Litauen mit dem Campmobil

Das Baltikum ist ein mystischer Flecken Erde im Nordosten Europas. Weite Seenlandschaften, romantisches Hügelland aber auch kulturell aufregende Städte mit einer langen Geschichte machen einen Roadtrip durch Litauen so besonders. Familie Herzmann hat sich auf den Weg gemacht – und war ausnahmslos begeistert!

Reisen, das bedeutet für uns Freiheit, Abenteuer, dort bleiben wo es einem gefällt. Keine Hektik und schon gar keinen Stress aufkommen lassen, das Alltagsleben also vergessen und jeden Moment des Unterwegssein genießen. Die für uns angenehmste Möglichkeit der Anreise ist die Fähre. Man hat nicht nur etwas mehr Zeit sich auf das Reiseland einzustellen, sondern genießt mit der DFDS Fähre von Kiel aus eine wunderbare Passage über das „Baltische Meer“. Und komfortabel ist es noch dazu. Immer wieder ein Erlebnis, immer wieder aufregend. Litauen wir kommen. Die Überfahrt dauert 22 Stunden aber langweilig wird es dabei zu keinem Moment. Essen, trinken, Gleichgesinnte kennen lernen und schon jetzt das Kribbeln im Bauch fühlen, was uns denn in diesem für uns neuen Reiseland wohl alles Aufregende erwarten wird.

Die Kurische Nehrung
Es ist bereits Nachmittag als die Fähre in Klaipeda anlandet. Schneller als erwartet rollen wir aus dem Schiffsbauch heraus, geradewegs in die wollig warme baltische Sonne. Wir steuern um den Hafen herum und stehen zügig nur einen Steinwurf entfernt an einer kleinen Autofähre, die uns auf die Kurische Nehrung bringen soll.

 

 

 

 

Die Fahrt über die Mündung des Kurischen Haffs dauert nur wenige Minuten und wir haben Glück – wir kommen direkt mit. Die gegenüberliegende Seite muss da schon etwas mehr Geduld aufbringen, denn hier staut sich der Verkehr so weit das Auge reicht. Tipp: Wenn möglich bei gutem Wetter am Wochenende Nachmittags die Rückreise zum Festland vermeiden!
Gemütlich rollen wir jetzt in südlicher Richtung gen Nida. Dazwischen passieren wir noch einen Haltepunkt wo jeder seinen Beitrag für die Kurischen Nehrung zu entrichten hat.

 

 

 

 

 

Juodkrante liegt auf dem Weg zum ersten Etappenziel. Ein schmucker Fischerort, wo an jeder Ecke geräucherter Fisch zum Verkauf angeboten wird. Überhaupt ist der erste Eindruck grandios. Ein langer, mit saftig grünen Wäldern bewachsener Streifen Land, geschmückt mit schmalen weißen Sandstränden, beidseitig vom Meer umspült. Hier auf dem Gebiet des Nationalparks Kurische Nehrung, der von der UNESCO zum Weltnaturerbe geadelt wurde, erheben sich mit die höchsten Sanddünen Europa’s. Campen kann man übrigens hervorragend auf dem Campingplatz „ Nidos kempingas“ in Nida.

 

 

 

 

Am Tag darauf schlendern wir dann erwartungsvoll durch den Ort, der unglaublich viel zu bieten hat. Dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann ist das seiner Zeit auch nicht entgangen und hat sich auf einer Anhöhe ein hübsches Sommerhaus mit grandiosem Ausblick gegönnt – heute ein Museum. Gegenüber der Bucht ragen indes die weißen Sanddünen in den blauen Himmel, was für ein Panorama. Um dahin zu gelangen laufen wir an der Promenade zurück in den Ort und stoßen dabei geradewegs auf das Bernsteinmuseum, das wir nur wärmstens weiter empfehlen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber auch das alte Fischerdorf (Museum) ist ein echtes Juwel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.Besonders gefallen hier die alten Gehöfte mit ihren traditionellen bunten Ornamenten, die so sagt man mit ihrer Magie das Unheil fernhalten. Sehr hübsch auch die Kurenwimpel, also „Fahnen“ aus Holz, die sich wild im aufkommenden Wind drehen. Erst danach steigen wir über breite Holztreppen die Düne hinauf, atemberaubend, unwirklich schön. Linker Hand blicken wir auf das Haff, rechts auf die Ostsee – wahrlich ein Ort, von dem man sich nur schwer lösen kann.

Kulturelle Highlights im Zeitraffer

Was in Litauen direkt positiv auffällt – niemand drängelt im Straßenverkehr. So auch bei unserer Fahrt ins 330 Kilometer entfernte Trakai im Osten des Landes. Ein historisches Juwel wie sich herausstellen soll. Großfürst Vytautas schrieb Ende des 14. Jh. mit seiner Inselburg Geschichte. Mitten in einer grandiosen Seenplatte gelegen, an den Rändern grün gesäumt, reckt sich das rote Bollwerk mit seinen Rundtürmen empor.

 

 

 

 

Eine Bilderbuchkulisse erster Güte. Ehrlich, das Idealbild einer Mittelalterlichen Burg. Wir schlendern über den Holzsteg, nehmen an einer Besichtigungstour teil und erfahren so viel Wissenswertes über die Entwicklung der Festung. Erst am späten Nachmittag rollen wir der Hauptstadt Vilnius entgegen, die nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Ein eiserner Wolf, so die Legende, zeigte Großfürst Gediminas im Traum den Standort seiner neuen Stadt. Wach geworden, das war so anno 1323, ließ der Fürst am Zusammenfluss von Neris und Vilnia eine Burg errichten. Bereits im Mittelalter zählte Vilnius zu einer der wichtigen europäischen Metropolen.
Und Heute? Ist die eine UNESCO Welterbe- Stadt und ein Touristenmagnet sondergleichen. Denn zu entdecken gibt’s viel – verrät ein erster Blick in den Reiseführer. Wir beginnen unseren Rundgang bei der im gotischen Stil gehaltenen Stanislaus Kathedrale im Herzen der Stadt – ein mächtiges Bauwerk flankiert von einem riesigen Uhrturm. Wegen der Dichte an Kirchen hat sich Vilnius auch den schönen Beinamen „das litauische Rom“ erworben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das können wir nur bestätigen. Klettert man dann hinauf auf die alte Festung (ein Steilaufzug ist auch vorhanden), besteigt dann den roten achteckigen Gedimino Turm, das Wahrzeichen der Stadt, hat man einen unglaublichen Blick auf Vilnius mit ihren 50 Kirchturmspitzen. Neben der wunderbaren Altstadt spiegeln auch die Stadtteile wie Uzupis und Zverynas den vielseitigen architektonischen und geschichtlichen Charakter dieses Ortes wieder. Uzupis gefällt uns dabei wegen seiner aktiven Künstlerszene besonders gut. Aber auch das KGB Museum ebenso das Nationalmuseum sind nicht zuletzt Höhepunkte, die sich in dieser Stadt niemand entgehen lassen sollte.

Lust auf ungezähmte Natur

Weiter geht’s auf unserer Reise durch Litauen. Nach soviel zu Stein gewordnen kulturellen Leckerbissen zieht es uns jetzt nur noch in echte ursprüngliche Natur.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Aukstaitija Nationalpark bietet sich wunderbar dazu an. Er ist nicht nur der Älteste, sondern auch der beliebteste Nationalpark Litauens. Der Park, der rund 30.000 Hektar umfasst, ist wie geschaffen für Naturbegeisterte, die gerne Wandern gehen, eine Runde im Kajak drehen möchten oder im Camper auf einem der vielen kostenfreien Stellplätzen die Beine baumeln lassen wollen. Eine Region überbeschenkt mit unzähligen Seen in Endmoränenlandschaft mit Fichtenwäldern, Mooren, Weidelandschaften und vereinzelten Kleinstdörfern. Paluse liegt gerade einmal 120 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Hier direkt am Lüsis-See befindet sich auch das Nationalpark-Infocenter.

 

 

 

 

Wir decken uns umfangreich mit Kartenmaterial ein, besichtigen die sehenswerte Holzkirche aus dem 18. Jh. im Ort und fahren erst einmal nach Ignalina. Im Supermarkt kaufen wir das nötigste ein, besorgen und das Permit zum Angeln und begeben uns zurück nach Paluse. In dem eben frisch erworbenen Ringbuch sind detailliert Campplätze verzeichnet, wovon wir einfach den nächsten ansteuern. Asphalt mündet in einen Waldweg, der wiederum zu großen voneinander getrennten Campparzellen führt.

Feuerstelle mit Holz, feste Holzbänke und Tische, ein Steg in den See hinein, das Schilf wiegt sich im Wind – niemand dort, außer uns. Glück kann so einfach sein. Indes Tochter Laura gemütlich auf dem Steg die Angel auswirft, geben Manuela und ich uns ans Kochen. Man kann ja nicht darauf hoffen, dass direkt heute schon ein großer Fisch unseren Speiseplan bereichern wird. Es gibt wie erwartet doch Pasta mit einem gemischten Salat dazu. Die Nacht ist ruhig, nur der Wind in den Bäumen streichelt beruhigend die Seele.

Litauen – Spannend bis zum Schluss

Ursprünglich wurde der Aukstaitija Nationalpark zum Schutz der Artenvielfalt von Flora und Fauna angelegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute sind hier 60% aller Pflanzenarten Litauens vertreten. Darüber hinaus birgt die Region aber auch einige kulturelle Höhepunkte, die man auf einer der vielen vorgeschlagenen Autorouten erkunden kann. Mit der „A1“, einem kleinen Rundkurs von ca. 45 Kilometern entdecken wir nicht nur sagenumwobene Hügelgräber und eine historische Wassermühle, sondern auch das Imkereimuseum, was nicht alleine wegen seiner herrlichen Lage im Wald beeindruckt. Dazwischen immer wieder Wegweiser zu Campplätzen, einer schöner als der andere und fast immer Menschenleer.

 

 

 

 

Die Tage verfliegen wie im Nu, leider, die Rückfahrt nach Klaipeda steht uns bevor. Auf dem Weg zurück an die Fähre legen wir noch einen ausgiebigen Stopp am Berg der Kreuze in Siauliai ein – nicht nur dem wichtigsten, sondern auch international bekanntesten Wallfahrtsort im Land. Besonders nach dem Papstbesuch 1993 nahm die Popularität zu. Zur ursprünglichen Entstehung des Wallfahrtsortes gibt es gleich zwei Überlieferungen: Ein Vater sei am Krankenlager seiner Tochter eingeschlafen dem wiederum eine Gestalt im Traum erschienen ist die ihm aufgab, ein Kreuz auf dem Hügel aufzustellen. Gesagt getan, das Kind wurde wieder gesund. Die andere Variante erinnern an die Gefallenen von 1863 und an jene Litauer, die der Fremdherrschaft zum Opfer vielen. Unsere letzte Nacht im Land verbringen wir in aller Ruhe im Zemaitija Nationalpark bevor wir in Klaipeda einrollen. Eine tolle Stadt, die mit ihrem „Ännchen von Tharau“ berühmt wurde. Und jetzt stehen wir wieder im Hafen, halten die Fährtickets für die Passage über das Baltische Meer parat. Wehmütig blicken wir zurück auf eine völlig entspannte Zeit in einem Land, das wir ehrlich nur weiter empfehlen können…

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Charakter der Tour
Eine Reise für die ganze Familie zu den schönsten Orten in Litauen, mit vielen Naturerlebnissen, urigen freien Stellplätzen und einem ausgezeichnet ausgebauten Straßennetz. Reisedauer gesamt: Drei Wochen.

Literatur

Ringbuch mit ausgesuchten Autorouten durch den Aukstaitija Nationalpark ist im Besucherzentrum in Paluse erhältlich, 5,00 Euro.

Anfahrt
Von Kiel aus mit der DFDS-Fähre (täglich) nach Klaipeda in Litauen (22 Stunden Fahrzeit), www.dfdsseaways.de

Angeln
Auch diejenigen ohne „Angelschein“ können in Litauen ganz legal ihr Glück versuchen. Angel-Permits gibt es in den Supermärkten am Infoschalter zu kaufen. Eine Woche – gesamt 7 Euro.

Stationen in Litauen
Klaipeda, Kurische Nehrung (Neringa)/Juodkrante und Nida, Inselburg Trakai, Vilnius, Aukstaitija Nationalpark, Kreuzberg von Siauliai, Zemaitija Nationalpark.

Nützliche Links

Aukštaitija Nationalpark
www.anp.lt

Fährverbindungen
www.dfdsseaways.de

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