Trekking auf Südzypern

Zypern- Klaus Herzmann5Zypern, die Insel der Aphrodite. Bereits in antiker Zeit war sie der Sehnsuchtsort von Pilgern im Schnittpunkt von drei Kontinenten. Und heute: Bezaubert sie die Besucher mit einer prall gefüllten Schatzkammer an kultureller Vielfalt, die ihres gleichen sucht. Ein Geheimtipp für Wanderer, die auf ruhigen Pfaden die Geheimnisse der Insel erleben möchten.

Wo die Götter Urlaub machen

Das Wetter ist meist sonnig und trocken, das Meer betörend blau und kristallklar, meist weht ein erfrischendes Lüftchen über die drittgrößte Mittelmeerinsel. Es gibt einsame Klöster, malerische Bergdörfer und kunstreiche römische Mosaiken. In den sanften Hängen der Vorberge verstecken sich alte Scheunendachkirchen, deren Inneres wunderbare Meisterwerke von lange vergessenen Künstlern bewahren. Und wer die Einsamkeit sucht, der findet sie auch während der Hochsaison – man sollte dazu allerdings bereit sein die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Überhaupt generiert der wirtschaftlich und politisch östlichste EU Vorposten im Mittelmeer alles, was das Herz eines Wanderers entzückt. Wie schön ist es doch nach oder während einer Tour durch tiefe Schluchten, großen Wäldern und kahlen Felsformationen in einer einsamen Bucht ins Wasser zu springen.

Zypern- Klaus Herzmann16Zypern- Klaus Herzmann10Schenkt man dem antiken Mythos glauben, so ist Zypern der Geburtsort der Schönen. Früher, wie auch in der Gegenwart lockt die Insel Besucher an. Auf der Suche nach Sonne, Erholung und natürlich zum Trekking…

Auftakt im antiken Paphos

Mythos und Dichtung der Antike bezeichnen Zypern deutlich als irdische Heimat der Aphrodite und als Ursprungsort ihres Kultes. Lange trieb es durch die Wellen, dann bildetet sich eine Wolke aus weißem Schaum – aus ihr erwächst eine Jungfrau, die von den Fluten schließlich nach Kypros getragen wird. Dort steigt sie unvergleichlich schön aus dem Meer. Die Natur erblüht unter ihrer Berührung, man schmückt sie mit Prunkgewändern und einer Krone. Bereits Homer nennt den Tempel von Paphos ihr Hauptheiligtum. Im 8. Jh. vor Christus war ihr Kult längst heimisch auf Zypern. Von hier aus starten wir auch in unsere erste Tour, die den verheißungsvollen Namen „Aphrodite Trail“ trägt. Wir fahren mit unserem Leihwagen auf die Akamas Halbinsel und parken neben der urigen Taverne. Breite, bunte Blumenteppiche überziehen die Landschaft an diesem herrlichen Frühlingstag. Alles, so scheint es, liegt noch in tiefem Schlaf als wir unsere Bergstiefel schnüren und den Tagesrucksack schultern. Die Wegweisung führt durch einen Olivenhain zum Bad der Aphrodite. Die Göttin soll hier in einer Grotte ihr tägliches Bad genommen haben. Wir steigen weiter bergan durch eine Region, die schon vor Jahren unter Naturschutz gestellt wurde. Eine Naturlandschaft mit einzigartigen Biotopen und Ökosystemen.

Zypern- Klaus Herzmann4Zypern- Klaus Herzmann3Hier gibt es mehr als 2000 verschiedene Pflanzenarten, Schluchten und dunkle Höhlen. Die Wanderung führt über steinige Pfade bis hinauf zu einem Höhenzug, der uns den Atem verschlägt. Der Kontrast vom üppigen Blumenmeer, windschiefen knorrigen Johannisbrotbäumen und das satt blautürkisfarbene Meer zu unseren Füssen ist einfach unbeschreiblich. Die Natur explodiert förmlich. Wir lassen uns einfach nieder und genießen die Momente der Ruhe. Einzig der Wind spielt in den Blättern. Entlang der Küste zieht sich der Weg malerisch, Gleichgesinnte sind noch keine unterwegs. Ab und zu liegen prächtig anzuschauende Eidechsen auf den Felsen. Wenige Meter weiter kreuzt im Eiltempo eine Schlage unseren Track. Der Pfad wird zusehend schmaler und führt in Serpentinen talwärts. Immer wieder legen wir einen Fotostopp ein, so dass wir gar nicht merken wie die Zeit verrinnt. Erst am späten Nachmittag erreichen wir das Ziel, genehmigen uns in der Taverne ein kühles Getränk und rauschen zurück nach Paphos.

Trekking im Schmelztiegel der Kulturen

Zypern verdankt seine Aufmerksamkeit dem Schnittpunkt mehrerer Hochkulturen. Eine Geschichte, die sich in jeder Hinsicht stürmisch entwickelte. Denn die Insel stand größtenteils unter dem Joch von Eroberern und wurde erst 1960 unabhängig. Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer, Perser aber auch Osmanen und Engländer zogen die Insel immer wieder in blutige Konflikte. Die neugeborene Republik begann allerdings unter besten Vorraussetzungen. Wenige Jahre später eskalierte abermals die Gewalt und die Englische Garantiemacht zog eine „Grüne Linie“ durch Nikosia, die sich ab 1974 über die gesamte Insel ausgedehnte.

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Zypern war geteilt in den Türkischen und Griechischen Teil, so wie wir ihn heute kennen. Unsere nächste Tour planen wir im Tròodos Gebirge. Eine Wanderung zu den verheißungsvollen Kaledonia Wasserfällen. Schattiger Laubwald begleitet uns gleich zu Anfang. Dem plätschernden Bachlauf folgend stapfen wir bergan. Immer wieder überqueren wir das Nass – manchmal via Brücke, manchmal durch einen beherzten Sprung. Bereits in der Ferne vernehmen wir ein Donnern, das sich als der Wasserfall entpuppt. Über eine markante Felskante fällt der Bach stolze 15 Meter in die tiefe. Ein wunderbar beruhigender Ort zum Rasten. Wir folgen weiter dem Weg vorbei an Eichen, Ahorn, Plantanen und Erbeerbäumen. Eine große Gruppe Einheimischer kommt uns entgegen, die ohne Anlauf zu nehmen ein Gespräch beginnt. Sie geben uns Tipps, wo wir noch besonders schöne Fotos schießen könnten. Unsere Kinder spielen derweil im glasklaren Bach – Völkerverständigung kann so einfach sein. Zurück am Ausgangspunkt ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Auf dem Weg zurück nach Paphos besuchen wir das historische Bergdorf Omodos. Mit seinem entzückenden Marktplatz, der Kirche und den strahlenförmig verlaufenden gepflasterten Gassen ist es ein viel besuchter Ort. Wir lassen uns treiben, besuchen das kleine aber feine Museum, bevor wir von einem älteren Ehepaar eingeladen werden einzutreten. Von der Sammelwut getrieben, biegen sich die Regale unter der Last der Antiquitäten.

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Vom alten Karabiner über Essbesteck, Pfeifen, Bilder ist hier alles zu finden. Wir schlürfen brav einen Tee zusammen, erwerben anstaltshalber ein Häkeldeckchen und ziehen unserer Wege. Zypern ist auch berühmt für seine einzigartigen Scheunendachkirchen, die den Schutz der UNESCO genießen. Ein besonderes Exemplar ist die aus dem 11. Jh. stammende Àylos Nikòlaos tis Stègis. Die restaurierten Malereien stammen aus sechs Jahrhunderten und zählen zu den bedeutensten Kunstwerken Zyperns. Dem nicht genug besuchen wir natürlich auch die Königsgräber in Paphos, die noch aus dem 3. Jh. v. Chr. stammen sollen. Entlang dem Hafen mit seinem markanten Kastell, wo einst in biblischem Sprachengewirr Händler ihren Geschäften nachgingen, erreichen wir die Ausgrabungen der römischen Häuser.Zypern- Klaus Herzmann5Das Verfahren ist rund 6000 Jahre alt. In dem noch frischen Mörtelgrund werden kleine bunte Steine nach Farbe und Größe geordnet zu Mustern zusammengefügt. Heute erleben wir die grandiosen Ausschmückungen als Fußbodenmosaike im Haus des Dionysos, Haus des Aion und des Theseus. Darstellungen von Jagdszenen, Tieren, Göttern – unfassbar schön…

Waldreiches Tròodos Gebirge

Zyperns ist ausgesprochen abwechslungsreich. Neben herrlichen Küstenabschnitten beherrschen im Landesinneren hingegen gleich zwei von Osten nach Westen verlaufende Gebirgszüge das Landschaftsbild. Das Kyrènia Gebirge und das Tròodos Gebirge.

Zypern- Klaus Herzmann14Zypern- Klaus Herzmann9Zypern- Klaus Herzmann15Letzteres ist die Heimat des Olympos, dem mit 1952 Metern höchsten Berg der Insel. Eine Britische Radarstation der Royal Air Force wurde 1974 nach der Teilung auf dem Gipfel installiert. Von da an war der Gipfel für das gemeine Fußvolk tabu. Wir entschließen uns auf unserer letzten Tour die Region via Atalanti Trail zu bewandern. Dazu fahren wir zu Ausgangspunkt am Tròodos Square mit seinem Infocenter. Hier decken wir uns mit allem Wissenswerten ein, ziehen den Rucksack auf und folgen der Beschilderung. Die führt uns leicht bergan zum großen Busparkplatz, der nur erahnen lässt was hier in den Sommer und Wintermonaten wohl los sein muss. Wintermonate? Ja, hier befindet sich tatsächlich das einzige Wintersportgebiet auf Südzypern.

Zypern- Klaus Herzmann7Zypern- Klaus Herzmann5Eine Biegung weiter sehen wir uns von mächtigen Baumriesen umstellt. Die entpuppen sich als Schwarzkiefern, die charakteristisch für den Naturpark stehen. Einst war ganz Zypern von dichten Wäldern bedeckt. Wiederholtes Abholzen für den Schiffs- und Häuserbau hat seit der Antike den Bestand stark dezimiert. Waldbrände und das Abringen von Weideflächen taten ein Übriges. Der größte Teil des verbleibenden Waldes befindet sich heute im Tròodos Gebirge wo neben der Aufforstung die ganze Region unter Naturschutz gestellt wurde. Laura und Manuela versuchen gemeinsam einer dieser Riesen zu umarmen, mit wenig Erfolg. Erhaben recken sie sich der Sonne entgegen, zeitlos und anmutend. Breit ist der Weg zunächst und einige Kehren weiter ist auch von der Strasse nichts mehr zu hören. Auf 1700 Meter Höhe ist die Luft frisch und klar. Immer wieder laden wunderbare Rundumblicke ein zum Verweilen. Einer der Höhepunkte der Tour ist ein Baumriese mit einem stolzen Alter von beinahe 800 Jahren. Aber auch die „Chrome Mine“, die 1982 geschlossen wurde, weiß mit viel Interessantem zu punkten. Einmal überqueren wir die Hauptstrasse um direkt im Anschluss wieder in den Wald einzutauchen. Gemütlich geht es dann wieder zum Ausgangspunkt zurück und wir sind uns bewusst, dass langsam unsere erlebnisreichen Tage auf Zypern zu Ende gehen.

Ganz zum Schluss…

Die Küche Zyperns ist von vielfältigen fremden Einflüssen geprägt. Orientalische, griechische, türkische, britische, libanesisch-syrische und natürlich italienischen Komponenten sorgen für eine kulinarische Weltreise. Gaumenfreuden, die man hier beinahe überall erleben darf. Wir nehmen in einem traditionellen Lokal Platz. Brot, Oliven und leckere Dips wie Tahini aus Sesampaste mit frischem Knoblauch und Zitrone werden als Vorspeise gereicht. Aber auch gefüllte Weinbergblätter und frische knackige Salate mit Halloumi – dem typisch zypriotischen Käse.Zypern- Klaus Herzmann13Und als Hauptgang wählen wir eine „Meze“ aus Fleisch und Fisch. Wobei verschiedene Gerichte auf den Tisch angerichtet werden und sich jeder nach Herzenslust bedient. Da stehen rote Meerbarben neben gegrillten Kalamares. Die Stifado, eingelegte Rindfleischwürfel neben verlockenden Fleischbällchen und Lammkoteletts. Dazu eine Karaffe von edlem Zyprischen Wein – ein Gaumenschmaus. Bereits die Götter wussten genau wieso sie sich auf Südzypern nieder ließen. Und wir, wir durften die Insel der Aphrodite erleben als einen Ort mit freundlichen Menschen, einer unglaublichen kulturellen Vielfalt und famosen Wanderrouten, die uns noch lange positiv in Erinnerung bleiben werden.

Infopaket Trekking auf Südzypern

An-/Abreise
Direktverbindungen/mit Umsteigen von: Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln-Bonn, Wien und Zürich nach Lanarca (Südzypern). Airlines: Lufthansa, Austrian Airlines, Cyprus Airways, German Wings, Aegean Airlines – Flugzeit ca. 3 ½ Std.

Literatur/Karten (Für mehr Infos auf Bild klicken) (Werbung)

Charakter

Um ein Land von solch vielfältiger Schönheit wie Südzypern zu erkunden und kennen zulernen sollte man die Trekkingstiefel schnüren. Dabei bietet sich eine ausgesprochene Vielfalt an Touren an, die für unterschiedlich konditionierte Wanderer erschlossen wurden. Die von uns begangenen Wanderungen verlangen eine durchschnittliche Fitness und sind somit auch wunderbar von Familien mit Kindern zu bewältigen.

Routenvorschläge

1.) Aphrodite Trail: Schwierigkeitsgrad mittel. Ein Rundweg mit Start und Ziel am „Bad der Aphrodite“ auf der Akàmas Halbinsel. Länge ca. 8 km, ca. 3-4 Std. Die Tour führt über steinige Pfade zu einer der spektakulärsten Panoramen der Insel.

2.) Atalanti Trail: Start am Tròodos Square. Schwierigkeitsgrad mittel. Länge ca. 14 km, ca. 5-6 Std. Die herrliche Wanderung im Tròodos Gebirge führt rund um den „Olympos“, wo meterdicke Schwarzkiefern den Weg weisen.

3.) Kaledonia Trail: Schwierigkeitsgrad mittel. Ein Rundweg mit Start und Ziel bei Pano Platres an der Forellenfarm „Psilo Dendro“. Länge ca. 11 km, ca. 4-5 Std. Viele Flussüberquerungen machen den Trail so besonders, der unterwegs mit einem schönen Wasserfall zu begeistern weiß.

Stromversorgung

Es werden englische Steckdosen verwendet, die einen dreipoligen Adapter notwendig machen.

Landessprache

Griechisch, Zypreotisch (Dialekt aus türkisch, altgriechisch, italienisch) und Englisch

Ausrüstung

Trekkingtouren auf Südzypern verlangen ein Grundmaß an Ausrüstung: Trekkingstiefel, eine Wind/Regen abweisende Jacke, Große Trinkflasche, kleines Erste Hilfe Paket, Sonnencreme, Sonnenbrille und einen Hut/Kappe.

Beste Reisezeit

Wegen seines warmen und milden Klimas eignet sich das Land ganzjährig zum Wandern. Besonders reizvoll ist das ruhige Frühjahr wo bunte Blumenteppiche die Insel bedecken. Im Sommer hingegen können die Temperaturen leicht die 40 Grad-Marke erreichen.

Verkehr

Auf Südzypern herrscht Linksverkehr. Es pendeln auf einem gut ausgebauten Netz Linienbusse. Wir empfehlen allerdings zwecks Unabhängigkeit ein Leihfahrzeug. Das kann für wenig Geld bei einem der großen Anbieter direkt am Flughafen gemietet werden.

Infostelle

www.visitcyprus.com

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