Rückblick: Abenteuer Namibia Teil II

Namibia-Klaus Herzmann0Wir sind wieder unterwegs – diesmal nach Afrika. Der einzige Kontinent auf unserem blauen Planeten, den Tochter Laura Antonia mit ihren 6 Jahren noch nicht bereist hat. Der Reiz nach neuen Abenteuern und fremden Kulturen treibt uns voran – wir können nicht anders. „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum“, ist unsere wichtigste Maxime…

 

 

Unser Leben mit den Himbas, den letzten Nomaden Namibias

Zurück in Outjo füllen wir unsere Vorräte auf. Reichlich Mehl, Reis, Nudeln, Tabak, Kerzen, Wasser und Zündhölzer. Dinge, die wir in den nächsten Tagen als Geschenke im Kaokeveld gut gebrauchen können. Eine freundliche Hererodame in ihrer viktorianischen Tracht spricht uns an, zeigt sich interessiert, küsst Laura und verschwindet hinter der nächsten Häuserecke. Auf der Weiterfahrt eröffnen sich nun gigantische Landschaften mit meterhohem Wolfram (eine Kakteenart). Kleine Welwetschias, die zu der ältesten Grünpflanze unseres Planeten zählen, wachsen im versteinerten Wald zwischen teilweise vollständig erhaltenen Stämmen. Die Orgelpfeifen, bis zu 5 Meter hohe über 100 Mio. Jahre alte Basalt-Säulen, die im Laufe der Jahre durch den Wind und die festen Bestandteile, die er mit sich führt, glatt poliert wurden.Namibia-Klaus Herzmann39Namibia-Klaus Herzmann73

 

 

 

 

 

Oder die Felszeichnungen bei Twefelfontain  – zweifelhafte Quelle nannte der Farmer sein Land, denn die Quelle sprudelte nur unregelmäßig. All dies sind mehr als beeindruckende Wegmarken auf der Fahrt ins Kaokeveld zu den letzten Nomaden Namibias – den Himbas.Es überragen Gesteinsformationen die sanften Hügel der Vorgebirgskette. Die letzte Tankstelle vor Eintritt in das abgeschirmte Landesteil gibt uns die Möglichkeit, den Tank und die Reservekanister nochmals zu befüllen. Wir durchqueren ausgetrocknete Flussbette. Man hatte uns vorgewarnt, vor den extrem scharfen Steinen dieser Gegend. Drei Plattfüsse auf 200 Kilometern Wieder einmal einen Defekt am beheben – das letzte Reserverad kommt zum Einsatz – tauchen plötzlich zwei Männer aus dem Nichts auf. Keine Ahnung woher sie kommen.Namibia-Klaus Herzmann77Namibia-Klaus Herzmann78 Freundlich bieten sie ihre Hilfe an.

 

 

 

 

Hermann gibt uns zu verstehen, dass er nur wenige hundert Meter entfernt eine „Werkstatt“ hat. Die Garage entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine baufällige Lehmbude ohne Elektrizität. Keine Hebebühne, keine Montagemaschine, nichts aber auch gar nichts, was nur im Entferntesten an eine Garage im europäischen Sinn erinnert. Dafür eine große Familie, viele viele neugierige Freunde mit noch viel größerem Herzen. Trotz allem, wir kommen uns im ersten Moment furchtbar unbehütet vor. Plötzlich verschwindet Hermann in seiner Werkstatt und kommt mit drei langen Montiereisen wieder heraus. Ein elender Kampf zwischen den Reifen und den „Mechanikern“ entbrennt. Stunden später haben die Pneus das Nachsehen. Während dieser Zeit stellt sich heraus, dass er die Sprache der Himbas beherrscht und uns als Dolmetscher in ein ihm bekanntes Dorf begleiten kann.

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Wie oft auf all unseren Reisen wurden uns solche Geduldsproben auferlegt? Im ersten Moment unverständlich, abstrakt und schwierig einzuordnen entspringt einer solchen Situation meist etwas höchst Positives. Wir folgen nun seinem klapprigen Jeep durch ein enges Tal, das sich nach wenigen Kilometern wieder öffnet. Angekommen. Geschützt hinter einer Barriere aus Ästen und Dornengestrüpp liegen kleine gedungene kegelförmige Lehmhütten. Hier leben die Himbas in ihrem Kraal wie vor Urzeiten mit ihren Ziegen und Rindern. Man wird sofort auf uns aufmerksam. Das jahrtausendealte Spiel beginnt. Zunächst bedeutet alles Fremde Gefahr, man „beschnüffelt“ sich vorsichtig…dann erste Annährung und der Austausch kleiner Geschenke als Türöffner, das Verhalten haben wir in den Genen und können wir auch nicht vergessen, weltweit werden so Brücken gebaut… Himba-Kinder nehmen gefühlvoll mit unserem kleinen Weißling Kontakt auf.Namibia-Klaus Herzmann3Namibia-Klaus Herzmann83 Die Frauen zupfen neugierig an meinen behaarten Armen. Hermann dolmetscht unseren Wunsch, für mehrere Tage bei und mit ihnen zu leben. Direkt zwischen den Hütten errichten wir unser Zelt, unser Begleiter hat uns mittlerweile wieder verlassen. Ab jetzt beschränkt sich die Kommunikation ausschließlich auf Gesten und Gebärden. Das auffälligste Merkmal der Himbas ist ihre Kleidung und der Kopfschmuck. Das Schönheitsideal imitiert die heiligen Tiere der Himba – die Rinder. So symbolisieren die nach vorne geflochtenen Zöpfe der Mädchen Rinderhörner, ebenso wie später die zwei abstehenden Zipfel der Fellhaube einer verheirateten Frau. Ihre Kleidung besteht aus Leder und Fell. Die glänzende Haut erhalten sie durch Einreiben von einer Paste aus Rotholzpulver und Butter. (Hier gehts zum Video Namibia-Klaus Herzmann). Laura fragt nach kurzer Zeit, ob sie denn nicht auch wie die anderen Kinder etwas luftiger bekleidet sein darf. Dick mit 30ger Sonnencreme geschützt verschwindet sie mit ihren neuen Spielkameraden aus unserem Blickfeld. Unser Tun besteht darin zu fotografieren und uns mit Händen und Füßen mit dem Hirtenvolk zu unterhalten.

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Gegen Abend sitzen wir vor unserem Zelt. Aus Mehl, Wasser, Milch und Eipulver zaubern wir auf unserem Benzinkocher mit Honig gesüßte Crêpe. Nach wenigen Minuten steht die gesamte Gemeinschaft um uns herum. Zögerlich und etwas misstrauisch wird der Kocher und das was darauf brutzelt unter die Lupe genommen. Wie immer sind es zuerst die Kinder, die versuchen. Dann kommt die Sache in Schwung. Ein Crêpe nach dem anderen verschwindet in den Mündern. Zwei Kilo Mehl fallen dieser Aktion zum Opfer. Es ist stockdunkel, jetzt aber schnell in den kuscheligen Schlafsack. Schon lange vor Sonnenaufgang sind die Männer mit den Rindern aus dem Dorf hinausgezogen auf der Suche nach Futter. Lauras neue Freunde warten geduldig vor dem Zelt, es gibt doch wieder so viel zu entdecken. Am darauf folgenden Abend werden wir an jedes einzelne Feuer gebeten. Überall müssen wir etwas probieren. Meistens gibt es Fleisch, nicht gewürzt, nur mit ein paar Kräutern versehen. Die angebotene bei 35 Grad im Schatten vergorene Ziegenmilch ist ein wirklicher Knaller. Wir nippen freundlich, ohne das Gesicht zu verziehen und entsorgen den Inhalt des Holzbechers dezent in der Nacht. So verfliegen die Tage, der Abschied naht. Wir sind glücklich, dass wir das Erleben dürfen. Hautnah, ungeschminkt und ehrlich sich mit einer Kultur auseinanderzusetzen in extrem einfachen Verhältnissen. Allein aus der Sicht unserer Tochter – kann sie eine bessere Schule durchlaufen als diese? Danke…

Geister, Küstenstädte und mehr…

Es geht über Khoriax zurück zur Teerstraße – diesmal nur ein Plattfuß. Uns erwartet eine mehrtägige Fahrt – 1.600 Kilometer quer durch das Land bis in den tiefen Süden nach Lüderitz. Auf schwarz glänzenden Felsen gelegen, etwas erhöht über dem Atlantik, begrüßen uns pastellfarbene Jugendstilvillen, die sich schlicht vom blauen Ozean abheben. Deswegen sind wir aber nicht hier.

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Der tatsächliche Grund unseres Besuches ist die nur wenige Kilometer entfernt in der Wüste gelegene verlassene Diamantenstadt Kolmannskuppe. Eine Geisterstadt, die langsam von der Wüste zurückgefordert wird. 1908 fand der farbige Gleisarbeiter Zacharias Lewala auf der Bahnstrecke vor Lüderitz den ersten Diamanten und zeigte ihn seinem Chef August Strauch, der sich sofort die Schürfrechte für das Gebiet sicherte.

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So entstand die Stadt, wo man zu Anfang die Diamanten nur vom Boden auflesen musste. Luxus, vom Casino bis zum Theater, sorgte für Unterhaltung. Das Wasser ließ man aus dem 1.000 Kilometer entfernten Kapstadt kommen, schließlich schmeckte das am besten. Es gab ein großes Kühlsystem, das jedem Haus einen kostenlosen Eisblock garantierte – täglich. Meerwasser wurde in einen Hochbehälter gepumpt, um dann als Wasser für das Schwimmbad in der Wüste Verwendung zu finden. Es fehlte an nichts.1956 verließen die letzten Menschen die Kolmannskuppe. Heute sind wir hier, um in die Geschichte einzutauchen, zu entdecken und herumzustreifen. Laura begibt sich direkt auf Diamantensuche. Jeder Stein wird umgedreht. Eine zottelige Hyäne nimmt Reißaus beim Versuch ein altes Haus zu betreten. Noch ein letzter Blick auf die Kegelbahn „Gut Holz“ bevor wir diesen geisterhaften Ort verlassen.

Namibia-Klaus Herzmann84Namibia-Klaus Herzmann52Nach drei Autostunden über beste Teerstrasse biegen wir ab auf schlechte Piste, die zum größten Canyon Afrikas führt. Nach dem Grand Canyon in den USA sogar der zweitgrößte der Welt. Der Fish River Canyon. Der Fluss, der dem Canyon den Namen gibt, hat sich in Millionen von Jahren seinen Weg durch das Gestein gegraben. Seine Biegungen und Windungen verlieren sich ohne Ende in der Ferne. Einer Sage nach soll ein Drache auf der Flucht vor Jägern in die Wüste geflüchtet sein und auf seinem Weg diese gewaltige Kriechspur hinterlassen haben.Namibia-Klaus Herzmann46Namibia-Klaus Herzmann65

 

 

 

 

 

Plötzlich geschieht das, was niemand vermutet: Es fängt an zu regnen. Wir beschließen anders als geplant den Rückweg anzutreten. Es ist Ostermontag. Für eine Nacht bleiben wir im Köcherbaumwald in der Nähe von Keetmanshoop. Köcherbäume deshalb, weil früher die San – übrigens die älteste Völkergruppe in Namibia – nach Aushöhlen gewisser Äste diese als Pfeilköcher nutzten. Ganz klar, dass hier der Osterhase andere Eier versteckt als Zuhause. Mit dem Unterschied, dass ein Straußenei umgerechnet 30 Schweizer Franken kostet und man es ewig kochen muss. Die Nacht war stürmig und nass. Stürmig und aufgewühlt auch unser Innenleben. So kurz vor unserem wohl größten Abenteuer.

Namibia-Klaus Herzmann66Namibia-Klaus Herzmann71Am nächsten Morgen fliegt die Landschaft an uns vorbei, keiner redet, wohl wissend, dass es die nächsten Wochen nicht mehr so zügig vorwärts gehen wird. Zurück in Windhoek geben wir den Allrad ab. Bei Amanda, unsere Pensionswirtin, kramen wir die Kisten aus dem Storeroom. Die Pedale werden angeschraubt, die Lenker gerade gestellt. Der Bolzen von Lauras Nachläufer schnappt sicher in die dafür vorgesehene Bohrung meines Gepäckträgers ein. Untrennbar für die nächsten 6 Wochen und 1.000 Kilometer miteinander verbunden. Wir packen. 60 Liter Wasser unterbringen ist gar nicht so einfach. 15 Ortlieb Wassersäcke und ausreichende Mengen Travellunch (Light-Food) werden auf die 10 Taschen und Manuelas Monoporter-Anhänger verteilt. In der Nacht quälen uns Fragen. Ist unser Vorhaben nicht zu abgedreht? Haben wir wirklich an alles gedacht? Reicht unser Wasser? Nur Laura schläft ruhig – Urvertrauen. In Teil III gehts dann endlich los… Erscheinen wird dieser am 15. Januar 2016.

Infopaket & Abenteuer Namibia Teil II

Anreise

Direktflüge mit Air Namibia von Frankfurt, Düsseldorf und München.

Übernachtungsempfehlung Windhuk

Pension Christoph-sehr Zentral gelegen. 5 Gehminuten von der Christuskirche.www.natron.net

Automiete

ASCO CAR HIRE in Windhoek www.ascocarhire.com
deutschsprachig, zuverlässig, guter Service, gutes Preis-
Leistungsverhältnis

Reiseliteratur/ Karten (Für mehr Infos Foto anklicken)(Werbung)

Geschichtlicher Rückblick

– 1884 bis 1914 sogenanntes „Deutsches Schutzgebiet“, fortan „Deutsch-Südwestafrika“
– 1904 Aufbegehren der Volksgruppe Hereros mit der Schlacht am Waterberg, 50.000 ließen in der Bestrebung nach Freiheit ihr Leben
– 1920 Südafrika erhält das Land vom Völkerbund als Mandatsgebiet zugesprochen
– 1990 politische Unabhängigkeit wird besiegelt

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Die wichtigsten Fakten

Regierungsform: Republik
Geographie: Südwesten Afrikas, Nachbarländer: Botswana, Südafrika, Angola, Sambia
Fläche: ca. 20x so groß wie die Schweiz
Hauptstadt: Windhoek
Einwohner: ca. 2,5 Mio.
Sprache: Englisch, Afrikaans, Deutsch
Währung: Namibischer Dollar, 1 Euro – 15,77 Namibia Dollar (Stand Sept. 2015)
Visum: Einreisestempel für 3 Monate am Flughafen
Reisezeit: ganzjährig, für Biker empfehlen wir April – Nov.

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