöner zeichnen könnte. Ein Land der Gegensätze: Meistgehend touristisch unentdeckt, geheimnisvoll und spannend. Nach langem Flug sind wir in Sentani gelandet, haben die ersten bürokratischen Hürden genommen und freuen uns nun auf das Trekking im Hochland…

Die gebratenen Nudeln und der würzige Gemüsereis zum Frühstück sind wunderbar schmackhaft. Gegen 8.00 Uhr schultern wir unsere Rucksäcke, nehmen die Wutz und laufen zum Flugfhafengebäude. Das Gepäck läuft pro formhalber durch ein Röntgengerät, nur gecheckt wird gar nichts. Hauptsache man zeigt uns, dass am Ende der Welt auch langsam die Zivilisation Einzug hält. Ein Typ kommt in Schlabber-T-Shirt auf uns zu und verlangt Einsicht in den Pass. „Du siehst aber nicht aus wie ein Offizieller“, meint Hendrik und schwupp ist der Kerl auch schon wieder weg. Wir stellen uns brav an und warten mit den Tickets in der Hand darauf, dass es weiter geht.

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Einchecken mal ganz anders

Obwohl die Schlange aus Menschen sehr überschaubar ist, zieht sich die Abwicklung furchtbar in die Länge. Wie in Zeitlupe tritt ein Man am Nachbarschalter vor, greift beidhändig unter sein Sakko und zieht zwei Revolver aus dem Hosenbund. Fuchtelt damit herum. Relaxt nimmt die Dame  ganz selbstverständlich das „Sperrgepäck“ entgegen – so als wäre das gerade eben mal das normalste auf der Welt gewesen. Versteckte Kamera? Nein, das sind Geschichten, die das Leben schreibt. Stellt Euch jetzt einmal die gleiche Szene am Frankfurter Flughafen vor… Unser Messer und das Pfefferspray bleiben übrigens in der Hosentasche und gehen wenig später mit in die kleine Propellermaschine – wen interessiert das – niemanden!  Nach dem ersten Luftloch fliegt die Cockpittür auf. Die Flugbegleitung springt wie von der Tarantel gestochen auf und schließt wieder das Loch. An Bord gibt es jetzt ein Säftchen und ein leckeres Sandwich. Unter lautem Krachen fliegt erneut die Tür vom Cockpit auf. Aber niemand kümmert das mehr, die bleibt jetzt offen bis zum Landeanflug im Wamena.

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Die Luft ist frisch und klar als wir aus dem Flieger steigen. Wir verlassen das Gelände, heuern drei Rikschafahrer an, die uns in einem rasanten Tempo in die beschauliche Stadt befördern. Hier geht es zum Video West Papua Klaus Herzmann Video 2 Wir stehen noch an der Rezeption im Hotel, da spricht uns Ureipen an, ob wir den nicht einen Führer brauchen für Trekking im Hochland. Die Kommunikation scheint ausgezeichnet zu funktionieren, denn wie sich wenig später herausstellt, ist er der Bruder von Samuel aus Sentani. Die Verhandlungen allerdings erfordern ein Maximum an Nerven. Ständig vermittelt er uns, er bräuchte noch den einen oder anderen Mann im Begleitteam. Ebenso hantiert er mit Zahlen für die anstehende Dienstleistung, die völlig irrwitzig sind. Nach einigen Stunden hin und her haben wir und geeinigt. Gemeinsam suchen wir die Polizeistation auf, um uns für geplante Tour zu registrieren. Wie sich schnell zeigt, müssen wir das Ganze abändern, denn so sagt uns der Leitende Polizist „Some People making Trouble into the Mountain“. Besser gesagt, das Militär stampft einmal mehr das Aufbegehren der Ureinwohner nach Unabhängigkeit ein.

West Papua Klaus Herzmann154West Papua Klaus Herzmann156Wir planen um, entscheiden uns für den Wochentrip zu den Volksstämmen der Lani und Dani. Wieso organisiert? 1. Die Sprache, 2. Hat jeder der Begleiter im Hochland Familie in den Dörfern 3.) Keine offiziellen Wege 4.) Alleine als Weißer unterwegs könnte man schnell zu Freiwild werden. Um den Ausgangspunkt zu erreichen benötigen wir jetzt nur noch einen Geländewagen. Andy bietet sich an, ein junger freundlicher Mensch aus Jakarta, der wegen seinem Drogenproblem vom Vater nach Wamena „strafversetzt“ wurde.

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Die Fahrt geht vorbei an winzigen Dörfern, schlängelt sich in wilden Schleifen einen Pass hinauf. Die Löcher im Boden scheinen manchmal unüberwindbar. Andy ist ein wahrer Künstler im Umgang mit seinem 4×4. Zwei Stunden vergehen dann ist der Ausgangspunkt erreicht. Wir vereinbaren den Treffpunkt für die Woche darauf, verabschieden uns herzlich und starten durch. Kleine Dschungelpfade führen bergan, gurgelnde Flüsschen bahnen sich ihren Weg aus dem Unterholz. Die Geräusche der Zikaden ist Ohren betäubend laut und doch gleichfalls wunderbare Musik. Die Stimmung in der Gruppe ist ausgezeichnet.

West Papua Klaus Herzmann89West Papua Klaus Herzmann131Nach einigen Stunden erreichen wir ein Dorf, es gießt wie aus Eimern. Schutz finden wir in einer der Hütten. Wir trinken Tee, übergeben kleine Geschenke. Besonderen Anklang finden die Fotos von Zuhause und die von meiner Tochter Laura, die sofort an die Wand gepinnt wird.

West Papua Klaus Herzmann135West Papua Klaus Herzmann106Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen. Wir schultern die Rucksäcke und stapfen weiter unserem Tagesziel entgegen. Der Ort, an dem wir übernachten werden, zeigt sich als Idyll auf einer mächtigen Bergkuppe. Die Aussicht ins Tal ist aufregend. Und da es erneut angefangen hat zu regnen, nehmen wir gerne die Einladung an, in dem Eingangsbereich des „Ortsvorstehers“ zu nächtigen.

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Wir schlafen tief und fest, bis wir am Morgen durch lautes, hitziges Durcheinandergerede geweckt werden. Ein Blick aus der Tür zeigt einen mittelgroßen Menschenauflauf. Immer wieder laufen Männer hektisch und sichtbar erregt davon, um sich wenig später wieder der Gruppe anzuschließen. Fast alle halten eine lange Machete in den Händen. Manche gesenkt, manche in Kopfhöhe, gleich so als wollten sie ihr gegenüber niederstrecken. Beat, Hendrik und ich verhalten uns ganz ruhig und machen auch keine Fotos – man weiß ja nie. Dann wechselt plötzlich ein großes Schwein den Besitzer, die Gruppe teilt sich in zwei Lager auf wovon eine sofort unter Gemurmel das Dorf verlässt.

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Der Spruch des Tages…

Wir sind natürlich neugierig darauf, was der Aufstand eben zu bedeuten hatte. Verstanden haben wir nämlich gar nichts. Ureipen macht ein sehr ernstes Gesicht, schließt die Tür hinter uns und bittet darum, dass wir uns hinsetzten. Mit leisen Worten, so, als würde er uns ein Geheimnis anvertrauen wollen, formt er seine Lippen und sagt: „We have two big Problems in West Papua.“, wir sind schon gespannt, was jetzt kommt. Dann holt Ureipen tief Luft uns flüstert: „Woman and Pigs“. Wir sehen uns an und fangen an zu lachen. Die Tränen laufen uns die Backen herunter. Ureipen guckt ganz ungläubig drein und verlässt den ohne einen weiteren Kommentar den Raum. Tatsächlich war der Grund des Miniaufstandes einem sexuellen Übergriff auf dem Acker eines benachbarten Dorfes geschuldet. Der Übeltäter musste als Wiedergutmachung ein Schwein hergeben. Denn Schweine sind Statussymbole auf West Papua und der Frau in diesem Land wenigstens ebenbürdig. Um eine Erfahrung reicher beschließen wir noch einen weiteren Tag in diesem Dorf zu verbringen. Gegen Abend setzen wir uns mitten auf den Dorfplatz. Gegessen wird immer und überall. Geimeinsames Essen hingegen ist Kultur- und Völkerverständigend. Wir packen den Benzinkocher aus, mischen aus Mehl, Ei und Milchpulver von Travellunch und etwas Zuckersirup einen Pfannkuchenteig.

West Papua Klaus Herzmann95West Papua Klaus Herzmann96West Papua Klaus Herzmann94West Papua Klaus Herzmann133Die ersten Kinder kommen heran, dann folgen neugierig die Erwachsenen. Ist ein Pfannekuchen fertig, zerteilen wir diesen und geben ihn zum probieren den Kindern. Hier gehts zum Video West Papua_Klaus Herzmann 3Langsam trauen sich auch die Erwachsenen an das Essen. Nebenbei spielen die Männer auf ihren selbstgebastelten Gitarren – Völkerverständigung kann so einfach sein. Hier gehts zum nächsten Video West Papua-Klaus Herzmann4

Im Auftrag des Herren

Völlig egal, welche Dörfer wir sehen, überall entdecken wir Kinder mit Rotznasen, Vitaminmangel, glasigen Augen und einer Süßkartoffel in der Hand. Die Lebenserwartung auf West Papua ist nicht besonders hoch was angesichts der Lebensbedingungen in der Region nicht weiter verwunderlich ist. Geschlafen wird größtenteils in traditionellen Rundhütten mit Strohdach. Feuerstelle in der Mitte und keinem Rauchabzug. Ergo, die Menschen liegen ständig im Qualm und die Kinder haben schon im jungen Alter die Lunge eines Kettenrauchers. Soweit so schlecht. Und am Dorfrand steht dann die Kirche für bestimmt 200 Besucher. Unser Dorf hat mal eben 30 Einwohner und zwei Dörfer weiter das nächste Gotteshaus. Die Missionarshäuser zeigen sich in Holz, fein gebaut und man mag es kaum glauben mit Schornstein auf dem Dach. Ureipen erzählt uns, dass ein wahrer Wettstreit unter Reformierten und Katholiken ausgebrochen sei, wer den die meisten Schäfchen unter seinem Dach vereinen kann. Mir geht die Galle über: Wäre es denn nicht sinnvoll, wenn man schon dem Land seinen unnützen Glauben aufdrängt etwas gegen das Kindersterben zu unternehmen? Zeigen wie man sich vitaminreich ernährt, wie man einen Rauchabzug baut. Die Region ist unglaublich fruchtbar, was könnte man hier alles anbauen… Den Missionar haben wir natürlich nicht gesehen – er wäre zu beschäftigt sagte man uns.

Endlich ein Vollbad nehmen

Uns zieht es weiter. Die Landschaftsbilder zeigen sich in einer solchen Pracht, dass wir manchmal einfach nur dastehen und staunen welchen wunderbarer Flecken Erde wir doch durchwandern dürfen.

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Wir überqueren einen Fluss und nehmen im Anschluss erst einmal ein erfrischendes Vollbad.

West Papua Klaus Herzmann136West Papua Klaus Herzmann128 Der Pfad wird wieder steil und schmal. Manchmal haben kleine Bächlein den Weg weggerissen. Hinzu kommt, dass sich Ureipen immer mal wieder verläuft und ganz dezent von seinen Leuten darauf hingewiesen wird wo es denn jetzt langgeht.

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Trotz dem Landschaftsprofil haben wir das Gefühl flott unterwegs zu sein. In der Ferne, auf dem Pfad vernehmen wir eine kleine gebückte Gestalt, die uns folgt. Wir marschieren weiter in unseren Hightec-Wanderstiefeln, mit den Carbon Wanderstöcken und den Schweißabsorbierenden Klamotten. Aber die Gestalt kommt immer näher und näher. Und als wir sehen, dass es sich um eine kleine Frau handelt mit einem Sack voll Süßkartoffel auf dem Rücken, ein Baby vor der Brust und barfuss unterwegs wollen wir das gar nicht glauben. Wir legen noch einen Zacken zu, geben alles, doch nur wenig später geben wir uns geschlagen. Bleiben einfach stehen, grüßen und reihen uns hinten wieder ein. Was für eine Kondition – unglaublich.

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Auch in dem nächsten Dorf sorgen wir für einen Menschenauflauf. Wir bauen unser Zelt auf, spannen noch ein Parawing darüber und richten uns ein für die Nacht. Neugierig werden wir von Kindern umringt, die allesamt mithelfen möchten und sich interessiert an uns aber auch an der Ausrüstung zeigen.

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Die Stimmung ist wunderbar und ausgelassen. Beat läuft durch das Dorf und macht Fotos, zeigt diese direkt im Anschluss den Kindern, was ein freudiges Geschrei hervorruft. Hier gehts zum nächsten Video auf unserer Trekkingtour West Papua-Klaus Herzmann Video 5 Zum Abschied bringt man uns noch ein Ständchen, wir verabschieden uns von diesen herzlichen Menschen und ziehen weiter.

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Endspurt zurück nach Wamena

Die Tage vergehen wie im Flug. Die letzte Nacht campen wir bei Ureipen im Garten. Wieder einmal kommt es zum Menschenauflauf, als direkt neben unserem Zelt eine 4 Meter lange Giftschlange auftaucht – die noch am gleichen Abend in den Suppentopf wandert.

West Papua Klaus Herzmann144West Papua Klaus Herzmann143Am nächsten Tag nemen wir die letzten 6 Stunden Fussmarsch unter die Sohlen und erreichen glücklich den Treffpunkt, wo uns bereits unser Fahrer Andy erwartet. Zwei Stunden später sind wir wieder in Wamena. Wir organisieren ein kleines Fest mit unserem Guide & Team und sind froh darüber, dass alles so reibungslos gelaufen ist. Wir hängen noch einige Tage an, Hendrik möchte gerne zum Klettern. Das Gebiet hat so einiges zu bieten.

West Papua Klaus Herzmann125West Papua Klaus Herzmann112Wir nehmen ein öffentliches Verkehrsmittel und fahren aus der Stadt hinaus. Hier gehts zum nächsten VideoWest Papua-Klaus Herzmann 6 Unser Ziel: Wunderbares Bouldern, aber auch Felswände, wo bis dato bestimmt noch niemand Hand angelegt hat, wollen wir erkunden. Hier gehts zum letzten Video in diesem Beitrag West Papua-Klaus Herzmann 7

West Papua Klaus Herzmann113West Papua Klaus Herzmann161 Wenige Tage später fliegen wir zurück nach Sentani, wo wir nach kurzem Aufenthalt das nächste Ticket besorgen und in eine andere spannende Region von West Papua fliegen. Im dritten und letzten Teil unserer Tour (erscheint am 27.12.2015) heißt es: 3 Männer, eine Miniinsel & eine Fliegerbombe – oder die spannende Frage, verdammt, wie kommen wir an die Kokosnüsse ran.

Infoblock Expedition West Papua Teil II

Anreise: Flug mit Emirates über Jakarta – und vielen anderen langen Stopps. Wir waren rund 35 Stunden unterwegs.

Reiseliteratur/ Karten (für mehr Infos einfach Bild anklicken)(Werbung)

Einreiseformalitäten

Visum gibt es direkt am Flughafen Jakarta. Dann in den Domestikterminal wechseln und Weiterflug nach Sentani antreten.

Gesundheit

Am Ende der Welt hat man am besten alles dabei was man bei einem Aufenthalt in den Tropen benötigt. Am besten einen Tropenmediziener kontaktieren!
Malariaprophylaxe ist zu empfehlen.
Wichtige Adressen: www.tropeninstitut.de  www.tropeninstitut.at  www.reisemed.at

Sicherheit

…schwierige Frage! Wir hatten, abgesehen von einigen Herren die uns sehr aufdringlich eine Tour verkauften wollten keine Probleme. Unbedingt, vor jeder Fahrt, Dienstleistung den Preis notieren. Denn plötzlich verlangt man nach der Tour gerne schon mal das 10fache vom mündlich vereinbarten. Ansonsten gilt wie überall: Augen aufhalten, nicht mit Geldbündeln wedeln usw. Wir haben auch ganz andere Sachen gehört, wo Reisende attackiert wurden. Aber bitte, was ist heute noch sicher?

Sprache

Englisch in den Städten, im Hochland in den Steinzeitdörfern werden für uns unverständliche Dialekte gesprochen.

Geld

Am Bankomat Geld abheben mit EC und Kreditkarte möglich.

1 Euro – 15 267 Ruphia (IDR) Stand Oktober 2015

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