Der Mühlenweg am Wiehengebirge Teil II

Draußen rauscht seit Menschengedenken wild und ungezähmt der Mühlbach und treibt dabei das übergroße Wasserrad mit seinem Eisenkranz und Holzschaufeln an. Drinnen bewegen sich die tonnenschweren Mühlsteine im Rhythmus – die verbleibende Strecke hat wirklich allerhand zu bieten, lasst Euch überraschen…

 

Schloss, Land, Fluss

Die Schmittenhöhe ist mit 157 Metern die höchste Erhebung auf dem Mühlenweg. „Das hätten wir schon einmal geschafft“, schmunzelt Manuela und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Trinkflasche.

 

 

 

 

 

 

Im Auf- und Abwärtsgang ziehen wir weiter des Weges Schloss Barenaue entgegen. Ein wirklich repräsentatives Bauwerk, das nur erbaut wurde, weil die Alte unweit gelegene Burg zu klein wurde. In den Kriegswirren diente das Schloss den Besatzungsmächten, später war es ein Seniorenheim und heute befindet es sich in Privatbesitz.

Wirklich überraschend hingegen zeigt sich die Wasserburg Alt Barenaue. Dahin gelangen wir über einen von knorrigen stark geneigten Linden flankierten Damm. Schenkt man der Geschichte Glauben, so diente das Gehölz früher den Rittern nach Trinkgelagen als Ort zum Anlehnen. Dann taucht die weiß getünchte Burg vor unsern Augen auf. Wunderbar. Eine bruchsteinerne Bogenbrücke führt zum Haupteingang. Das ganze Ensemble spiegelt sich im Wasser wider. Die Sonne scheint – wie aus einem Bilderbuch. Dort wo uns der Wald wieder freigibt überqueren wir alsdann den Mittellandkanal, streifen einen Wanderparkplatz, laufen bergan und erreichen den Aussichtsturm Venner Berg.

 

 

 

 

 

Der Aufstieg ist schnell gemeistert, die Aussicht in die Region einfach nur großartig. Dann geht’s bergab nach Venne. Hier gibt es viel zu entdecken: Schöne Fachwerkbauten auf der Mühleninsel, Eisenzeithaus und das Waffelmuseum. Letzteres erzählt die Geschichte des Waffelbackens vom 15. Jahrhundert bis heute. Die Schauräume bieten die größte Back‑Eisen‑Sammlung der Welt. Darunter Unikate wie ein spanisches Backoblateneisen aus dem 16. Jahrhundert und anschauliche Präsentationen bis hin zur industriellen Backproduktion. Und die kann sich sehen lassen, denn nebenan befindet sich die größte und auch modernste Backlinie Europas.

Geschichte zum Anfassen

Beeindruckt drehen wir Venne den Rücken zu und peilen einen ganz anderen Höhepunkt auf dem Mühlenweg an. In Driehausen lassen sich Spuren der menschlichen Besiedlung bis zu Beginn der Jungsteinzeit vor etwa 4.000 vor Christus entdecken. Ein Großsteingrab, das nicht das einzige auf der Route bleiben soll. Denn in Vehrte geht die Reise in die Vergangenheit gleich weiter. Nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen hier im Laubwald der so im Volksmund genannte Teufels Backtrog und Teufels Backofen. Hier pausieren wir eine Weile bevor wir der Beschilderung zum nächsten Höhepunkt folgen.

 

 

 

 

 

 

 

Der ist auch gar nicht so weit entfernt, nennt sich Süntelstein und soll früher als Kultstelle gedient haben. Dann wird der Waldweg breit, der Forst wechselt hin zur offenen Feld- und Wiesenlandschaft. Vereinzelt stehen Häuser umher bevor wir erneut in dichten Wald eintauchen. Wir müssen etwas suchen, aber bald ist der Butterstein auf dem Gattberg entdeckt. Der größte Granitblock im Osnabrücker Land. Man sagt hier kamen die Germanen zum Burggericht zusammen.

Die Runde schließt sich in Wallenhorst

Auf der letzten Etappe wandern wir auf den Spuren des Sachsenherzogs Wittekind, die an seine berühmten Streifzüge erinnern. Ein Kultur-Historischer Höhepunkt bildet dabei die Wittekindsburg in Rulle.

 

 

 

 

 

 

Die ist eine frühgeschichtliche Befestigungsanlage und besteht aus mehreren heute noch zu erkennenden Systemen aus Gräben und Wällen. Hierhin soll sich der Anführer 783 nach einer verlorenen Schlacht vor den fränkischen Feinden zurückgezogen haben. Ein schmaler Pfad führt nun hinab ins Nettetal direkt zu einer Oldtimermühle. Die Wassermühle soll so sagt man noch in die Gründerzeit Karls des Großen reichen. Heute wird hier Vollkornmehl produziert. Damit ist die Mühle der einzige Wassermühlenantrieb im Osnabrücker Land, der mit seiner historischen Anlage Vollkornmehl herstellt. Im angrenzenden Restaurant stärken wir uns für die letzte Strecke zurück zum Ausgangspunkt.

Dabei markiert dominant und prachtvoll die Lechtinger Windmühle in einer offenen Wiesenlandschaft. Die zeigt sich als Holländerwindmühle. Regional auch Kappenwindmühle genannt, weil sie mit einer drehbaren Haube oder Kappe sich richtig und effizient mit ihren Flügeln in den Wind drehen kann. Heute geöffnet! Die Mühlenfreunde werkeln an der Einstellung der Mühlensteine herum, andere managen den Verkauf von Mehl, Getreide und Naturprodukte aus der Region. Einfach wunderbar. Von hier setzen wir den Schlussspurt zurück nach Wallenhorst und beschließen die tollen Wandertage auf dem Mühlenweg.

Infos zum Mühlenweg

 

Charakter
Der Mühlenweg in ein rund 100 Kilometer langen Rundweg im Wiehengebirge. Dabei begleitet den Wanderer als Wegweisung ein weißes „M“ auf schwarzem Grund. Teilweise findet sich auch der Buchstabe aufgemalt und gut sichtbar an Bäumen wieder. Die Route führt über Wald-, Wiesen- und Forstwege aber auch über asphaltierte Bahnen, die allerdings die Ausnahme bleiben. Einen ganz besonderen Service bietet das Hotel Lingemann in Wallenhorst an: Wanderer können sich hier einquartieren und werden täglich zum fortlaufenden Ausgangspunkt gebracht und nach der Etappe wieder abgeholt.

Karten
Wanderkarte Mühlenweg im Wiehengebirge, 4,80 Euro zzgl. Versandkosten – oder als Selbstabholer vor Ort.
Zu beziehen bei: Rathaus der Gemeinde Wallenhorst, Rathausallee 1, 49134 Wallenhorst, Tel.: (05407) 888-0, oder Tourismus- und Tagungsservice Osnabrück | Osnabrücker Land, Bierstraße 22-23, 49074 Osnabrück, Tel.: (0541) 323 4567

Ausrüstung
Als Ausstattung empfehlen wir: Leichte Wanderschuhe mit Profilsohle, (Tagesrucksack bei einer Pauschalbuchung mit Fahrservice), Tagesproviant, Trinkflasche, Erste Hilfepaket, Regenkleidung, Sonnenschutz.

Anreise

PKW:
Wegen dem Rundkurs bietet sich die Anreise mit dem eigenen PKW nach Wallenhorst an. A1 Abfahrt Osnabrück Nord/Wallenhorst Nr. 70. Auf die L 109 in Richtung Ostercappeln. Nach 3 km auf der linken Seite.
Bahn:
Wallenhorst hat keine eigene Bahnanbindung. Der nächste Bahnhof ist ca. 1 km westlich der Gemeindegrenze bei Halen in der Gemeinde Lotte gelegen. Komfortabler fährt man mit dem Zug bis Osnabrück und nimmt den Bus Nr. 584 Hasetor/Altstadt nach Wallenhorst.

Weitere Infos: www.bahn.de

Infostellen
Tourismusverband Osnabrücker Land e.V., Tel.: 0541-323-4567, www.osnabruecker-land.de, www.muehlenweg-am-wiehengebirge.de
Natur- und Geopark Terra.vita, Tel.: 0541-501-4217, www.naturpark-terravita.de

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