Rückblick: Abenteuer Oman – Zwischen Tradition und Moderne Teil II

Oman_V15Schön, Euch auch auf dem zweiten spannenden Abschnitt unserer Radreise durch den Oman begrüßen zu können. Ein grandioses Land, mit vielen warmherzigen Menschen und einer Gastfreundschaft, die Ihresgleichen sucht. Der Oman, das Land von Sindbad dem Seefahrer, dem Weihrauch und den alten Wasserschildkröten…

 

 

Glücklich im Sattel – oder die spannende Frage wo schlafen wir heute Nacht.

Müde, aber glücklich erreichen wir gegen Abend Bahla. Unter vielen erstaunten Blicken einer großen Menschentraube, die unsere Fahrräder begutachtet, kaufen wir etwas zu essen. In perfektem Englisch fragt uns ein Herr, wo wir diese Nacht schlafen würden. „Im Zelt“, antworten wir, was bei Salim nur ein ungläubiges Kopfschütteln auslöst. Er besteht darauf, uns als Gäste beherbergen zu dürfen. Aus einer Nacht werden sogar zwei: Bei interessanten Gesprächen lernen wir viel über die faszinierende Kultur kennen. Am meisten beeindruckt Manuela und mich, wie die Kinder miteinander umgehen.

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Nicht die kleinste Spur einer kulturellen oder sprachlichen Barriere ist zu spüren, ausgelassen toben die vier im ganzen Haus umher. Der darauf folgende Tag beginnt mit einer Besichtigung des Wohnschlosses von Jabrin, alter Töpfereien, der Stadtmauer und endet schließlich bei einem leckeren Essen bei Salims Bruder. Die 90 Kilometer von Bahla in nordwestlicher Richtung nach Al Ayn legen wir im Auto unseres Gastgebers zurück. Auf einem Bergkamm aufgereiht stehen 21 sogenannte Bienenkorbgräber, in der einst die Verstorbenen beigesetzt wurden – 5.000 Jahre alt, durch die UNESCO geschützt, beeindruckendes Zeugnis einer vergangenen Epoche.

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Oman_5Im Hintergrund das gewaltige Gipfelmassiv des Jebel Misht – eine grandiose Kulisse! Der Abschied von Salim und seiner Familie fällt uns schwer, denn in dieser kurzen Zeit haben wir viele unvergessliche Momente erlebt.

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Der „Grand Canyon Omans“

Vorbei an der mächtigen Sultan-Quaboos-Moschee zweigen wir ab in Richtung Al-Hamra: eine schöne Nebenstraße, die sich malerisch durch das Wadi Guhl windet. Wir erreichen das verschlafene Dorf Guhl am Fuße des Jebel Shams, wo wir unser Zelt aufbauen. Um früh am Morgen den Aufstieg zu erleichtern, deponieren wir unser gesamtes Gepäck im Dorfladen und steigen die 28 Kilometer lange Schotterpiste hinauf zum höchsten Berg des Landes. Trotz größter Anstrengungen werden wir immer wieder durch atemberaubende Fernsichten belohnt. In einem Jahr wird diese Straße bestimmt geteert sein, die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Als wir auf dem Plateau ankommen, sind alle Strapazen wie weggewischt, denn es eröffnet sich uns ein überwältigender Blick in den „Grand Canyon Omans“, der seinen Namen völlig zu Recht trägt. Zurück im Tal verweilen wir noch einen Tag, bevor wir über Nizwa weiter Richtung Ibra radeln.

Oman-Klaus Herzmann18Oman_8Diese tolle Wüstenstrecke lädt immer wieder zu Abstechern ein, um eine Nacht in herrlicher Dünenlandschaft zu campieren. Das hier vorherrschende Gefühl der Ruhe und grenzenlosen Freiheit ist nur schwer in Worte zu fassen. Die Idylle wird nur durch die Geräusche unseres Benzinkochers ein wenig gestört. Kurz vor der Stadt Ibra vernehmen wir ein deutliches „Ping“ am Hinterrad – Speichenbruch! Aber dank mitgeführter Drahtspeichen ist es sogar für einen ungeübten Schrauber wie mich kein Problem, das Problem zumindest provisorisch zu beheben.

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Der indische Bikeladen

In Ibra suchen wir als Erstes einen Fahrradladen auf (derweil Manuela und Laura den Frauenmarkt unsicher machen). Nach kurzer Schilderung des Problems erfüllt sich der Raum binnen Sekunden mit einer nicht mehr zu überblickenden Menschenmenge. Mit einer herzerfrischenden Leichtigkeit wird mir das Hinterrad entrissen, flinke Hände zerlegen in Windeseile die Nabe. Lagerkugeln spritzten munter umher und verstecken sich unter Bergen von altem, undefinierbarem Fahrradschrott. Mittlerweile muss meine Gesichtsfarbe gänzlich entwichen sein, denn pausenlos bekomme ich ein „No problem, Mister!“ zu hören. Minuten später schaffe ich es dann doch, mich durchzusetzen, die Ritzelkassette wird abgenommen und die Notspeiche durch eine andere ersetzt.

24 Oman Klaus HerzmannOman-Klaus Herzmann22War das Auseinanderbauen schnell erledigt, so stellt das Zusammenbauen die Herren vor ein schier unlösbares Problem. Nach endlosen Versuchen schaffen sie es aber schließlich doch – abgesehen davon, dass eine Lagerkugel übrig bleibt. Irgendwie müde und demoralisiert verlasse ich diesen „grausamen“ Ort, mit dem festen Vorsatz, mich künftig mehr mit Fahrradtechnik auseinander zu setzen. Ein Omani, der das Treiben beobachtet hat, lässt mich in sein Auto einsteigen und wir fahren zu seinem Mopedgeschäft. Und siehe da: In kürzester Zeit ist das Hinterrad in Ordnung, die Lagerkügelchen sind wieder komplett und auch andere Fehler behoben.

Wunderbare Wasserschildkröten

Schon zu Hause hatten wir Laura versprochen, die Wasserschildkröten zu besuchen. Drei Tage nach der letztlich geglückten Fahrradreparatur kommen wir nach Sur, der Küstenstadt, in der einst Sindbad mit seiner Dhau ankerte. Geblieben sind viele dieser alten Boote, die dieser Gegend den besonderen Reiz verleihen. Wie über den Rücken eines Kameles geht es auf und ab bis zum Naturreservat Ras al-Jinz. Es bleibt ein unvergessliches Erlebnis, diese vom Aussterben bedrohte Spezies bei der Eiablage zu bewundern! Wir beobachten kleine Wasserschildkröten, wie sie mit ihrem Kopf durch den Sand stoßen und ins Meer eilen.

Oman_14Oman - Klaus Herzmann341Das Ende unserer Reise rückt nun leider unaufhaltsam näher. Die letzten 215 Kilometer Küstenstrecke liegen vor uns. Rechts im Blick das türkisfarbene Meer und links die Berge des östlichen Hajar-Massivs. Nach anfänglichen steilen Passagen und Wadi-Durchquerungen (ausgetrockneten Flussbetten) vorbei an Wadi Tiwi, einer schönen Oase, die zum Sprung ins kalte Nass einlädt, sowie traumhaften weißen Stränden erreichen wir drei Tage später Quriat.

Oman_11Oman-Klaus Herzmann234Am Strand von Yiti sollen wir unsere letzte Nacht im Zelt verbringen, bevor wir zum Ausgangs- und Zielort Mutrah zurückkehren – in der Gewissheit, dieses tolle Land gerne wieder zu besuchen!

Bilanz unserer Omanreise

Durch die Omanis erhielt das Wort „Freundlichkeit“ für uns persönlich eine ganz neue, positive Dimension. In Wirklichkeit haben wir uns so sicher gefühlt wie in keinem zuvor bereisten Land. Was gibt es Schöneres, als sein Kind mitten in der Natur und im Einklang mit fremden Kulturen heranwachsen zu sehen? Uns fällt dabei wieder ein Spruch eines alten Australiers ein, der auch hier seine Gültigkeit findet: „If you never, never go, you never, never know.“
Wie waren Eure Erfahrungen im Oman? Freue mich auf Eure Kommentare…

Infoblock Omanreise Teil II

Anreise
Flugzeug: Direktflüge: ab Frankfurt und München mit Royal Jordanien, Oman Air und Lufthansa.
Mit Zwischenstopp Wien: ab Hamburg, Düsseldorf oder Köln-Bonn mit Austrian Airlines und Lufthansa.
Mit Zwischenstopp Dubai: ab Frankfurt mit Emirates Airlines.

Reiseliteratur/ Karten (für mehr Infos einfach Bild anklicken)(Werbung)

Die wichtigsten Fakten

Regierungsform: Absolute Monarchie (Staatsoberhaupt Sultan Quaboos)
Geographie: Südöstliche Arabische Halbinsel, Nachbarländer sind Jemen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien.
Einwohner: 2,5 Millionen
Sprache: Arabisch (auch Englisch, Hindi, Swahili)
Religion: Islam
Währung: Omanischer Rial (RO) / 1 Rial = 1.000 Baisa = 2,30 Euro (Stand November 2015). Bargeld kann man in Städten an Automaten per EC-Karte oder Kreditkarte besorgen.
Visum: Direkt und unproblematisch am Flughafen in Muscat erhältlich. Bei Einreise 6 Monate gültig- 40 Euro Gebühr. (2002/3- gab es das erste mal ein 4 Wochenwvisum-Maximal).
Beste Reisezeit: Omanischer Winter, November bis Januar.

Die gesamte Route

Muscat/Flughafen Seeb – Nizwa ca. 140 km
Nizwa – Bahla ca. 40 km
Bahla – Al-Ayn ca. 90 km
Abzweig Jebel Shams – Wadi Ghul ca. 26 km
Wadi Guhl zum Top ca. 28 km
Nizwa – Ibra ca. 185 km
Ibra – Sur ca. 160 km
Sur – Ras-al-Hadd bzw. Ras-al-Jinz ca. 62 km
Sur – Muscat / Mutrah ca. 215 km

Gesamtstrecke: ca. 1.100 km (inkl. Kurzstrecken mit dem Auto)

Streckencharakteristik

Die Hauptrouten sind asphaltiert, Nebenstrecken hauptsächlich Pisten und Sandstraßen. Küstenstrecke Sur – Muscat zu 50 % geteert, teilweise steile Wadi-Durchquerungen. Aufstieg Jebel Shams ungeteert, sehr steil. Sehr gute Beschilderung, im Zweifelsfall helfen die freundlichen Omanis gerne weiter, was meist mit einer Einladung endet.

Ausrüstung

Mountainbike/Trekkingrad mit bergtauglicher Übersetzung (24 bis 27 Gänge), geländetaugliche Bereifung, Ersatzteile (Schläuche, Faltreifen, Speichen etc.), ausreichend Wasserflaschen bzw. Säcke (mind. 5 Liter). Fahrradläden für Notfälle sind vorhanden, entsprechen aber nicht im Entferntesten unserem Standard.

Wichtig

Respektiet die kulturellen und religiösen Besonderheiten des Gastlandes. Angemessene Kleidung ist in islamischen Ländern besonders wichtig und erleichtert Euch den Kontakt zur Bevölkerung. Prinzipiell sollten Männer und Frauen, auch beim Biken, eine leichte, lange Hose tragen (bei Frauen besonders wichtig). T-Shirts bzw. Fahrradtrikots mit kurzem Arm stellen dagegen kein Problem dar.

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