Veloroute SaarLorLux Teil I

Veloroute SaarLorLux- Herzmann8_2Radlern bietet der Rundkurs im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg eine idyllische Freizeitlandschaft. Liebliche Flusstäler, interessante Städte und die schier endlosen Weiten der Lorraine bescheren nicht nur ungetrübtes Radvergnügen, sondern auch so manchen Gaumenkitzel…

 

Wo einst der Stahl, Kohle und das Eisen den Pulsschlag der Region vorgaben sorgt heute die rund 500 Kilometer lange Veloroute SaarLorLux für aufsehen. Drei Länder, eine Radreise, dazu völlig barrierefrei – wo gibt es das noch? Verbunden wird die Route durch eine Vielzahl an kulturell hochkarätigen Städten. Trier, Saarbrücken, Metz und nicht zuletzt Luxemburg sorgen hierbei für ansprechende Abwechslung. Dabei verläuft die Tour größtenteils entlang der leicht zu beradelnden Flusstäler von Saar, Sauer und der Mosel. Veloroute SaarLorLux- Herzmann4_2Veloroute SaarLorLux- Herzmann6_2

 

 

 

 

 

Die allesamt mit ihrem unverwechselbaren Flair zu punkten wissen. Völkerverständigung kann so einfach sein: Man nehme das passende Reiserad, radelfreudige Mitstreiter, seine Packtaschen, Trinkflaschen eine gute Karte und schon kann’s losgehen. Und wenn man dem französischen vielleicht auch nicht ganz so mächtig sein sollte – ein freundliches Bonjour und Merci wird hier allerorts zum Türöffner.

Zum Einrollen

So ein Rundkurs ist eine feine Sache. Man steigt dort in die Radroute ein wo es beliebt. In dem Sinne wählen wir Trier als Ausgangspunkt, das wir von Koblenz aus mit dem ersten Zug am Morgen erreichen. Die Wettervorhersage verspricht heiße Tage jenseits der 37 Grad und ein paar Unwetter – wir gehen es ganz gelassen an. „Vor Rom stand Trier eintausenddreihundert Jahre“, behauptet die Inschrift am Roten Haus am Hauptmarkt in Trier. Eine mittelalterliche Erfindung nicht ohne geschichtlichen Hintergrund. Im Trierer Tal gab es bereits im Jahr 300 v. Chr. eine Siedlung – Augusta Treverorum, das spätere Trier. Mit der Unterwerfung Galliens durch die Römer begann für den Eifel-Moselraum eine neue Epoche.

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An der antiken Fernverkehrsachse Mittelmeer – Lyon-Trier-Köln entstand im Jahr 12 v. Chr. die älteste Stadt Deutschlands, die im Laufe der römischen Besatzungszeit zur Residenzstadt aufstieg. Heute gehört sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Porta Nigra, das schwarze Tor, diente einst als Stadttor und gilt heute als unbestrittenes Wahrzeichen. Ein Treffpunkt von Menschen aus allen Herren Ländern. Wir schieben unsere Räder mit bedacht über den mittelalterlichen Marktplatz, wo gerade die Händler ihren Stand für den Marktag herrichten. Wunderbare Giebelbauten blitzen in der Morgensonne. Der markante Dom aus dem 4. Jh. weist den Weg zu Amphitheater und Kürfürstlichem Palast bevor wir zurück an der Porta Nigra in die Veloroute SaarLorLux einsteigen.

Immer der Saar nach…

Den grünen Schildern der Veloroute folgend zirkeln wir durch die Stadt an die Mosel. In Konz, dort wo sich die Wasser der Saar in die Mosel ergießen, schwenken wir auf den Saar-Radweg und radeln entspannt nach Saarburg. Eine Postkartenschönheit. Römer, Kelten, Kirchenfürsten und der Hochadel gaben sich hier die Klinke in die Hand. Ihre verständliche Liebe widmete sich der Burg und der Stadt, wo sie vortrefflich residieren konnten.

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Durch die wunderbar anmutende verwinkelte Altstadt mit dem Flair Venedigs gurgelt der Leukebach, der sich unter lautem Getöse 20 Meter in die Tiefe stürzt. Cafés und Restaurants sind propenvoll mit Besuchern. Die genießen neben Leckereien aus Küche und Keller das mittelalterliche Stadtbild. Wir kehren zurück an die Saar und treten steigungsfrei auf breiten Radwegen Mettlach entgegen. Demjenigen, der dort noch über fitte Waden verfügt, dem sei der sechs Kilometer lange Aufstieg nach Cloef zur Saarschleife empfohlen. Weniger anstrengend und nicht minder interessant ist der Besuch bei der Keramikfirma Villeroy & Boch. Ein bedeutender Industriezweig hat sich hier vor rund 200 Jahren etabliert. Und die Nachfrage ist bis heute weltweit ungebrochen. Von der profanen Wandfliese angefangen über erlesenes Porzellan für die festliche Tafel wird im Keramikmuseum alles dargeboten. Unbedingt sehenswert! Folgt man weiter der Saar, die dem kleinen Bundesland seinen Namen gegeben hat, so kommt man nach Merzig.

Veloroute SaarLorLux- Herzmann11_2Veloroute SaarLorLux- Herzmann10_2Eine schmucke Gemeinde, die sich neben dem schönen Stadtbild einen Namen mit dem alljährlich größten Vereinsfest im Saarland gemacht hat. Das beliebte Viezfest: Wo gleich Hektoliterweise der süffige Apfelmost gereicht wird. Aber nicht nur das Mittelalter brachte historische Städte hervor. Die Festungsstadt Saarlouis, einst vom Sonnenkönig Ludwig XIV. erbaut, ist ein wehrhaftes Beispiel dafür. Im frühen 18. Jh. von den Franzosen in militärischer Präzision angelegt, wird die Stadt bis in die Gegenwart von Bastionen und Kasematten geprägt. Der stetige Wechsel zwischen der deutschen und französischen Verwaltungsmacht in den letzten Jahrhunderten und die grenznahe Lage zu Luxemburg haben bis heute einen unübersehbaren Einfluss auf die Stadt. Die reichen Steinkohlevorkommen der Region machten diesen Teil Europas in der Geschichte immer wieder zum Kriegsspielball der Großmächte. Früher wurden rund zehn Prozent der bundesdeutschen Gesamtförderung von hier geliefert. Das bezeugen bis heute große Hüttenwerke wie das in Völklingen. Das Weltkulturerbe ist heute ein wichtiger Standort der Industriekultur in Europa und ein überaus lohnender Stopp auf dem weiteren Weg nach Saarbrücken.

Grenzübergreifend

Die Traditionen reichen in Saarbrücken zweitausend Jahre in die Vergangenheit. Seit der Römerzeit war die Region immer Grenzgebiet und Durchgangsland, Kreuzung wichtiger Handelswege, damit auch geistiger Bewegung und künstlerischer Richtungen. Die Menschen, die hier leben, sind selbstbewusst und zuversichtlich. Gut essen und trinken, so meinen viele, sind eine wichtige Vorraussetzung, um auch die nächsten zwei Jahrtausende zu überstehen. Und dass man sich hier stark an Frankreich orientiert ist unbestritten. Die Nachbarschaft kommt auch sprachlich zum Ausdruck: wenn man hier von einer „Flute“ spricht – und ein Stangenweißbrot meint.

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Nur am neuen Schloss scheiden sich bis heute die Geister. Von Ablehnung bis Begeisterung reichen hier die Einschätzungen als 1989 das neu gestaltete Juwel feierlich eröffnet wurde. Eine Mischung aus barockem Repräsentationsbau und moderner Glasarchitektur. Die Stilkombination ist wirklich ziemlich einzigartig. Die gepflasterten Gassen weisen uns den Weg über die blumengeschmückte Saarbrücke zurück zum Radweg. Und zur Grenze unseres Nachbarn Frankreich. Wir radeln in die lieblichen Landstriche von Lothringen. Am Zusammenfluss von Blies und Saar liegt das Städtchen Sarreguemines. Das ist eng mit der Steinindustrie verwoben, was ein Keramikmuseum und ein letzter Brennofen unterstreicht. Ab hier suchen wir auch die grünen Wegweiser der Veloroute vergebens. Und die Saar heißt nun Sarre und der Kanal, an dem wir entlang radeln, bald Canal des Houillères. Hier kommt der Geist zur Ruhe. Mit der nötigen Gelassenheit steuern Freizeitkapitäne ihre Boote über den Kanal. Winken uns bei hochsommerlichen Temperaturen mit einem Getränk in der Hand freundlich zu. Das schmucke Sarralbe liegt auf dem Weg, wo wir neben der Kirche Saint Martin ausgiebig rasten. Im Endspurt erreichen wir Mittersheim. Von hier an beginnt die Region der Teiche und Seen (Etangs), weitläufige Trinkwasserreservoire und Vogelschutzgebiete. Aber auch das Landschaftsprofil ändert sich schlagartig – es wird hügelig.

Voilà, es ist angerichtet…

Neun Kilometer hinter Mittersheim überqueren wir die Brücke und folgen dem Circuit des Etangs (Teichrunde). Dicke Regenwolken ziehen am Himmel auf und bescheren uns wenig später eine unfreiwillige Dusche. Kleine Dörfer huschen vorüber, ein ständiges Auf und Ab zwickt an den Waden. Nur vereinzelt preschen Rennradfahrer an uns vorüber. Über Assenoncourt und Dieuze erreichen wir Marsal. Ein schmucker Ort der allgegenwärtig sichtbar
vom bekannten Festungsbaumeister Vauban geprägt wurde. Neben der schönen Stiftskirche weiß auch die „Porte de France“, also die Tür nach Frankreich, zu punkten.

Veloroute SaarLorLux- Herzmann27_2Veloroute SaarLorLux- Herzmann24_2Genießen können wir den Aufenthalt nicht wirklich, denn wir sind alle durch nass und der Himmel macht auch keinerlei Anstalten seine Schleusen zu verriegeln. Im Takt der Regentropfen, die auf dem Asphalt zerplatzen, stapfen wir über beinahe verkehrsfreie Landstrassen nach Delme. Heiß duschen belebt die Geister. Auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein und machen die folgen Kilometer über Vigny und Fleury bis nach Metz zum reinen Vergnügen. Radschilder sucht man allerdings bis hier vergebens. Und ohne den Bikeline-Radführer und das Navi wären wir ziemlich aufgeschmissen. Metz rückt als die Hauptstadt Lothringens in den Focus und begeistert schon bei der Ankunft. Die pittoreske Altstadt an der Mosel begeistert mit ihren verwinkelten Gassen und ihren historischen Bauwerken.

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Die reiche Anzahl an Kirchenbauten stammen noch aus dem Mittelalter als Metz noch eine Bischofsstadt war. Ein im wahrsten Sinne des Wortes überragendes Beispiel ist die Cathèrale Saint-Etienne, die pittoresk die Oberstadt überragt. Ein Meisterwerk aus gelbem Kalkstein mit Kirchenfenstern von Chagall. Lothringen ist aber auch ein Refugium für Genießer von Gaumenfreuden. Eine wunderbare Region wo Küchenlust und Tafelfreuden unmittelbar kredenzt werden.

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Ob vom einfachen Quiche Lorraine, einem Mürbeteigkuchen mit Eiern, Milch, Speck und Lauch angefangen bis hin zum „Magret de canard aux cerises“ – Entenbrust mit Kirchen. Dazu ein knackig-frischer Weißwein „Gris de Toul“. Und zum Dessert „Moelleux au chocolat“ – ein luftiger warmer Schokoladenkuchen. Aber hallo, die Lothringer Köche und Köchinnen wissen wie es geht – und wie man echte Gaumenfreuden weckt…

Infopaket Veloroute SaarLorLux

Anreise

Bahn: Aus vielen deutschen Städten bestehen Bahnverbindungen nach Trier. (Natürlich kann dank dem Rundkurs ganz individuell und überall in die Tour eingestiegen werden). Neben zahlreichen Direktverbindungen bestehen beste Anschlußmöglichkeiten über die Hauptbahnhöfe Saarbrücken, Koblenz und Luxemburg. Weitere Infos und Kostenübersicht unter: Tel.: (01805) 996633 (Euro 0,14/Min aus dem Festnetz) oder unter www.bahn.de/bahnundbike

 

Auto: Da es sich bei der Velo Route SaarLorLux um einen Rundkurs handelt, ist die Anreise mit dem eigenen PKW eine gute Option. Beispiel: Durch die Eifel:
B 51 aus Richtung Prüm/Bitburg; entlang der Saar auf der 
B 51 aus Richtung Saarbrücken; entlang der Mosel:
B 419/B 51 aus Richtung Frankreich/Luxemburg. Parkinfos: www.parken-in-trier.de

(Werbung)
Literatur/ Karten (Für mehr Infos auf Bild klicken)

 

Gefahrene Route

Trier – Mettlach ca. 40 km

Trier – Konz – Saarburg – Mettlach

Mettlach – Saarbrücken ca. 59 km

Mettlach – Merzig – Saarlouis – Völklingen – Saarbrücken

Saarbrücken – Mittersheim ca. 62 km

Saarbrücken – Saarguemines – Sarralbe – Mittersheim

Mittersheim – Lemoncourt/Delme ca. 80 km (plus 3 km Abstecher Delme)

Mitterheim – Rhodes – Assenoncourt – Dieuze – Marsal – Delme

Delme/Lemoncourt – Metz ca. 58 km (plus 3 km Abstecher Delme)

Delme – Vigny – Fleury – Metz

Metz – Perl ca. 59 km

Metz – Bertrange – Aboncourt – Koenigsmacker – Perl

Perl – Luxemburg ca. 43 km

Perl – Schengen – Remich – Luxemburg

Luxemburg – Trier ca. 82 km

Luxemburg – Beidweiler – Consdorf – Echternach – Wasserbiilig – Trier

Gesamtstrecke: ca. 489 km

Streckencharakter/Beschilderung

 

Die Velo Route SaarLorLux verläuft Größtenteil auf gut ausgebauten Radwegen und verkehrsberuhigten Nebenstaßen. Dabei geht es entlang der Flüsse Saar, Mosel und Sauer. In Lothringen kommen zwischen Rhodes und Vicsur-Seille Steigungen vor ebenso bei Corny-Sur-Moselle die teilweise zum Wadenbeißer werden. Die Route ist noch nicht durchgehend beschildert. Von Trier folgen wir über Saarbrücken bis 20 km auf französischem Boden der Veloroute SaarLorLux Beschilderung. Danach den regionalen französischen Schildern (Von Ort zu Ort). Ab Remich (Luxemburg) ist die Route durch Aufkleber Velorote SaarLorLux markiert. Wir empfehlen unbedingt die Mitnahme des Bikeline Radtourenführers oder ein Navigationsgerät mit aufgespieltem GPS Track (am besten beides).

Sehenswertes

Trier: Amphitheater, Marktplatz, Porta Nigra, Dom St. Peter, Kurfürstlicher Palast u.v.m. , Saarburg: Altstadtgassen, Burgruine; Mettlach: Aussicht Saarschleife, Keramikerlebniszentrum, Alter Turm; Merzig: Museum Schloss Fellenberg, Probsteikirche St. Peter, Rathaus; Saarlouis: Festungsanlage; Wadgassen: Hist. Zweiradmuseum, Deutsches Zeitungsmuseum; Völklingen: Altes Rathaus, UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte; Saarbrücken: Saarkran, Alte Brücke, Schloss, Altstadtgassen, Ludwigskirche, Johanniskirche; Saarguemines: Brennofen, Keramikmuseum; Sarralbe: Kirche Saint Martin, historischer Ortskern; Marsal: Festungsanlage Vaubans, Stiftskirche, Porte de France; Metz: Stefansdom/Cathedrale Saint-Etienne, Arsenal, Museum „La Cour d’Or“ u.v.m.; Perl: Park von Nell (Barockgarten); Schengen: Durch Schengener Abkommen bekannt; Remich: Historische Altstadt, Uferpromenade; Luxemburg Stadt: Nationalmuseum für Naturgeschichte, Historisches Museum, Kasematten, Groherzoglicher Palais u.v.m.; Echternach: Markt mit Denzelt, Basilika St. Willibrod, Abteimuseum, Römervilla.

 

Unterkünfte

Mettlach: Hotel Saarpark, Tel.: 06864-9200, www.hotel-saarpark.de

Saarbrücken: Hotel Domicil Leidinger, Tel.: 0681-93270, www.leidinger-saarbruecken.de

Mittersheim: Hotel L´escale, Tel.: 0033 (0) 387-076701, www. lescalemittersheim.fr

Delme: Hotel à La 12eme Borne, Tel.: 0033 (0) 387-013018, www.12eme-borne.com

Metz: Hotel du Theatre, Tel.: 0033 (0) 387-311010, www.hoteldutheatre-metz.com

Perl: Hotel Hammes, Tel.: 06867-91030, www.hotel-hammes.de

Luxemburg: Hotel Parc BelleVue, Tel.: 0352- 456141, www.parcbellevue.lu

Trier: Hotel Ante Porta, Tel.: 0651-436850, www.hotel-anteporta.de

Weitere Infos

Tourismus Zentrale Saarland GmbH

Tel.: 0681 / 92720-0

www.tourismus.saarland.de

 

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