Schweden – Trekking auf dem Bergslagsleden Teil II

Schweden verzaubert, ganz besonders dann wenn man sich seine Wanderschuhe überzieht und die Landschaften mit ihren vielen Facetten Naturnah erlebt.Tiefe Wälder, Seen und Küsten aber auch wegen den herrlichen Gebirgszügen lieben wir das Land so sehr – jetzt aber viel Spass mit Teil II auf dem Bergslagsleden.

 

Wellnessprogramm zum Nulltarif

Der alte Steindamm am See Göljan erzählt die Geschichte aus dem Jahre 1950 als der steinerne Damm brach und das darunter liegende Tal verwüstete. Der dichte Wald weicht nun größeren Freiflächen und gibt den Blick frei auf eine Art Skulpturenpark mit vielen geschnitzten Figuren die uns bis auf den Bergrücken begleiten werden. Dort oben auf auf der sauber gemähten Kuppe des Kilsbergen steht die große rote Hütte Kilsbergsstugan die allerdings nur im Winter geöffnet ist. Die Sonne scheint, der Fernblick ist wunderbar, keine Menschenseele in Sicht – hier rasten wir sehr lange und genießen die Ruhe. Wir steigen von dem Hügel ab und laufen direkt in den Wald hinein. Blankhult erreichen wir eine Stunde später.

Eine kleine Schutzhütte mit Feuerstelle springt uns ins Auge. Hier bleiben wir und müssen noch nicht einmal unser Zelt auspacken. Ich entfache ein Feuer, Laura und Manuela holen indes Wasser an der alten Schule die darunter liegt. Beim Abendessen, es gibt Steinpilztopf von Travellunch diskutieren wir lange fasziniert über dieses Schweden.

Unglaublich, dass dieses hochentwickelte Industrieland zugleich immer noch ein Land geblieben ist dessen Wildnis Refugien für all diejenigen bereithält die sich vom Stress der Hyperzivilisation erholen möchten. Wir schultern wieder die Rucksäcke und wandern zum Abstieg ins Norra Trolldalen. Unten angekommen zirkeln wir über schmale Brücken überqueren immer wieder klare Flüsschen bis wir die alte Bergmannssiedling Lockhyttan erreichen die uns den Weg nach Mogetorp weist. Wir entdecken die alten Fuhrwege wo einst das Erz aus den umliegenden Gruben in die Hütten transportiert wurde. In Gamla Pershyttan finden wir dann auch einen Bergbauort der zu einem der best erhaltensten seiner Art gilt. Die Geschichte geht hier bis in das 14. Jh. zurück und zu sehen gibt es so viel dass man sich hier leicht den ganzen Tag aufhalten könnte. Die Minen, der alte Schmelzofen, Mühle und Schlackehaufen, alte Loren, die roten Häuschen der Arbeiter. Es macht unheimlichen Spaß sich durch die Historie treiben zu lassen.

Dem Glück auf der Spur

Zuverlässig folgen wir den orangefarbenen Markierungen zum Fuße des Digerberget. Dunkle Moorlandschaften zeichnen diese Region aus die wir bis nach Ulvberget folgen. Ein steiniger Abstieg folgt und plötzlich passiert etwas mit dem wir gar nicht mehr gerechnet hätten.

Ein anderer Wanderer stapft aus dem Gebüsch und entpuppt sich als Wilfried von Bielefeld. Wir müssen alle lachen, denn genauso wie uns ist auch Ihm auf dem Track noch niemand begegnet. Wir quatschen eine Weile und da er die entgegengesetzte Richtung wandert trennen wir uns auch schon bald wieder. Den Großteil unserer 95 Kilometer haben wir geschafft.

Der Hyttfallet markiert den Anfang vom Naturschutzgebiet Järlean. Auf dem schönen Rastplatz laden wir noch einmal die Batterien für den Endspurt auf, laufen dann über das Wehr, schießen ein paar Fotos und tauchen erneut in dichten Wald ein. Erneut erklimmen wir einen kleinen Gipfel gehen auf wunderbare Seen zu wo Libellen in halsbrecherischem Tempo an der Wasseroberfläche schwirren. Wirklich eine Landschaft zum verlieben. Über so manchen Kamelbuckel nähern wir uns immer weiter dem Ziel in Uskavi.

Ein allerletzter Abstieg dann erblicken wir auch schon den funkelnden See Usken. Über den großen Menschleeren Parkplatz gehen wir auf den Hof Uskavigarden zu. Das hübsche gelb-weißgetünschte Bergwerksgebäude liegt in der Sonne und beherbergt heute das Restaurant und die Rezeption für den Campingplatz. Wir mieten uns eine Hütte am See und freuen uns schon auf eine heiße Dusche. Die Zivilisation hat uns wieder eingeholt. Aber was spricht dagegen schon bald wieder nach Schweden aufzubrechen um eine weiteres Teilstück auf dem famosen Bergslagsleden zu wandern?

Infobox

Charakter
Der Bergslagsleden durchquert die Provinz Närke bei Örebro auf einer Strecke von gesamt 280 km. Davon haben wir ca. 95 km von Süd nach Nord bewandert. Ausgangspunkt ist Leken und das Ziel erreicht man in Uskavi. Die Wegweisung ist ausgezeichnet, entweder weist das Bergslagsledensymbol den Weg oder orangefarbene Ringe an Bäumen und Pfählen. Die Wanderung ist leicht und somit auch mit der ganzen Familie zu bewältigen. 5-7 Tage sollte man einplanen, wobei unterwegs immer wieder Busstationen die Möglichkeit bieten eine Etappe zu überbrücken. Unterwegs bieten viele Annehmlichkeiten wie Unterstände, feste Grillstationen und Schuppen mit Feuerholz ungeahnten Komfort.

Bücher und Karten (Werbung)

Kostenlose Kartenblätter der einzelnen Etappen (5-11) erhält man im Tourismusbüro in Örebro und in den Outdoorshops.

Ausrüstung
Zu der richtigen Ausrüstung gehören: Atmungsaktive und Wasserundurchlässige Bergschuhe, Goretex Jacke, Rucksack, Zelt, Schlafsack und Kochequipment, Trinkflasche, Erste Hilfe Paket, Regenkleidung, Lotion gegen Stechmücken. Es empfiehlt sich den Grossteil an Proviant mitzuführen, da Einkaufsmöglichkeiten spärlich gesäht sind.

Beste Reisezeit
Die geeignete Reisezeit liegt in den Monaten zwischen Mai-Oktober.

Anreise

Auto: Die Stena Line Fähre pendelt mehrmals wöchentlich zwischen Kiel und Göteborg www.StenaLine.de
Von Göteborg bis nach Örebro dauert die Fahrt ca. 4 Std. Hier lässt man am besten sein Auto stehen und nimmt den Bus Nr. 500, der täglich zum Ausgangspunkt in Leken fährt.

Flugzeug: Tägliche Flüge z.B. von Frankfurt mit Scandinavian Airlines nach Örebro mit einem Zwischenstopp in Kopenhagen ca. 5 Std.

Übernachtung

Örebro, Clarion Hotel, Tel. 0046/19 670 67 00 www.nordicchoicehotels.se/clarion/clarion-hotel-orebro

Ferienpark in Uskavi, Tel. 0046/587 330025 www.uskavi.se

Am Etappenende bieten oftmals Unterstände (auf drei Seiten geschlossen) die Möglichkeit der Übernachtung. Oder man baut das Zelt auf und beruft sich auf das Jedermannsrecht, was als ungeschriebenes Gesetz in Schweden gilt. Allerdings muss man seinen Müll mitnehmen, sollte nicht stören und Privatgrundstücke akzeptieren.

Währung
1,05 Euro = 10 Schwedische Kronen (Stand Mai 2018)

Infostelle
www.bergslagsleden.se
www.visitorebro.se
www.theheartofsweden.com
www.visitsweden.com

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