Wandern im Ferienland Bernkastel-Kues

Steile Weinberge, kleine Dörfer und die grenzenlose Gastfreundschaft – all dies fasziniert den Besucher des Moseltals. Burgen und Ruinen winken an jedem Knick des windungsreichsten Flusses herab. Und an der Mittelmosel, ja da liegt das Schmuckstück Bernkastel-Kues, das mit seinen vielen herrlichen Wanderwegen so manches Natur-Erlebnis bereithält.

 

Das Moseltal ist ein gemütlicher Flecken Erde. Millionen Rebstöcke, Flussschleifen wie gemalt und die meisten Sonnenstunden im Jahr locken Menschen aus aller Herren Länder an den Strom. Unter Wanderfreunden kein Neuling mehr ist dabei der Moselsteig. Der bildet auf spektakulären 365 Kilometern Länge von Perl nach Koblenz die Klammer für Kunst, Kultur und einer ausgezeichnete Gastronomie. Dabei weniger bekannt sind die vielen sogenannten „Seitensprünge“, ein Potpourri an Premium-Rundwegen. Die liegen in malerischen Seitentälern rund um Bernkastel-Kues versteckt und gewähren auf phantastische Weise völlig neue Weitsichten auf eine der beliebtesten Flusslandschaften in Deutschland. Vier davon haben wir unter die Sohlen genommen.

Zum Besuch beim Kardinal

Bernkastel-Kues ist die Stadt des berühmten Kardinals und Gelehrten Nikolaus von Kues oder auch Nikolaus Cusanus genannt, einem der Begründer des deutschen Humanismus. Gleich vor der Moselbrücke, die die beiden Stadtteile verbindet, liegt links die weitläufige Anlage des Cusanus Stifts, benannt nach dem Sohn der Stadt.

Schlendert man hingegen durch Bernkastel, so führen direkt alle Wege zu dem stimmungsvollen gepflasterten Marktplatz, der alle Vorstellungen von einem idyllischen Moselstädtchen erfüllt. Denn hier gruppieren sich die Häuser mit Fachwerk im moselfränkischen Stil wie aus einem Bilderbuch: Michaelsbrunnen von 1606, Renaissancerathaus von 1608, das Spitzhäuschen aus dem 15 Jh. und die Pfarrkirche St. Michael aus dem 14. Jh. – um nur wenige zu nennen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Marktplatz ist auch der Ausgangspunkt für unsere ersten Wanderungen in der Region. Dabei soll der „Bernkasteler Bärensteig“ den Anfang machen. Tatsächlich geht’s gleich durch die Wälder der Moselrandhöhen bärenstark aufwärts. Umso höher wir steigen, umso öfter genießen wir die wunderbaren Landschaftspanoramen – die Burg Landshut mitten drinnen. Wo uns der Wald wieder freigibt erreichen wir eine große Wiese – in der Ferne der Höhenrücken von Hunsrück und Eifel. Durch das Kallenfelsbachtal folgen wir dem Pfad zurück zum Ausgangspunkt. Aber wieso eigentlich Bärensteig? Eine Sage berichtet, dass der Ort Bernkastel von dem Namen „Bärenkessel“ hergeleitet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Namensgebung verdanken wir dem Trierer Erzbischof, der nach einem Abenteuer mit Meister Petz diesen Ort an der Mosel gründete. Dem Bär, dem begegnen wir hier in unterschiedlichsten Variationen: So im Stadtwappen aber auch als Brunnenfigur in der Graacher-Strasse in der Altstadt.

Wandern macht glücklich – Moselwein aber auch!

Wandern, das ist pures intensives Naturerlebnis. Dem Lauf eines geheimnisvollen Pfades folgen, hier und dort inne halten, Stille, Poesie und Inspiration zugleich. Das verspricht auch der nächste Rundweg mit dem klangvollen Namen „Burg-Olymp-Tour“. Der Schlossweg führt zunächst bergan durch die Weinberge, entlang der Kreuzwegestationen bis hinauf zur St. Anna Kapelle. Das im Jahr 1615 erbaute Bethaus war lange Anlass für den Bernkasteler Feiertag – den Annatag. Einen kräftigen Schluck Wasser aus der Trinkflasche dann stapfen wir auch schon weiter den kurvenreichen steilen Waldweg über die „Bismarcksruh“ auf die „Wilhelmshöhe“. Die Fernsicht wird nur noch von der des „Olymp“ übertroffen. Kein Wunder, denn mit 415 Metern ist er die höchste Erhebung zum Hunsrück hin. Hier rasten wir ausgiebig auf einer Bank, genießen alles was Mutter Natur kostenfrei zu bieten hat – nämlich unendliche Ruhe und Wohlgefühl. Erst dann steigen wir ab und nehmen die Burg Landshut umgeben von Weinstöcken in den Fokus.

Das Bollwerk wurde erstmals im 4. Jh. n. Chr. als römisches Castel erwähnt. Seit einem tragischen Brand 1682 wurde die Ruine unlängst in dreijähriger Arbeit saniert, ausgebaut und beherbergt heute ein gepflegtes Restaurant. Und vom Burgfried aus, ja da genießt man den wohl schönsten Blick weit über die Moselstadt und die übrige Region.
„Gruß dir Mosella, erhabene Mutter der Reben und Männer…!“, so pries schon im Jahre 374 v. Chr. der römische Magnus Antonius als erster Dichter die Mosel und dies zu recht. Riesling, Müller Thurgau – das sind Begriffe, die immer in einem Atemzug genannt werden. Aber auch die Geschichte von einem todkranken Kleriker, der Heilung durch einen Becher Moselwein erfuhr. Dieser Sage verdankt der „Bernkasteler Doctor“ seinen Namen. Eine Gaumenfreude, die sich zu den berühmtesten Tropfen Deutschlands zählen darf.

 

 

 

 

 

Den zu probieren ist uns in der Vinothek vergönnt, wo auch noch weitere 130 Weine und Sekte von Winzern der Mittelmosel nicht nur präsentiert, sondern auch verkostet werden dürfen. Der Abschluss des Tages gipfelt für uns kulinarisch im Restaurant St. Maximilian. Dort philosophieren wir noch lange über Kelten und Römer, die vor 2000 Jahren die ersten Reben an der Mosel pflanzten und damit die Region zum ältesten Weinanbaugebiet in Deutschland werden ließen.

Der Seitensprung vom Seitensprung

Die Nächste unserer Wanderungen im schönen Tal der Mosel beginnt in Lieser auf der anderen Moselseite. Das liegt nur wenige Kilometer entfernt wohin wir uns mit einem Shuttle befördern lassen. „Vom Urstrom zum Strom“, so lautet diese rund 17 Kilometer lange Tour, die ebenso wie die vorangegangenen auch als Rundkurs angelegt wurde.

Am Marktplatz in Lieser schultern wir die Rücksäcke und peilen umringt von Weinbergen die Paulskirche an. Eine Wallfahrtsstätte deren erhöhte Lage beste Einblicke in die Trockentäler, ebenso die Geschichte des Mosellaufs und deren spätere spannende Entwicklung gewährt. Ungefähr 350 000 v. Chr. verfolgte der Strom einen anderen Verlauf als wir ihn heute kennen. Wo dieser vorgeschichtliche Flusslauf allerdings verlief, sind Wasserreichtum und Fruchtbarkeit geblieben.

Nächster Etappenziel ist das sehr schöne Dreifaltigkeitskreuz, wo wir einen kurzen Fotostopp einbauen. Die Schutzhütte nebenan bietet uns die Gelegenheit kurz zu verschnaufen bevor es auf gut ausgebauten Wegen zum Weinort Wehlen mit seinen üppigen Streuobstwiesen geht. Hier wartet mit dem „Wehlener ObstArtWeg“ nicht nur für die kleinen Wanderfreunde eine besondere Überraschung. Erlebnisstationen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht wecken Interesse für die Natur und alles was darin lebt. Besonders gut gefällt uns der Bienenstock, der sich von hinten mit einer Klappe öffnen lässt und wir durch eine Glasscheibe das innere Treiben bewundern können. Durch das Wehlener Naturschutzgebiet geht’s weiter voran hinauf auf das Kueser Plateau mit seinem über die Grenzen hinaus bekannten Kliniken. Am Cusanus-Hofgut vorbei, entlang endloser Pferdekoppeln gelangen wir wieder in Schatten spendenden Wald hinein.

 

 

 

 

 

Dort wartet bereits der Walderlebnispfad mit vielen erlebnisreichen Stopps: Fühlen, tasten, hören und riechen – wir erfahren viel über die Ökologie des Waldes und dessen Bedeutung für Mensch und Tier. Erst dann nehmen wir die letzte Strecke zurück nach Lieser unter die Sohlen.

Kann Kino schöner sein?

Die Bernkasteler Schweiz ist vielleicht die kleinste Schweiz Deutschlands, wenn nicht sogar der ganzen Welt – so lesen wir es im Prospekt unserer letzten Wanderung, die wir wieder im Herzen von Bernkastel beginnen.

Dazu laufen wir bis hinauf zum Burgbergtunnel, überqueren die Ampelkreuzung und folgen der ausgezeichneten Beschilderung hinein ins Tiefenbachtal. Dem Pfad folgend erreichen wir den spektakulären Wasserfall, wo das Nass tosend in den Kessel stürzt. Steil darüber zeigt sich pittoresk auf einem Felszacken das Tinkeler Heiligenhäuschen. Der schattige Pfad navigiert uns steil bergan zur „Bärenhalde“ und gewährt erste Blicke auf das „Goldene Kreuz“ inmitten weitläufiger Eichenwälder. Wir genießen jeden Schritt, die Ruhe, die Natur. Und bevor wir uns versehen stehen wir auf dem Aussichtsfelsen Bresgensruh. Auf den teilweise bizarr geformten Felsnasen sitzt man dort immer in der ersten Reihe!

Wir genießen das Programm in vollen Zügen, riechen den würzigen-herben Duft der Nadelhölzer und vergessen die Welt. Inmitten von Wald und Wiesenlandschaften peilen wir das „Steinerne Kreuz“ an, das uns den sicheren Weg zurück nach Bernkastel weist. Ein besonderes Highlight haben wir uns allerdings bis zum Schluss aufbewahrt. Der Besuch beim „Bonbon Willy“ alias Willi Maas. In seiner historischen Bonbonmacherei produziert der Zuckerbäcker-Meister wie vor 100 Jahren Bonbons und Lutscher unter den staunenden Augen der Besucher. Den wunderbaren Tag ausklingen lassen wir gemütlich im alten Bahnhof Cues bei einem leckeren selbstgebrauten Cusanus Bräu Bier. Indes legen wieder neue Schiffe auf der Mosel vor der grandiosen Kulisse des Fachwerkidylls an, darüber thront Burg Landshut – einen Anblick, den wir gerne in absehbarer Zeit wieder genießen möchten.

Infobox Wandern im Ferienland Bernkastel-Kues

Charakter

Die Premium-Wanderwege im Ferienland Bernkastel-Kues zeichnen sich durch eine exzellente Wegeführung und lückenlose vorbildliche Beschilderung aus. Für den ungetrübten Wanderspaß empfehlen wir bei den vorgeschlagenen Touren ein Grundmaß an Kondition.

Touren

1.) Moselsteig-Seitensprung Bernkasteler Bärensteig
ca. 6,5 km
2.) Burg-Olymp-Tour ca. 7,5 km
3.) Mosel-Wanderweg in Lieser: Vom Urstrom zum Strom ca. 17 km
4.) Ferienland-Wanderweg – Bernkasteler Schweiz ca. 11 km

Anreise

Auto: Die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug bietet sich an, da die Rundtouren den Start/Zielpunkt in Bernkastel-Kues markieren (abgesehen von Tour 3). Für die Anreise von Norden und Osten über die Autobahn A 1. Ausfahrt Wittlich-Mitte und weiter über die Bundesstraße B 50 bis an die B 53 auf Höhe von Kloster Machern. Von Süden und Westen kommend verlässt man die A 1 an der Ausfahrt Salmtal und nimmt ab hier die Landstraße L 47 ans Ziel.

Bahn: Der nächste Bahnhof ist in Wittlich, ca. 15 Kilometer von Bernkastel-Kues entfernt. Vor dem Bahnhofsgelände fahren die Busse nach Bernkastel-Kues ab (Fahrzeit ca. 20 Minuten).

Literatur (Werbung)

Infobroschüren können direkt kostenfrei über die Touristinformation in Bernkastel-Kues bezogen werden.

Infos
Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues GmbH
Gestade 6, 54470 Bernkastel-Kues, Tel.: +49(0)6531/500 19-0, www.bernkastel.de

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