Der AhrSteig

Zerklüftete Felsen und hoch aufsteigende Weinlagen dekoriert mit malerischen Burgen – so präsentiert sich den Besuchern das Ahrtal. Nicht umsonst gilt es als eines der landschaftlich reizvollsten Höhepunkte Deutschlands. Im Tal bahnt sich die Ahr ihren Weg hin zum Rhein und über die Höhen. Da lockt der AhrSteig mit unvergesslichen Landschaftspanoramen.

 

Die Ahr entspringt unspektakulär in einem Fachwerkhaus mitten in Blankenheim. Seit Jahrhunderten wird sie besungen, von Dichtern schwärmerisch als eines der bemerkenswertesten Flüsschen beschrieben. Teils unberührte Landschafts- und Kulturräume, die in jedem Jahr aufs neue Tausende von Urlaubern und Sportbegeisterten an die Ufer locken. Winzergemeinden schmeicheln sich indes an die oft schroffen, steil aufragenden Rebenhänge, wobei prächtige Burgen bis heute das Naturerlebnis behüten. 2012 wurde dann der AhrSteig eröffnet. Etwa vier Jahre lang bestand er aus zwei großen Teilstücken mit Verbindungswegen bis im Jahre 2016 der Lückenschluss gelang. Das Ahrgebirge ist ein Teil der Eifel. Und Wissenschaftler und Vulkanologen sind sich einig: Der nächste Vulkanausbruch in Deutschland findet garantiert in der Eifel statt. Wann das sein wird weiß freilich niemand. Sicher ist jedoch, dass man sich die Region vorher angesehen haben sollte, am besten in Wanderschuhen und mit dem Rucksack auf dem Rücken – es lohnt sich.

Sagenumwobenes Ahrtal

Langsam rollt die beinahe Menschen leere Ahrtalbahn in den Kreuzberger Bahnhof ein. Kreuzberg, das sind 700 Einwohner, also eine kleine Gemeinde, die sich im 12. Jahrhundert hoch über dem Ort auf einem Felskegel sogar eine Burg gönnte. Ein prächtiges Bollwerk, deren Besonderheit sich dadurch auszeichnet die einzige noch bewohnte Höhenburg im Ahrtal zu sein.

 

 

 

 

 

Wir durchlaufen den Ort, folgen dem Schild des roten AhrSteig-Logos auf weißem Grund und stehen schnell am Waldrand. Ein schmaler Pfad führt bergan, steil bergan. Knorrige Eichen begleiten uns bis auf den ersten Höhenrücken. Dort wo uns der Forst wieder freigibt spüren wir nackten Fels unter den Sohlen. Die grandiose Fernsicht belohnt für den ersten Wadenbeißer. Und der nächste lässt auch nicht lange auf sich warten. Das Teufelsloch. Der Pfad entfernt sich etwas von der Hauptroute, es wird abermals steiler und es bedarf an Trittsicherheit. Wie aus einem Märchenbuch kopiert tut sich das Felsenloch vor uns auf. Schreitet man hindurch, steht man unmittelbar auf einer kleinen Kanzel, die einen grandiosen Panoramablick freigibt. Wir können uns gar nicht satt genug sehen – die Sonne scheint, die Wanderbedingungen sind optimal.

Einst suchte der Teufel die Ahr auf und fand schnell gefallen an Land und Leuten aber vor allem am erstklassigen Rotwein. Darüber vergaß er seine Heimkehr. Eines Tages näherte sich auf dem Berg gegenüber der Burg Are seine Großmutter in der Gestalt einer wunderschönen Jungfrau. Verliebt schloss er sie gleich in die Arme worauf sie sich zurückverwandelte. Wütend packte er die Großmutter und schleuderte sie durch die Felswand hinunter in die Hölle. So entstand das Teufelsloch auf dem AhrSteig, einer Wegmarke von der wir uns nur schwer lösen können.

Burg ahoi

Nach dem kurzen Abstieg zurück auf die Hauptroute schlängelt sich der Weg nun weiter zum schwarzen Kreuz.

Ein grandioser Aussichtspunkt mit kleiner Schutzhütte. Im Tal liegt Altenahr darüber präsentiert sich pittoresk die Ruine der Burg Are aus dem 11. Jahrhundert. Unser Blick schweift über die hoch aufragenden Bergrücken. Außer uns scheint niemand unterwegs zu sein. Gemütlich steigen wir über Schieferplatten hinunter ins Langfigtal.

 

 

 

 

 

An der Ahr angekommen überqueren wir die Brücke schwenken nach links und folgen der Beschilderung zum nächsten Anstieg. Umso höher wir kommen, umso herrlicher werden die Fernsichten. Überboten wird die Kulisse nur noch von der Saffenburg. Die zeigt sich als hochmittelalterliche Höhenburg auf 253 m ü. NN gelegen und gehört zu der Ortsgemeinde Mayschoß. Der Ort kann auf eine lange Geschichte des Weinanbaus zurückblicken. In Mayschoss wurde bereits 1868 die erste Winzergenossenschaft der Welt gegründet.

 

 

 

 

 

Und wer viel Zeit im Gepäck hat, dem empfehlen wir den Abstecher in den historischen Weinkeller mit der Verkostung eines edlen Tropfen versteht sich. Rech und Dernau liegen auf unserem weiteren Weg hoch hinauf zum Krausberg, der mit seinem überragenden Aussichtsturm zu punkten weiß. Wir rasten ausgiebig, verzehren einen Teil des Proviants und sind begeistert, was wir bis jetzt alles in einem Seitental des Rheins erleben durften.

Von Höhepunkt zu Höhepunkt

Das reizvolle Tal der Ahr gehört zu den kleinsten Weinanbaugebieten Deutschlands und gilt unter Kennern als die Heimat erlesener samtiger rubinroter Weine. Die tragen so schöne Namen wie: Blauer Portugieser oder Blauer Spät- und Frühburgunder. Weißwein gibt es natürlich auch. Wobei hier Riesling, Müller-Thurgau und Weißburgunder für den richtigen Gaumenkitzel sorgen. Die klimatisch optimalen Bedingungen sind gegeben. Das wussten bereits die Römer, die hier die ersten Reben in die erstaunliche Landschaft eingruben. Landschaften, dramatisch und doch romantisch zugleich, wenn man in die tiefe Kerbe vorstößt, die sich die liebliche Ahr gegraben hat. Wiederholt geben die Wälder auf den Höhen nacktes Gestein frei. Basaltriegel legen sich quer und Vulkankegel ragen hoch auf. Enge Flusskehren, Schieferterassen und Felsschluchten. Und das alles fast unmittelbar vor unserer Haustüre. So erreichen wir Waldporzheim, das sich wie so viele andere Winzerorte zu präsentieren weiß. Schattige Auenwälder, verwunschene Pfade und kleine Holzbrücken begleiten uns zum Kloster Kalvarienberg.

 

 

 

 

 

Ein von dem Ursulinen Orden geführtes Kloster oder besser gesagt wurde geführt, den der Orden hat unlängst aus Altersgründen, Nachwuchsmangel und wegen seiner schlechten wirtschaftlichen Lage nach 178 Jahren den Ahrweiler Kalvarienberg verlassen.

 

 

 

 

 

Ahrweiler hat darüber hinaus viel zu bieten. Ein Fachwerkidyll wie gemalt, eine Stadt mit ihren in vielen Farben leuchtenden Fachwerkhäusern – die Historie für Jedermann greifbar macht. Der Stadtmauerring mit seinen vier mächtigen Stadttoren weist in alle Himmelsrichtungen. Eine wunderbare Altstadt, die gotische Hallenkirche St. Laurentius, das alte Rathaus, Fachwerkhäuser, deren Erker von aufwändig figurengeschnitzten Balken gehalten werden. Die Weinfeste legendär.

 

 

 

 

 

Und vor den Toren, da liegt der ehemalige Regierungsbunker, heute ein Museum. Die Wandlung vollzog der Bunker im März 2008 als er zur öffentlichen Dokumentationsstätte ernannt wurde. Gäste können heute das für den im Ernstfall damals erbaute Objekt während einer Führung erkunden. Tonnenschwere Schutztüren, historische Originale begleiten durch die spannungsvolle Geschichte des Ost-West-Konflikts. Und nur wenig davon entfernt liegt die Römervilla am Silberberg. Ein archäologischer Fundplatz. Der dokumentiert die Jahrhunderte lange wechselnde Nutzung von der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bis ins Frühmittelalter. Ein Rundgang durch die antiken Räume vermittelt einen außergewöhnlichen Einblick in das provinzialrömische Leben vor fast 2.000 Jahren. Einen Steinwurf entfernt liegt Bad Neuenahr. Angekommen! Hier wandern wir nicht weiter, hier bleiben wir über Nacht. Die Doppeletappe von Kreuzberg aus hatte es wirklich in sich. Die wunderbare Ahrtherme mit ihrem heilkräftigen Wasser und ein Besuch in der Saunalandschaft wecken schnell neue Lebensgeister. Wieder frisch und munter steht auch nun dem letzten Teilstück auf dem AhrSteig nach Sinzig nichts mehr im Wege.

Immer in Richtung Rhein

Eine geruhsame Nacht, dazu ein fabelhaftes Frühstück – was braucht man mehr als Wanderer?

Dazu blinzelt animierend die Sonne zum Fenster hinein. Wir drehen Bad Neuenahr den Rücken zu und gehen zum Waldkletterpark wo uns bereits der erste Steilanstieg zum Neuenahrer Berg erwartet. Belohnt werden wir mit grandiosen Landschaftspanoramen ins Ahrtal mit seinen üppigen Weinbergen. Waldpfade, Felder und Wiesenlandschaften gehen nun Hand in Hand in das Idienbachtal über. Wir passieren Orte wie Heimersheim, Ehlingen und gelangen über Weinpfade hinauf zur Ehlinger Ley. Ein ständiges Auf und Ab folgt bis wir den Höhenzug des Mühlenbergs erreichen. Wir erklimmen den Feltenturm, der den Blick auf unser Ziel in Sinzig sowie auf Vater Rhein freigibt.Jetzt geht’s nur noch steil bergab in die Barbarossastadt. Den klangvollen Beinamen hat sie sich durch die vielen Aufenthalte von Kaiser Barbarossa verdient. Zeugnis davon legt bis heute das Barbarossadenkmal im Park ab. Gegenüber liegt denn auch das auf den Grundmauern einer alten Wasserburg erbaute prunkvolle Schloss Sinzig. Wir stehen am Ziel grandioser Wandertage auf dem AhrSteig, den wir in seiner Vollkommenheit einfach jedem Natur- und Trekkingfreund ans Herz legen möchten.

Infokasten

Streckencharakter

Der Prädikatswanderweg AhrSteig führt mit einer Strecke von rund 100 Kilometern von der Ahrquelle in Blankenheim bis zur Mündung in Sinzig. Dabei gliedert sich die Route in einen blauen und einen roten Teil. Über den konditionell anspruchsvollen 48 Kilometern langen roten Abschnitt von Kreuzberg nach Sinzig wird hier berichtet. Der Steig fordert ein gutes Maß an Trittsicherheit und Kondition, ist lückenlos beschildert wobei 2-3 Tage Wanderzeit einzuplanen sind.

Anreise

Mit der Bahn: Von Koblenz oder Bonn aus fahren Züge im Stundentakt zum Ausgangspunkt in Kreuzberg.

Mit dem Auto: Wer mit dem eigenen Auto anreist, dem bietet sich die Möglichkeit am Ausgangspunkt oder am Ziel seinen PKW zu parken und mit der Ahrtalbahn zu gewünschtem Ort zu fahren. Anfahrt Kreuzberg: Von Köln oder Koblenz auf der A61 Meckenheimer Kreuz/Gelsdorf auf der B257 an das Ziel.

Literatur

Übernachtung

Hotel Ahrbella, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel.: 02641/7500-0, www.ahrbella.de

Infos
Ahrtal-Tourismus e.V.
 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: 02641/9171-0, www.ahrtal.de
www.ahrsteig.de

Ausrüstung

Festes Schuhwerk, Tagesrucksack mit Proviant und Trinkflasche, Sonnenschutz, Mütze, kleines Erste-Hilfe-Päckchen.

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