Radrunde Allgäu Teil II

Allgäu Fotos Klaus Herzmann7Gäbe es eine Radtour „Europa in acht Tagen“, ein Teil der Radrunde Allgäu gehörte dazu. Hier blickt man vom Sattel auf Bayern, wie es die Welt sieht: schnee- bedeckte Alpengipfel im Hintergrund, glitzernde Seen – und natürlich Schloß Neuschwanstein. Wir waren auf dem süd-östlichen Abschnitt der frisch gekürten ADFC-Vier-Sterne-Route unterwegs.

 

 

Allgäuer Schmankerl

Verheißungsvoll kündigt die Allgäubroschüre die nächste Etappe als “Erlebniswelt Panoramaloge” an. Damit assoziieren wir gleichermaßen steile Anstiege aber auch grandiose, ungetrübte Weitsichten. Um die zu erleben radeln wir bei Sonnenschein auf wunderbar ausgebauten Wirtschafts- und Radwegen von Vorderburg, Petersthal nach Oy-Mittelberg. Wem es dort nach Stärkung verlangt, dem sei das traditionelle Gasthaus Rose mit Biergarten empfohlen. Von dort lohnt der Abstecher in die Gemeinde Maria Rain.

Allgäu Fotos Klaus Herzmann2Allgäu Fotos Klaus Herzmann3Hat man erst den Hügel erklommen, breitet sich eine unglaubliche Bergkulisse aus. Alles wird dominiert vom höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze, die mit majestätischen 2962 Metern das Wettersteingebirge beherrscht. Saust man hinab in den Ort, könnte man beinahe den profanen, weißgetünchten Kirchenbau links liegen lassen. Dann würde man allerdings die älteste Wallfahrtskirche im Allgäu von 1497 verpassen, die im Inneren mit hochrangigen Kunstwerken aus mehreren Stilepochen aufwartet.

Allgäu Fotos Klaus Herzmann0Allgäu Fotos Klaus Herzmann5Zurück auf der Hauptroute umfahren wir im Halbkreis den glitzernden Grüntensee, in dem sich die Berge wieder spiegeln. Wo die Wertach aus den Bergen ins Voralpenland fließt liegt der Luftkurort gleichen Namens. Der schmückt sich mit der Sebastiankapelle, die zweifellos mit der berühmten Wieskirch bei Steingarden mithalten kann. Ansonsten, so erweckt es den Anschein, dreht sich alles um den Käse – was die vielen Sennereinen nur bestätigen. Robert Maul ist der Chef vom s,Molkefässle. Ein quirliger, freundlicher Mittvierziger, dem die Leidenschaft für seine Naturprodukte im Gesicht geschrieben steht.

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Wenn er von der Herstellung seiner riesigen Käselaibe spricht, klingt seine Stimme weich, als wäre er frisch verliebt und streichelt dabei einen hundertpfündigen Allgäuer Emmentaler. „Zuerst wandern 1000 Liter ungerahmte Milch in einen mächtigen Kessel”, erzählt er uns, „unter Zusatz von Lab wird die Milch eingedickt und mit der Käseharfe zu körnigem Brei verrührt. Mit Dampf erwärmt man die Käsemasse bevor diese mit dem Kesseltuch aus dem Behältnis gehievt und im Holzkasten gepresst wird. Anschließend kommt sie in die Käseform und das Wasser wird herausgelassen. Im Garkeller reift der Emmentaler gut 10 Wochen lang und wird alle 2 Tage abgewaschen. Weitere vier Wochen muss er lagern bis nach gesamt drei Monaten der Allgäuer Emmentaler fertig ist”, berichtet er weiter.

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Wen wundert es da, dass einer, der „von der Kueh glei de Käs melke möcht” als Inbegriff eines Faulenzers gilt. Immer anspruchvoller zeigt sich dem Radfahrer das Landschaftsprofil. Wobei der weitere Verlauf gleichsam zur Grenzerfahrung mit dem österreichischen Nachbarn wird. Wir stapfen von einer Steigung zur nächsten, passieren Unterjoch und radeln auf Tannheim in Tirol zu – übrigens der höchste Punkt der gesamten Route. Zwar ist die heutige Etappe die anspruchvollste, aber in Punkto Panoramen kaum zu überbieten. Der Ort selbst verschreibt sich ganz dem Tourismus. Eine Radgruppe auf E-Bikes saust an uns vorüber. Wanderer mit Gepäck auf dem Rücken steigen in die Gondelbahn, die Luft ist frisch und rein.

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Und am Abend, nach erlebnisreichen Stunden im Sattel, gesellen wir uns unter Schifferklavierklängen ins Festzelt der Ochsenbraterei…

Da lässt sich’s gut leben…

Das Gipfelkreuz des 2173 Meter hohen Gimpel liegt noch im Frühnebel als wir aus dem Ort zirkeln. Zuerst rollen wir noch gemütlich dahin. Ein letzter kurzer steiler Anstieg folgt, dann lassen wir die Beine baumeln und der Wind pfeift uns bei der langen Abfahrt um die Nase. Erneut überqueren wir die Landesgrenze und halten auf Pfronten zu. Heute ist die sympathische Kleinstadt Sitz zahlreicher feinmechanischer Betriebe. Das Zentrum sollte man sich Ansehen und den Weg zur Pfarrkirche St. Nikolaus nicht scheuen, deren Barockfresken des Pfrontener Malers Josef Anton Keller zu den schönsten der Region gehören. Wieder auf dem Rad nähern wir uns gespannt dem größten Tourismusmagnet im Allgäu – Füssen.

Allgäu Fotos Klaus Herzmann14Allgäu Fotos Klaus Herzmann25Allgäu Fotos Klaus Herzmann31Ortschaften wie Eisenberg liegen aber noch dazwischen oder Hopfen am See, die beide den Weg zur östlichen Eingangspforte ins Allgäu weisen. Wild und ungestüm rauscht der Lech durch Österreich, bevor er in Füssen den Freistaat Bayern erreicht. Ein mächtiger Staudamm bei Roßhaupten staut ihn zum 12 Kilometer langen und drei Kilometer breiten Forggensee, auf dem die Ausflugsboote pendeln. Hier schmiegt sich die schöne Altstadt an, mit sehenswerten Kirchen und gepflasterten Gassen. Die werden nur vom wuchtigen Hohen Schloss überragt, das schon im 15. Jh. als Sommerresidenz der Augsburger Bischöfe diente.

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Der schönste Raum ist der Rittersaal mit seiner herrlichen geschnitzten Kassettendecke. Etwas unterhalb von diesem Bollwerk findet das ehemalige Benediktinerkloster St. Mang seinen Bestimmungsort. Alles wird umarmt von einer eindrucksvollen Bergkulisse. Dem nicht genug. Denn was wäre hier ein Aufenthalt ohne einen Abstecher zu den nahe gelegenen Königsschlösser in Schwangau? Zweifellos stehen die auf der “Top Ten-Liste” der weltweit herausragenden Sehenswürdigkeiten – was die unzähligen Reisebusse und das internationale Gewimmel unterstreicht. Es war im Jahre 1867 als König Ludwig II. von Bayern auf Reisen ging. Er hatte Versailles gesehen und die Wartburg in Thüringen. Und von beiden war der schwärmerische König so begeistert, dass er sie auch haben wollte. Sein Versailles sollte das Schloss Herrenchiemsee werden. Seine Wartburg aber wurde das Schloss Neuschwanstein in Füssen. Damit schuf er ein Juwel, das in der Welt zum Symbol der deutschen Romantik wurde. Die Arbeiten daran begannen 1868 hoch über der Pöllat-Schlucht. Neu-Hohenschwangau – wie sie damals hieß.

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Der Name Neuschwanstein kam erst im Jahre 1890 auf. Das hat freilich König Ludwig II. nicht mehr erlebt. Er ertrank – 1886 nach seiner Absetzung – im Starnberger See. Unser Tipp: Eine Führung durch die zugänglichen Räumlichkeiten mit dem im byzantinischen Stil gehaltenen Thron- und Sängersaal mit Wandbildern aus der Parzivalsage. Zum anderen der spektakuläre Blick von der Marienbrücke auf den Prunkbau…

Zurück auf Start

Die letzte Etappe unserer erlebnisreichen Tour durch die Landschaften des Allgäu führt uns zunächst entlang dem Ufer des Forggensee über Dietringen bis nach Marktoberdorf. Hier punktet der Barockbau der Stadtpfarrkirche St. Martin mit Grabkapelle. Die wurzelt an herausgehobener Stelle über der Stadt und ist mit ihrem haubenbekrönten Turm schon weithin sichtbar. In welligem Terrain pedalieren wir von einem Dorf zum nächsten. Dabei wären Unterthingau und Wildpoldsried zu erwähnen bevor wir uns dem Ziel in Kempten nähern. Wie auch bis dahin erfahren, ist selbst die bekannte Metropole Kempten in ihrer Dimension nicht ausgeufert.

Allgäu Fotos Klaus Herzmann32Allgäu Fotos Klaus Herzmann22“Mittelpunkt des Allgäu’s”, wie sie sich auch gerne bezeichnet, ist eine ehemalige Stiftsstadt und bietet mit Residenz samt Hofgarten, Kirche und Rathaus eine Fülle beachtenswerter Baudenkmäler. Cambodunum nannten die Römer ihre Siedlung, die sie ab 15 n. Chr. am Ufer der Iller zu einem bedeutenden Handelsplatz ausbauten. Im 17. Jh. entstand der erste große Kirchenbau Deutschlands. Die Stiftskirche St. Lorenz, sie gehört wegen ihrer wertvollen Ausstattung zusammen mit vielen mittelalterlichen Gebäuden zu den Kleinodien der Stadt. Zum Ausklang der Radreise haben wir die geheimnisvolle Unterwelt der ehemaligen Erasmuskapelle gewählt, die ein authentisches Zeugnis der wechselvollen Geschichte der Stadt beschreibt. Das Fazit unserer Allgäuradreise: Wer die Natur liebt, den ein oder anderen Anstieg nicht scheut und Lust auf kulturelle Leckerbissen verspürt – der liegt mit dem Allgäu goldrichtig…

Infopaket Radrunde Allgäu Teil II

Anreise

Bahn: Die Stadt Kempten hat eine günstige Verkehrslage und ist aus allen Richtungen gut erreichbar. Von München aus 1,5 Std. + 1-2 umsteigen, Berlin 8 Std. + 2x umsteigen, Frankfurt 4 Std. + 2 mal umsteigen. Infos: Kostenlose automatische Fahrplanauskünfte unter (0800) 1507090.

Pkw: Da es sich bei dem beschriebenen Radweg um einen Rundkurs handelt, ist die Anreise mit dem eigenen PKW eine gute Option. Martinszell/Kempten erreicht man problemlos über die A7. Kostenfreies Dauerparken: Allgäuhalle/Rottachstrasse/ Illerdamm in Kempten oder auf dem Parkplatz vom Landhotel Adler in Martinszell.

Literatur/ Karten (für mehr Infos einfach auf das Bild klicken)(Werbung)

Route Teil I und II

1 Martinszell – Rettenberg/Kranzegg
Martinszell – Seifen – Immenstadt – Ofterschwang – Obermeiselstein – Fischen
– Sonthofen – Burgberg – Rettenberg/Kranzegg ca. 65 km

2 Rettenberg/Kranzegg – Tannheim/Tirol (A)
Rettenberg/Kranzegg – Vorderburg – Oy-Mittelberg – Maria Rain (Abstecher 3,5 km einfach) – Wertach – Unterjoch – Tannheim/Tirol (A) ca. 50 km mit Abstecher 57 km

3 Tannheim/Tirol (A) – Füssen
Tannheim Tirol (A) – Innergschwend – Pfronten – Eisenberg – Hopferau – Hopfen am See – Füssen – Schloss Neuschwanstein über Hohenschwangau (Abstecher 6 km einfach) ca. 50 km mit Abstecher 62 km

4 Füssen – Kempten
Füssen – Dietringen – Roßhaupten – Marktoberdorf – Unterthingau – Wildpoldsried – Kempten ca. 70 km

Gesamtstrecke: ca. 235 km

254 km inkl. Abstecher

Streckencharakter/Beschilderung/E-Bikes

Der Radweg ist durchgehend und mit einheitlicher Wegweisung ausgestattet. Die Routenführung verläuft größtenteils auf verkehrsarmen Nebenstraßen und Radwegen. Steigungsintensiv wird die Route zwischen Rettenberg/Kranzegg nach Tannheim/Tirol, wobei Österreichisches Staatsgebiet durchradelt wird. Tipp: Verleihservice von E-Bikes durch Allgäu Naturs in Kempten mit Aufladestationen auf der gesamten Strecke (Movelo), Tel.: (0831) 5232720.

Unterkunft

Martinszell: Landhotel Adler, Tel.: (08379) 920700, www.adler-martinszell.de
Rettenberg/Kranzegg: Haus Sonnegg, Tel.: (08327) 7430, www.bayernberge.de
Tannheim Tirol (A): Tel.: +43 (5675) 6205, www.hotel-goldenes-kreuz.at
Füssen: Luitpoldpark-Hotel, Tel.: (08362) 904-0, www.luitpoldpark-hotel.de
Kempten: Hotel Bayerischer Hof, Tel.: (0831) 571-80, www.bayerischerhof-kempten.de

Sehenswertes

Immenstadt: Marienplatz mit ehemaligem Stadtschloss, Rathaus, Gräfliches Amtshaus, Bräuhausplatz, Hofmühle
Obermaiselstein: Sturmannshöhle
Fischen: 500 Jahre alte Obermühlsäge, Pfarrkirche St. Verena, Skimuseum Sonthofen: Museum der Schirme, Alte Schule, Pfarrkirche St. Michael, Rathaus und Landwehrplatz, Heimathaus
Burgberg: Starzlachklamm, Erzgruben Erlebniswelten
Rettenberg/Kranzegg: Zötler Brauerei (älteste Familienbrauerei der Welt)
Oy-Mittelberg: Zugspitzpanorama, Pestfriedhof
Maria Rain: älteste Allgäuer Wallfahrtskirche
Wertach: Bergsennerei, s’Molkefässle, Gebirgskellerei, Brunnenmacher, Alte Hammerschmiede
Tannheim Tirol (A): Heimatmuseum, Lourdeskapelle, Stadtkern mit alten Bauernhäusern
Pfronten: Mühlen- und Heumuseum, Hammerschmiede
Füssen/Hohenschwangau: Altstadt, Stadtschloss, Basilika St. Mang, Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau, Haus der bayerischen Könige, Baumwipfelpfad, Schifffahrt auf dem Forgensee u.v.m.
Marktoberdorf: Marktplatz, Stadtpfarrkirche St. Martin, Ehem. Schloss
Kempten: Schauraum Erasmuskapelle, St.- Lorenz-Basilika, Altstadt mit historischem Rathaus, Orangerie, Kornhaus, Burghalde, Prunkräume der Residenz u.v.m.

Weitere Infos

Allgäu GmbH, Tel.: (0800) 257 36 78 – kostenfreie Hotline, www.radrunde-allgaeu.de; www.allgaeu.info; www.fuessen.de

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