Der musizierende Pottbäcker am Hüggel

Viele Geschichten ranken sich um den Hasberger Pottbäcker und seine berühmten Hüggelzwerge. Bernd Niehenke führt die über 200-jährige Töpfereigeschichte seine Familie fort. Wenn der Meister seines Handwerkes davon erzählt, hören nicht alleine nur Kinder, sondern auch Erwachsene gespannt zu…

Gelebte Tradition

Das Osnabrücker Land ist wahrlich ein gemütlicher Flecken Erde. Die Menschen reden plattdeutsch, sind tief verwurzelt mit ihrer landschaftlich reizvollen Region und wissen in ihrer unaufgeregt-freundlichen Art steht’s Auskunft über Weg und Steg zu geben. Hier am plätscherten Sunderbach, genauer gesagt Am Plessen 51 in Hasbergen, treffen wir auf ein besonderes Exemplar: Bernd Niehenke. Musiker, Weltreisender, Keramikmeister und Geschichtenerzähler. Schon beim Betreten der Töpferei fällt uns der riesige Kamin auf.

 

 

 

 

Ein Buchenfeuer prasselt und sorgt mit seinem gemütlichen Knistern für eine wohltuende Atmosphäre. Auf den Regalen und Ausstellungstischen sammelt sich traditionelles erdfarbenes Geschirr in allen möglichen Formen reich verziert mit Pünktchen und Streifen. Typisch für die Arbeiten von Pottbäcker Niehenke.

 

 

 

 

Wenn er dann an seiner Drehscheibe sitzt und einen Klumpen Ton handwerklich geschickt zu einem Gefäß formt wird seine Stimme ganz weich. Wir könnten ihm stundenlang zusehen und zuhören. Es sieht so spielerisch leicht aus was er tut – und ist dennoch so kompliziert.

Aber was ist das eigentlich – Ton?

Tone sind vor rund 30 Millionen Jahren entstanden. In jener Zeit war Europa von einem undurchdringbaren subtropischen Regenwald bedeckt. Bei der tropischen Verwitterung entstanden feinste Gesteinskörnchen, die von Bächen, Flüssen und dem Wind weggetragen wurden. Die Partikel von mikroskopischer Größe setzten sich unter anderem in Seen ab.

 

 

 

 

Sie schufen unsere heutigen Tonminerale. Also ein klassisches Verwitterungsprodukt wie zum Beispiel: Kaolinit, Eisenoxyd, Kieselsäure, Quarz und Feldspat. Archäologische Funde haben bei Ausgrabungen ergeben, dass bereits etwa 700 bis 400 v. Chr. in der Eisenzeit keltische Stämme getöpfert haben. Die größten zusammen hängenden Tonvorkommen Europas gibt es heute im Westerwald. Aber man findet sie auch, wenn auch kleiner und übersichtlicher im Osnabrücker Land – beispielsweise direkt neben der Werkstatt von Keramikmeister Bernd Niehenke.

Reise in die Vergangenheit

Töpfern hat eine lange Tradition im Hause Niehenke. Das erfahren wir, als wir durch die historische Werkstatt schlendern. In der bereits 7. Generation dreht sich hier die Töpferscheibe und „Opas Tongrube“ nebenan ist immer noch in Betrieb. „Damals, nach dem Krieg“, erzählt Bernd Niehenke, „musste der Opa und die 7. Brüder äußerst kreativ sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie gestalteten die Töpferei zur Blumentopffabrik um, in der bis zu 15.000 Töpfe täglich produziert wurden.“ Die selbstgebauten Maschinen geben ein beeindruckendes Zeugnis vom Erfindungsgeist und Ideenreichtum der Vorfahren ab. Vom Schrottplatz nebenan besorgte man sich die nötigen Teile. Es wurde geschraubt und gehämmert bis es passte. Panzerteile, Motoren und Räder – alles fand Verwendung in der Werkstatt. Mit den Teilen eines U-Bootes konnten Tonschollen zerklopft werden. „Eine Knochenmühle der Deutschen Walfangflotte wurde zur Tonmühle und Panzerteile rüsteten sie zu Knetmaschinen um“, berichtet Niehenke. In Nachtwachen kontrollierten die Geschwister abwechselnd den „Brand“ und erschufen nebenbei die berühmten Hüggelzwerge, die hier in der alten Werkstatt für eine besonders spannende Atmosphäre sorgen.

Musikalische Events & More

Doch nicht nur Gegenstände aus geformten Ton zeugen von einer Leidenschaft der Niehenkes. In einer Ecke neben dem Kamin fällt der Blick auf eine Reihe von Akkordeons und Gitarren.Der Pottbäcker hat auch seine eigene Band „Die Plattmakers“ ,mit der er immer wieder in seinen Räumlichkeiten aufspielt – aber auch durch die ganze Region tourt. Andererseits veranstaltet Niehenke seit fast 20 Jahren regelmäßig Konzerte in der Töpferei, die schon längst kein Geheimtipp mehr sind. Da wird der Eingangsbereich zum Konzertraum. Meist sitzen die Zuhörer noch auf der Treppe nach oben. Aber auch Märchennachmittage und Kindertheater-Aufführungen stehen für die jungen Gäste auf dem Programm. Indess können die Eltern eine Führung durch die Werkstätten und Ausstellungsräume unternehmen – auf Wunsch mit einer Kaffeetafel mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen vorne weg.

Kontakt und Information
Bernd Niehenke
Am Plessen 51, 49205 Hasbergen
Tel.: +49 (0)5405-3313
www.niehenke.eu

 

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