DiVa-Walk Trekking in der VarusRegion

Ganze vier Buchstaben stehen für eine Geschichte im Osnabrücker Land, die Wanderfreunde nicht nur in Erstaunen versetzt, sondern auch deren Phantasie anregt. Der DiVa Walk im Natur- und Geopark TERRA.vita vermittelt dabei einen aufregenden Zeitensprung zwischen urzeitlichen Dinosaurierspuren und dem sagenumwobenen Ort der Varusschlacht.

 

Mit dem Wort DiVa assoziiert man eigentlich unweigerlich einen Weltstar mit Glamour-Effekt, launisch im Luxus schwelgend und irgendwie der Welt entrückt. Davon kann hier im Osnabrücker Land allerdings nicht die Rede sein. Vielmehr skizziert das Wort, das sich aus Dinosaurier und Varusschlacht zusammenfügt, einen Prädikatswanderweg, der wie ein Füllhorn die Geschichte im Zeitraffer darstellt. 105 Kilometer Wanderspaß für die ganze Familie, wo es im beständigen Rhythmus viel zu entdecken gibt. Zahlreiche Stein- und Hügelgräber, uralte Wassermühlen, spannende Museen aber auch Burgen und Schlösser, die verträumt in wunderbaren Landschaften liegen. Dabei spart der Rundkurs nicht an Annehmlichkeiten – wie mit komfortablen Rastplätzen, informativen Schautafeln und natürlich einer durchgängigen Beschilderung, die keine Wünsche offen lässt.

Historisch, Modern & „Steinreich“

Bad Essen, unser Ausgangsort für die mehrtägige Wanderung, muss man einfach mögen.

Ein gepflasterter mit Fachwerkbauten umschlossener Kirchplatz ziert das Ortbild im Augenschein der weiß getünchten St. Nikolaikirche. Gut besucht sind die vielen Restaurants und Cafés, in denen sich Gäste mit hiesigen Spezialitäten verwöhnen lassen. Seit 1902 ist Bad Essen darüber hinaus ein anerkannter Badeort wegen der heilenden Wirkung seiner Solevorkommen.Wenige Gehminuten vom Kirchplatz entfernt kann man sich selbst ein Bild davon machen. Handwerklich grandios gestaltet liegt hier die Solearena. Ein echter Blickfang. Von drei Seiten zugänglich wird hier hochprozentiges Salzwasser aus 800 Metern Tiefe hoch gepumpt, um im Anschluss über Reisigbündeln abzutropfen. Wirklich äußerst wohltuend für die Atemwege. Den Rucksack geschultert verlassen wir den entschleunigten Kurort in westlicher Richtung nach Ostercappeln. Das punktet gleich bei unserem Eintreffen mit seiner weithin sichtbaren Lambertuskirche und deren Kunstschätze. Taufstein und Triumphkreuz, um nur wenige Höhepunkte zu nennen. Was folgt ist ein herrlicher Abschnitt durch dichten Schatten spendenden Wald nach Vehrte. Das liegt auf der Strasse der Megalithkultur. Ein Blick in die Steinzeit gewähren hier der Teufels Backtrog ebenso der Teufels Backofen. Tonnenschwere Findlinge, die als Großsteingräber dienten und Rückschlüsse auf eine frühe Besiedlung bezeugen. Wir sind im Wiehengebirge, was dann auch die eine oder andere Steigung erklärt, die wir zum nächsten Höhepunkt auf dem DiVa Walk anpeilen.

Von Römern und deren Legionen

Der Waldweg wird breiter und geht über in eine offene Feld- und Wiesenlandschaft, die uns direkt zur Darpvenner Diele führt.

Ein gemütliches Bauernhof-Café, wo es sich bei Sonnenschein herrlich rasten lässt und die Kinder im angrenzenden kleinen Tierpark ihre Freude haben. Wer hungrig ist, dem empfehlen wir hier die sogenannte „Kartoffelplate“. Eine hiesige schmackhafte Spezialität einer Pizza nicht unähnlich, deren Boden allerdings aus der Erdknolle besteht. Sehr lecker! Frisch gestärkt sollte man sich dann auch das gegenüberliegende Eisenzeithaus ansehen. Eine gelungene Rekonstruktion eines eisenzeitlichen Wohnstallhauses: mit Backofen, Kräutergarten und Handwerksgegenständen, die einen tollen Einblick in diese Epoche vermitteln.

Folgt man jetzt weiter der auffälligen orange-blauen Wegweisung, so kommt man wenig später nach Venne mit seiner schönen Mühleninsel und dem Waffelmuseum mit Verkaufraum, wo sich Leckermäulchen mit Süßem für die weitere Wanderung auf dem DiVa Walk eindecken können. Nächster kurzer Stopp bietet sich uns am Venner Aussichtsturm an, der mit 20 Metern Höhe grandiose Panoramen in den Teutoburger Wald und das Wiehengebirge parat hält. In Gedanken allerdings sind wir schon ein paar Kilometer weiter zu einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Deutsche Geschichte steht. Im Museum und Park Kalkriese.

Wir schreiben das Jahr 9 n. Chr. „als die Römer frech geworden“. Die beherrschten mittlerweile die Welt und drangen mit ihren Legionen immer tiefer in Germanien ein, um dort lebende Stämme zu unterwerfen. Daraufhin packte die Germanen der “Furor Teutonicus“, also der deutsche Wutanfall. Es kam zur alles entscheidenden Schlacht bei Kalkriese, wo die germanischen Stämme unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius oder auch Hermann genannt drei römische Legionen des Varus vernichtend schlugen. Nach der Niederlage gaben die Römer die Germanen auf und schenkten ihnen somit die Möglichkeit Deutsche zu werden. Als Schutz gegen weitere Auseinandersetzungen folgte der Bau des Limes. Deutschland wurde zum ersten Mal geteilt. Eindrücklich wird die Varusschlacht im Museumsbau dokumentiert und mit den hier ausgestellten Ausgrabungsfunden in Bezug gesetzt. Damit nicht genug werden im weitläufigen Park durch Wallanlagen und vielem mehr dem Besucher veranschaulicht, was sich hier vor rund 2000 Jahren zugetragen hat. Tipp: Spannende Wechselausstellungen bieten weitere tiefe Einblicke in die Geschichte, wie die Sonderausstellung „Roms Legionen“, die noch bis zum Herbst 2019 zu sehen sein wird.

Fabelhafte Aus- und Einsichten

Als wir Alt-Barenaue erreichen erhebt sich just in dem Moment ein Silberreiher aus dem Burggraben, kreist eine weite Runde um die Wasserburg und entzieht sich unserem Auge.

Hier rasten wir kurz, nehmen einen Schluck aus der Trinkflasche – einfach mal in Ufernähe ins Gras setzen und die Beine baumeln lassen. Mit dieser Bilderbuchmarke haben wir nun den nördlichsten Punkt auf dem Rundweg erreicht. Von weithin grüsst bereits die 157 Meter hohe Schmittenhöhe mit ihrem schönen Mischwald. Vereinzelt sehen wir Wanderer, die ebenso wie wir die üppige Natur in diesen beruhigenden Landschaften genießen. Schritt um Schritt geht es jetzt im sanften Wellenritt bis nach Rulle. Das schmückt sich mit seinem ehemaligen Zisterzienserinnenabtei, einem viertürmigen Wallfahrtsziel aus dem 13. Jh. Wir halten uns gar nicht lange auf, sondern tauchen von hier direkt ins Nettetal ein und sollen überrascht werden.

Wie vor hunderten von Jahren verrichtet hier die historische Wassermühle ihren Dienst und darf sich zu den ältesten ihrer Art in der Region Osnabrück zählen. Alleine fünf Meter im Durchmesser reicht das mächtige Wasserrad, das sich im Rhythmus der Naturgegebenheiten dreht – ein tolles Schauspiel. Anders aber nicht minder interessant zeigt sich die nahe gelegene Wittekindburg. Heute eine Ruine, wo – so wird es sich erzählt – der Sachsenherzog Widukind Schutz vor seinen fränkischen Feinden gesucht hat. Das ist freilich lange her und verstecken muss sich heute auch niemand mehr. Vielmehr zeichnet den DiVa Walk die Abwechslung aus, wo auf der Wanderung ganz nach belieben die eine oder andere Sehenswürdigkeiten der Region in Augenschein genommen werden darf.

Auf den Spuren fossiler Wattwanderer zurück auf Los

Ein kleiner Wadenzwicker folgt dem nächsten auf dem weiteren Routenverlauf nach Belm.Dazwischen durchstreifen wir noch das „Steinerne Meer“ auf dem Gattberg. Rund 1000 Findlinge liegen hier in der Landschaft verstreut. Der Größte von ihnen, der „Butterstein“, wird auf 70 Tonnen geschätzt und soll einst als Gerichtsstein gedient haben. In Belm hingegen erwartet uns die Belmermühle, deren Wurzeln unglaubliche 1200 Jahre in der Geschichte zurückreichen. Es folgen die Sloopsteine, eine „steinalte“ Grabanlage, von wo aus es jetzt Hitzhausen entgegen geht. Dort schwenken wir hart nach rechts und orientieren uns an dem großen Klinikum auf dem Essenerberg. Unaufhaltsam wandern wir nun Barkhausen entgegen, einer heute greifbaren Einmaligkeit, die uns nur so in Staunen versetzen soll. Die ersten nachweisbaren Wattwanderer der Erdgeschichte haben ihre Fußspuren im Mittelgebirge hinterlassen. Es sind die Saurierfährten von Barkhausen.Nicht weit entfernt von Bad Essen – unserem Ausgangspunkt der Wanderung. Die riesigen Fußabdrücke wurden erst 1921 bei geologischen Erkundungen entdeckt und sind seit dem ein viel und gern besuchter Ort. Infotafeln und Sauriermodelle geben hier weitere tiefe Einblicke in das vergangene Erdzeitalter. „Was für ein Höhepunkt am Ende unsere Tour“, denken wir uns und nehmen dabei die letzte Etappe nach Bad Essen unter die Sohlen. Auf dem Kirchplatz streifen wir dann den Rucksack von der Schulter und lassen uns ohne Umwege im heimeligen Restaurant „Kaffeemühle“ nieder. Dort schlemmen wir nach Herzenslust und freuen uns über jeden der großartigen Tage auf dem DiVa Walk.

Infobox

Charakter

Der DiVa Walk hat eine Gesamtlänge von rund 105 km. Dabei teilt sich die Wanderung in der Varus Region in eine West- und Ostschleife, die miteinander verbunden sind. Start/Ziel kann hierbei jeder selbst bestimmen, wobei wir unseren Ausgangspunkt in Bad Essen gewählt haben. Die Tour erfreut sich einer vorbildlich-lückenlosen Beschilderung. Wegen der Topografie und auch Länge empfehlen wir eine gute Kondition.

Anreise

Auto: Eine Anreise mit dem eigenen Fahrzeug bietet sich an, da es sich bei dem DiVa Walk um zwei miteinander verbundene Schleifen handelt, die wieder zum Ausgangspunkt zurückführen. Unser Start/Ziel Bad Essen: Über die Autobahn A1 von Bremen/Oldenburg oder aus Münster: Ausfahrt Bramsche in Richtung Minden/Bad Essen. Von Hannover über die A2, Ausfahrt Bad Oeynhausen, A30 bis Ausfahrt Gesmold und weiter zum Ziel.

Bahn: Bad Essen liegt 7 km von Bohmte entfernt, einem Bahnhof an der Strecke Osnabrück/Bremen. Von Bohmte nach Bad Essen mit Taxi oder Bus. Anreisende aus dem Raum Berlin-Hannover empfehlen wir über Melle oder Osnabrück zu fahren.

Literatur
Die Wanderkarte für den DiVa Walk „Wandern in der VarusRegion“ kann telefonisch bei der Touristinformation in Osnabrück (siehe Infos) angefordert werdet.

Ausrüstung
Festes Schuhwerk, Tagesrucksack mit Proviant und Trinkflasche, Sonnenschutz, Mütze, kleines Erste-Hilfe-Päckchen.

Infos
Tourismusverband Osnabrücker Land e.V., Tel.: 0541 323-4567, www.osnabruecker land.de, Natur- und Geopark Terra.vita, Tel.: 0541 501-4217, www.naturpark-terravita.de
Auf Wunsch kann ein Gepäcktransport organisiert werden.

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