Peak District England: Zeitreise mit dem Tourenrad

Peak District Foto Herzmann14 Alte Schlösser, noble Herrenhäuser, weite Schafweiden und Heidemoore – im Herzen Großbritaniens erheben sich in gelassener Regeömäßigkeit die sanften Hügel des Peak District – garniert von einer grandiosen Mischung aus Natur und Kultur. Eine wahrhaft entschleunigende Radtour durch eine britische Bilderbuchlandschaft.

 

 

Durchs grüne Herz der Insel

Der Regen hat aufgehört. Das Grün der Landschaft wirkt so frisch, als hätte der Maler seinen Pinsel gerade erst weggelegt. Es ist die dominierende Farbe im Peak District.Das Gebiet ist seit 1951 Nationalpark – der erste des Landes. 1400 Quadratkilometer umfasst die Region der Grafschaft Derbyshire. Viel Natur. Viel Platz für ungestörte Radtouren.

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Das Naturschutzgebiet markiert den Übergang vom südlichen Flachland und den sanften »Midlands« hin zum nordenglischen Berggebiet. Die Gipfel gehören zum ersten Viertel der insgesamt 240 Kilometer langen, von Süden nach Nor- den laufenden, »Pennines« – aufgrund ihrer Lage auch gerne als »Backbone of England« bezeichnet. Seit einigen Stunden kurbeln wir entlang einsamer Sträßchen. In den Packtaschen der Räder haben wir al- les verstaut, was wir für die nächsten Tage brauchen. Der Peak District, die Perle Mittelenglands, ist Naher- holungsgebiet des ehemaligen Industriegürtels Man- chester, Birmingham und Liverpool. Entsprechend gut angeschlossen ist man hier. Als Wander- und Reitpara- dies ist die Gegend schon lange kein Geheimtipp mehr.

Peak District Foto Herzmann17Peak District Foto Herzmann16Doch in jüngster Zeit finden auch immer mehr Touren- radler hier ihr Dorado. »Loops« nennen die Engländer die ausgewählten Strecken, auf denen sich die grandiose Landschaft entdecken und echtes Outdoor-Feeling inhalieren lässt.

Alles wasserdicht verpackt

Sanft wiegen sich die Bäume im Wind, eine milde Brise streicht über den kurz geschorenen Rasen. Gestärkt von tiefem Schlaf starten wir morgens durch – gemächlich, denn eilig hat es hier niemand. Von Freunden haben wir den Tipp bekommen »Packt eure Ausrüstung wasserdicht ein, England wässert seine Besucher regelmäßig«. Am Horizont quellen dunkle Wolken – und bestätigen, wovor unsere Ratgeber gewarnt ha- ben. Noch aber ist es trocken. Eine gute Gelegenheit, noch etwas durch das malerische Örtchen Bakewell zu schlendern.

Peak District Foto Herzmann19Peak District Foto Herzmann18Dort wo die wuchtige, alte Steinbrücke in fünf Bögen den River Wye überspannt, gibt es den be- rühmten »Bakewell Pudding« – eine Sünde für »Couch Potatos«, Treibstoff für uns Radler. Die hier 1860 erfun- dene, gebackene süße Versuchung gibt uns Energie für die bevorstehenden Höhenmeter. Einer Legende zufolge soll die Köstlichkeit rein zufällig von einer unerfah- renen Küchenhilfe im White Horse Inn kreiert worden sein. Wem der Sinn eher nach etwas Deftigem steht, der ist ein Stück weiter in der Thornbridge Brewery richtig. Hier lassen sich mehr als vier Dutzend Bier- sorten verkosten. Wir verzichten, Promille vertragen sich nicht Pedaltreterei. Wieso also nicht alternativ das Chesworth House besichtigen? Das architektonische Schmuckstück mit seinen atemberaubend schönen Gärten ist einer der prunkvollsten Herrensitze Eng- lands – und jeden Besuch wert.

Das Flüstern der Natur

Nun aber in den Sattel! Saftig grüne, von wackeligen Steinbarrieren umschlossene Wiesen und Weiden hu- schen an uns vorüber. Dazwischen fügen sich bunt ge- würfelt kleine Gehöfte, Dörfer und Kleinstädte ein. Wir genießen jede Pedalumdrehung durch die herrliche Landschaft. Nur die heranziehenden Gewitterwolken machen uns Sorgen. Als wir an einem Wäldchen stop- pen, hält zeitgleich ein Auto neben uns. Der Fahrer, ein knorriger Einheimischer mit Hornbrille und ver- schmitztem Lächeln, warnt uns trocken: »Passen Sie auf, gleich regnet’s.« Noch während er spricht, zer- platzen die ersten dicken Tropfen auf unseren Helmen. Zum Glück ist es nicht weit zum Örtchen Parsley Hay, dort gibt es eine Bike-Station mit Restaurant.

Peak District Foto Herzmann8Peak District Foto Herzmann11Während es draußen in Strömen gießt, gönnen wir uns ein »Full English Breakfast«. »Full« bezieht sich dabei auf den körperlichen Zustand nach dem Verzehr: Bohnen in To- matensauce, Spiegelei, Rösti-Ecken, Grillwürstchen, Speck, Toast und Blackpudding – keine Süßspeise son- dern gebratene Blutwurst. Bei so viel »Schmalkost« kriecht uns die Trägheit bald in die Knochen. Was soll’s, schon Asterix ist daran gescheitert, solche Esstraditi- onen zu verstehen, als er mit seinem Freund Obelix bei den Briten war. So schnell wie sie gekommen sind, ver- ziehen sich die Gewitterwolken, und wir kehren dankbar auf unsere Sättel zurück. Die frische Luft reaktiviert die Lebensgeister, die Beine verbrennen die üppig getank- ten Kalorien.

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Per Drahtesel im Peak District unterwegs zu sein, bedeutet Feld- und asphaltierte Wege in Abwechslung. Immer wieder kreuzen Fasane unaufgeregt die Fahrbahn. Nicht umsonst heißt der Loop 8 »Hills, dales and trails«. Gehöfte aus Natursteinen schmiegen sich in die Landschaft, als wären sie ein natürlicher Teil von ihr. Kleine Bäche bahnen sich ihren Weg, dick gepolsterte Schafe suchen bei Schlechtwetter Zuflucht unter mächtigen Eichen, deren dicke Äste schwer fast bis zum Boden hinunterreichen – und so zu natürlichen Schutzburgen werden.

Gärten und Parks – Very British!

Nahezu stündlich, zuweilen von Minute zu Minute ändert sich das Licht, wechseln die Farben des Himmels, die Formen der Wolken. Wir genießen jede Sekunde, ehe die Nacht hereinbricht. Am nächsten Morgen begrüßen wir den Tag mit einer ordentlichen Portion Müsli und einem Pot starken Kaffee, kredenzt auf unserem treu- en Gaskocher. Auf unserem Tagesplan steht die höchst gelegene Marktstadt Englands: Buxton liegt 307 Meter über dem Meeresspiegel und ist einer der ältesten Kurorte des Königreichs.

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Schon die Römer wussten um die Vorzüge der wohltuenden Thermalquellen. Berühmtheit erfuhr die Region aber auch durch die Höhlen der »Blue John Cavern«. Der Name geht auf einen blau funkeln- den Halbedelstein zurück, der in den vergangenen 250 Jahren nur hier gefunden wurde. Aus dem im Jahre 1813 größten je entdeckten »Blue John« wurde eine wertvolle Vase gefertigt, die wir schon zu Beginn unseres Trips in Bakewell auf Schloss Chatsworth bewundern durften. Nicht weniger edel wirkt der Park von Buxton. Grünes und Blühendes ist dem Engländer seit keltischen Zeiten heilig. Die berühmten englischen Gärten und Parks sind auch im Peak District ein nicht wegzudenkender Teil der üppig grünen Landschaft. Da wundert es kaum, dass eine Gartenveranstaltung mehr Zulauf verzeichnet als so manches Fußball- oder Rugbyspiel.

Peak District Foto Herzmann10Peak District Foto Herzmann7Gegenüber des Opernhauses strömt aus einem Löwenkopf kostenlos Mineralwasser. Wir füllen unsere Flaschen, gerüstet für die Weiterfahrt. Wieder tauchen wir ein in eine üppige Melange aus Grüntönen: Wälder, Wiesen, Hügel. In Tideswell mit seiner wunderbaren Kir- che »St.John the Baptist«, auch bekannt als »Cathedral of the Peak«, entlasten wir unser Sitzfleisch und stellen die Räder ab. Der Aufstieg zum Aussichtspunkt von Cha- pel-en-le-Frith lohnt jeden Schweißtropfen: Zu unseren Füßen liegt das sagenumwobene Goyt Valley. Die Abend- sonne verwandelt den leichten Dunst über den Wiesen, Waldinseln, Bachläufen und Seen in einen goldenen Schleier. Viele sagen, das Goyt Valley sei die schönste Seenlandschaft des Peak District. Fast vergessen wir, dass auch morgen noch eine Etappe ansteht. Zu gerne würden wir hierbleiben und nichts tun, als uns einfach nur satt zu sehen an diesem grünen Paradies.

Infopaket Peak District England: Zeitreise mit dem Tourenrad

An-/Abreise
Flugzeug: Direktflüge ab Frankfurt nach Manchester mit Lufthansa, ca. 2 Stunden, ab 150 Euro hin und zurück. Von Manchester mit dem Zug/Bus nach Matlock ca. 2-3 Stunden, Abholung kann mit Hoe Grange organisiert werden. Am Flughafen bietet sich auch eine Automiete durch eine der großen Anbieter wie Hertz, Sixt oder Europcar an. Entfernung von Manchester nach Matlock oder direkt Hoe Grange ca. 43 Meilen (70 km).

Pkw: Wir empfehlen für die Anreise das eigene Fahrzeug. Anfahrt: Köln nach Dünkirchen/Frankreich 370 Kilometer + 2 Stunden Fähre nach Dover/ England + 220 Meilen (350 Kilometer) über London nach Longcliffe (Unterkunft), die zwischen Ashbourne, Bakewell and Matlock gelegen ist. Oder ins 50 Kilometer weiter enttfernte Calais und via Eurotunnel/ Zugverladung nach Folkestone/ England was ca. 30 Minuten dauert. Preise: Je nach Fahrzeugtyp verschieden – Info: www.dfdsseaways.de; www.eurotunnel.com. Beispiel: Einfacher Pkw mit der Fähre ca. 80 Euro hin und zurück; Eurotunnel etwa das Doppelte.

Tipp: Im eigenen Pkw können problemlos Lebensmittel (siehe Einreisebestimmungen) für den Aufenthalt mitgeführt werden, da der nächste gut sortierte Laden ca. 20 Kilometer von der Unterkunft entfernt liegt. Bei Anreise liegen interessante Städte wie Brüssel und Brügge sowie London auf dem Weg, die man wunderbar mit einplanen kann.

Literatur/ Karten (Für mehr Infos auf Bild klicken)(Werbung)

Routen

Loop 3 Millers Dale – Wormhill – Wheston – Tideswell – Great Hucklow – Bretton – Eyam – Foolow – Millers Dale ca. 32 km

Loop 4 Middlelton – Wirksworth – Longcliffe – Parwich – Carsington – Middelton ca. 34 km

Loop 5 Matlock – Matlock Bath – Holloway – Doehole – Ashower – Uppertown – Gladwin’s Mark – Darley Dale – Darley Bridge – Matlock ca. 39 km

Loop 7 Bakewell – Monyash – Middelton – Youlgrave – Rowsley – Baslow – Bakewell ca. 43 km

Loop 8 Parsley Hay – Pilsbury – Hartington – Warslow – Alstonefield – Heathcote – Parlsley Hay ca. 37 km

Loop 9 Chapel-en-le-Frith – Buxton – Goyt Valley – Horwich End – Chapel-en-le-Frith ca. 45 km

Gesamtstrecke: ca. 230 km

Streckencharakter/Beschilderung

Der Peak District Nationalpark kann auf 9 verschiedenen Rundtouren beradelt werden. Im ansprechenden Flyer sind diese ausführlich beschrieben (Englische Sprache). Es gibt keine Beschilderung, die die einzelnen Loops markieren. Deshalb ist es unbedingt erforderlich die bereitgestellten GPS Daten herunterzuladen. Die empfohlene Unterkunft liegt direkt am High Peak Trail und somit am Loop 4. Die Loops 5, 7 und 8 können ebenso direkt über den guten Rad- und Wanderweg von der Unterkunft aus erreicht werden. Für die Loops 3+9 sind wir mit dem Pkw nach Buxton und haben dort die Route gestartet. Die Runden führen über meist asphaltierte Wirtschaftswege, ruhige Strassen und stillgelegte feingekießte Eisenbahntrassen. Das Landschaftsprofil ist “hügelig” und fordert eine gute Kondition.

Unterkunft

Matlock/Brassington Hoe Grange Holidays, Tel. +44 (0)1629/540262, www.hoegrangeholidays.co.uk (direkt bei Longcliffe – zwischen Ashbourne, Bakewell and Matlock gelegen). Luxeriöse “Self catering log cabins” (Selbstversorger Ferienhäuser) mit allem Kompfort + Sauna und Wirlpool.Peak District Foto Herzmann20

Weitere Infos

Peak District & Derbyshire, www.visitpeakdistrict.com (Prospekte und Karten können per Post bestellt werden),
www.visitbritain.com

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2 Kommentare zu „Peak District England: Zeitreise mit dem Tourenrad

  1. Hallo Rad Kollege
    Zufällig bin ich auf deinen Blog gestoßen. Morgen fliege ich nach Edinburg und werde in die Heimat der Eifel zurück radeln. Ich möchte den Peak Distrikt durch radeln. Wo genau befindet sich der Anfang und Ende sprich welche Ortschaften sind das?
    Würde mich über ein paar Infos sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen Sascha

    • Moin Sascha,

      herzlichen Dank für Deine Zeilen. Da hast Du Dir eine schöne Radstrecke vorgenommen. Deine Nachricht erreicht mich erst heute weil ich die letzten Tage auf Rückreise aus dem Baltikum war. Im Text, sowie in meinem Infoteil unter dem Artikel findest Du alle Infos, Orte etc. Zentralster Ort ist Buxton! Wünsche Dir ne tolle Zeit und komm gesund zurück in die Heimat.

      Viele Grüße

      Klaus

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