Norwegen-Trekking in den Lofoten

Die Inselgruppe der Lofoten zählt mit ihren Landschaftsbildern zu den imposantesten Naturerlebnissen Europas. Berge recken sich wie Denkmäler aus dem Nordmeer gen Himmel. Einsame Küsten grüne Wiesen und idyllische Fischerdörfer, dazu die frische Luft und das kristallklare Wasser sind Garant für pures Wohlgefühl.

 

Allein die wunderbare Lage der Lofoten bringt Freunde der norwegischen Landschaft und Kultur zum Schwärmen. Nur 100 bis 300 Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernt schuf der Atlantik eine der wohl beeindruckensten Küstenlinien Skandinaviens. An die 80 Inseln zählen zu den Lofoten und es heißt im Volksmund – wer diese Region gesehen hat, der hat auch Norwegen gesehen. Vom Festland aus wird die Inselgruppe durch den bekannten Vestfjord getrennt, wobei diese durch Brücken und Tunnel miteinander verbunden werden. Dabei blickt die Region auf eine äußerst bewegte Vergangenheit zurück. Auf Menschen, die sich bereits vor tausenden von Jahren ansiedelten. Man lebte vom Fischfang und der Jagd und daran sollte sich auch bis in die Gegenwart nichts ändern. Heute gilt die Inselgruppe zudem als Perle für Sportbegeisterte, nicht zuletzt bei denjenigen, die gerne mit dem Rucksack die Bilderbuchlandschaften entdecken möchten.

Hier der Weg – dort das Ziel

Gelassen rollen wir gen Norden. Wir durchqueren den reizvollen Jotunheimen Nationalpark, und genießen das Jedermannsrecht in freier Natur. Umso näher wir unserem Ziel kommen, umso kälter werden die Nächte.

Über die E6 und den Saltfjell erreichen wir das Polarkreiszentrum. Wir gönnen uns eine Pause bei einem dampfenden Kaffee in dem kleinen Museum, das so manch Wissenswertes bereithält. Ein Erinnerungsfoto am Monument, dann geht’s gemütlich weiter nach Bodo. Da wartet bereits die Fähre in die Lofoten. Nach nur vierstündiger Überfahrt schiebt sich Moskenes in das Landschaftsbild. Hingewürfelt, ja teilweise dramatisch, klammern sich hier die Holzhäuser an die Klippen. Bunte Fischkutter schaukeln indes in den schäumenden Wellen. Es stürmt und regnet so heftig, als wollten uns die Naturgewalten die Vorfreude auf das Trekkingerlebnis nehmen. Gut haben wir eine schöne warme Holzhütte in Reine, mit Blick in den Fjord, gebucht. Die Wolken hängen tief, Panoramablick Fehlanzeige. Einzig die Hochglanzprospekte an der Rezeption gewähren einen ersten grandiosen Eindruck auf diesen wunderbaren Flecken Erde.

Alles eine Geduldsfrage

Das Prasseln des Regen auf dem Dach verrät, dass all das Bitten nach Wetteränderung nicht erhört wurde.

 

 

 

 

 

Wir frühstücken erst einmal ausgiebig, packen unserer Rucksäcke mit dem Nötigsten und fahren in das benachbarte „A“ – der äußersten Siedlung auf dem Südkap der Lofoten. Im Infocenter besorgen wir uns eine Wanderkarte, schultern die Rucksäcke und nehmen als ersten Anlaufpunkt auf dem Stokkvikskaret die Holzgestelle mit dem Trockenfisch ins Visier. Die Orientierung fällt leicht, einfach immer dem Geruch der Fischköppe nach. Trotz der wachsenden Bedeutung des Tourismus ist der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle in der Region geblieben. Allen voran wird hier Dorsch zu Klipp- und Stockfisch verarbeitet. Ein schmaler Pfad führt nun bergan und bringt uns drei auf einen Sattel, den wir überschreiten müssen. Unterhalb dehnt sich der Agvanet aus. Ein See, der heute nur schemenhaft den grünen Hängen schmeichelt. Unter jedem unserer Schritte im Matsch saugen und schmatzen die Bergstiefel. Einzig die pittoresken Wasserfälle und das erreichen des Stokkvikskaret lenken von den widrigen Wetterbedingungen ab.

 

 

 

 

 

 

Wir halten uns auf dem ersten Bergrücken nicht lange auf. Weiter stapfen wir gegen den Guss von oben. Der verfängt sich in der Regenkleidung und rinnt dann langsam über die Nase ab. Der Wind zerrt an uns, es ist kalt. Was für eine Erfahrung – wir lieben es. Das Ziel Stokkvika erreichen wir wenig später. Ein warmer Tee aus der Thermoskanne tut gut und weckt neue Energie. Dann erst treten wir den Rückweg an, kaufen in der hiesigen Bäckerei unweit vom Infozentrum ein paar Zimtschnecken und kehren zurück nach Reine.

Ungezähmte Inseln

Das Örtchen Reine mit seinen 300 Einwohnern, welches über mehrere Inseln verteilt liegt, gilt zu Recht als eines der schönsten auf den Lofoten.

 

 

 

 

 

Der Reinebringen, ein 448 Meter hoher Felsen, der sich wie ein riesiger Krokodilzahn aus dem Fjord erhebt, dominiert hier das Landschaftsbild. Da wollen wir rauf! Dazu durchqueren wir den malerischen Ort, schwenken am Parkplatz nach links und gehen geradewegs zum Einstieg. Ein Schild weißt darauf hin, dass die Route anstrengend, exponiert und gefährlich sei. Ein Norweger erzählt uns, dass seit kurzem eine Natursteintreppe einen Teil des Weges erleichtert. Gleich zu Anfang ist der Pfad schon steil. Zwischen Vogelbeerbüschen hangeln wir uns bis zur Treppe bergan. Von da an geht’s erst einmal zügig hinauf bis auf das letzte Teilstück. Die letzten verbleibenden Meter wird ist es so glitschig durch den Regen vom Vortag, dass wir uns Steigeisen unter den Sohlen wünschen. Tochter Laura geht dabei wie eine Bergziege bergan, wir langsam hinterher. Dann das Gipfelerlebnis. Unter uns liegt Reine und der Kjerkfjord. Ein einzigartiges überwältigendes Panorama. Berge, Meer wohin wir sehen. Hier zeigt die Schöpfung wieder einmal ihre ganze Kreativität. Wir können uns gar nicht satt genug sehen – ein wirklich magischer Moment. Man könnte vor lauter Freude laut los schreien. Klein und unbedeutend fühlen wir uns bei Anbetracht dieses Naturwunders. Lange sitzen wir einfach da, bevor wir schweren Herzens den Rückweg antreten.

Draußen Zuhause

Nach nur wenigen Tagen hat auch uns die nordische Ruhe und Gelassenheit gepackt. Hier ticken die Uhren noch anders, niemand drängelt – alle sind freundlich und zuvorkommend.

Luxusgüter im Überfluss. Wir sagen Reine adieu, rollen über die E10 nach Ramberg und bewegen uns weiter nach Torsfjord, dem Ausgangsort für die Wanderung Kvalvika und Ryten. Die soll so atemberaubend schön sein, dass wir gleich das Zelt mit einpacken. Essen für einen Tag, Kocher, Schlafsäcke, Matten also alles für eine Nacht in der Natur. Ein kleines Schild weist uns den Weg hinauf zum Sattel. Die Aussicht beeindruckt. Vor uns zeigt sich eine sattgrüne Ebene flankiert von schroffen Bergriesen. In der Mitte ein idyllischer Strand. Wenn das nicht das Paradies ist, was denn dann? Wir steigen ab auf Meeresniveau, pausieren eine Weile. Die Sonne scheint uns ins Gesicht, der Wind streichelt die Wangen – wir spüren das pralle Leben. Dann geht’s hinauf auf den nicht mehr endend wollenden Pfad zum Ryten, der mit seinem Panoramaangebot nochmals zu punkten weiß. Schnell ist ein geeigneter Campplatz gefunden.

Es gibt Kartoffeltopf mit Rindfleisch und Steinpilztopf mit Nudeln von Travellunch, mmh lecker. Wir schlafen in Mutter Natur wie die Murmeltiere und machen uns am nächsten Morgen auf den Rückweg. Schwenken am Strand aber gen Süden Richtung Markjorda zurück zum Ausgangspunkt.

Jeder Tag ein Traum

Der Blick in unser Tourenbuch verrät, dass wir wohl Monate auf den Lofoten bleiben müssten, um das komplette Angebot an Tourenvorschlägen abzuwandern. Für eine der letzten haben wir uns den pittoresken Ort Nusfjord ausgesucht. Der ist so wunderbar, dass die ganze Gemeinde unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 

 

 

 

 

 

Zu Recht: Schmucke rote Häuser, eingekeilt zwischen schroffen Felsmassiven, der Hafen schon fast putzig klein mit seinem breiten Steg. Eine Atmosphäre wie aus dem Bilderbuch. Uns zieht es hier auf den Gipfel des Tonsasheia, ein großes und langes Plateau.

 

Umso höher wir steigen, umso mehr weicht die Vegetation einer schroffer Felsenlandschaft. In den Niederungen durchflutet die Sonne den Fjord, wir erblicken dunkle geheimnisvolle Seenlandschaften, einfach grandios.
Auf dem teilweise losen Schotter ist allerdings Vorsicht geboten. Ein Fehltritt und es geht steil bergab in die Schlucht. Erst auf dem Grad wird es eher flach und wir genießen den Rundumblick bei Brot, Trockenfisch, Rentierwurst und Tee. Unsere Tage neigen sich dem Ende zu. Der letzte Anlaufpunkt ist das östlichste Ende der Lofoten. Genauer gesagt der Stortinden auf Arsteinen. Der liegt dermaßen abgeschieden, dass wir uns den ganzen Tag diese letzte Wanderung mit keinem anderen Naturbegeisterten teilen müssen – was für ein Finale, was für ein unglaubliches Erlebnis…

Allgemeine Informationen

www.visitnorway.com

Reiseführer/ Karten „Werbung“

Anreise
Die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug in die Lofoten ist zeitaufwendig. Deshalb ist diese Variante erst ab einer Reisedauer von 3 Wochen empfehlenswert. Via Fähre von Puttgarden nach Rodby/Dänemark mit der Scandlines (www.scandlines.de),und von Kopenhagen nach Oslo mit DFDS Seaways, (www.dfds.de). Ab Oslo ca. 1.200 km bis nach Bodo auf die nächste Fähre Torghatten Nord (www.thn.no), ca. 4 Std. nach Moskenes auf den Lofoten.
Flugzeug: Scandinavien Airlines fliegt täglich von Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, München, Hannover, Hamburg und Stuttgart in die Hauptstadt der Lofoten nach Svolvar (4.500 Einwohner) allerdings mit umsteigen in Oslo und Tromso. Lufthansa fliegt täglich mit einmal umsteigen in Oslo ans Ziel.

Tourenvorschlag
Stokkvikskaret: Ausgangspunkt „A“ (letzter Ort in den Lofoten), Tagestour, mittelschwer, ca. 7 Std.
Reinebringen: Ausgangspunkt Reine, Tagestour, schwer, ca. 4 Std.
Kvalvika und Ryten: Ausgangspunkt Torsfjord, Rundkurs, Tages-/ Übernachtwanderung, mittelschwer, ca. 7-8 Std.
Tonsasheia: Ausgangspunkt Nusfjord, Tageswanderung, mittelschwer, ca. 7 Std.
Stortinden auf Arsteinen: Ausgangspunkt Arstein-/Hinnoya, Tageswanderung, leicht, ca. 4-5 Std.

Übernachtung
Reine: Reine Rorbuer, Tel.: +47 76 09 2222, www.reinerorbuer.no Günstige Alternative zu Hotels und Pensionen sind die gut ausgestatteten Campingplätze. Darüber hinaus gilt in Norwegen das Jedermannsrecht: Für eine Nacht darf man sein Zelt in der Natur aufbauen – allerdings mit festen Spielregeln: Nichts zerstören, Müll mitnehmen und keine Privatgrundstücke von Wohn- und Ferienhäusern betreten.

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